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30. Juli 1997 | Digitales

Online-Konkurrenz durch öffentliche Einrichtungen

BDZV kritisiert Aktivitäten der Städte und Kammern

Mit Sorge sieht der BDZV, daß Städte und Gemeinden sowie die Industrie- und Handelskammern zunehmend eigene Online-Plattformen einrichten, die das Geschäft der Zeitungsverlage als Online-Anbieter in der Region erschweren. Bereits in seiner Rede beim BDZV-Zeitungskongreß 1996 in Stuttgart hatte Dr. Richard Rebmann, der Vorsitzende der BDZV-Arbeitsgruppe Elektronisch Publizieren / Multimedia, vor einer Behinderung des Wettbewerbs durch öffentliche Einrichtungen gewarnt.

Viele Städte und Gemeinden haben mittlerweile eigene Online-Dienste in der Region eingerichtet, um städtische Dienstleistungen und Informationen über die Stadt den Bürgern möglichst bequem anbieten zu können. Diese Aufgeschlossenheit gegenüber den neuen Medien ist grundsätzlich positiv für die Bürger, sie kann jedoch für die Zeitungsverlage sehr rasch zu einer Behinderung werden, wenn beispielsweise eigene Online-Plattformen mit Fremdwerbung im Namen und Auftrag der Stadt produziert werden. Teilweise werden auch die kommunalen Rechenzentren als kostengünstige Service-Provider für Dritte aktiv. Eine Umfrage des BDZV unter den Mitgliedsverlagen ergab, daß bei 54 Prozent der Befragten die Städte und Gemeinden mit einem regionalen Online-Angebot aktiv sind, das keine Fremdwerbung enthält, während bei 25 Prozent der Befragten die Kommunen ein werbefinanziertes Online-Angebot betreiben. Auch das Angebot kostengünstiger Dienstleistungen im Online-Sektor durch die Kommunen scheint weit verbreitet zu sein. Rund 19 Prozent der Befragten berichteten über solche Aktivitäten in ihrem Verbreitungsgebiet. Insgesamt sahen über 31 Prozent der Befragten den Wettbewerb in ihrem Verbreitungsgebiet durch die Aktivitäten der Städte und Gemeinden erschwert. In einigen Fällen scheint jedoch auch eine positive Kooperation zwischen Stadt und Zeitungsverlag im Online-Bereich zu bestehen. In rund 19 Prozent der Fälle kooperieren die Städte und Gemeinden mit Zeitungshäusern.

Auch die Industrie- und Handelskammern versuchen zunehmend, ihren Mitgliedern mehr Service durch Online-Informationen zu bieten. Darüber hinaus werden die eigenen Online-Präsenzen als Plattform für die Mitgliedsunternehmen genutzt. Diese Zielsetzung führt jedoch in einigen Fällen nicht nur zu einer Förderung der regionalen Wirtschaft, sondern auch dazu, daß komplette Firmen-Internet-Auftritte kostenlos durch die Industrie- und Handelskammern angeboten werden. Dadurch werden die Marktchancen der Zeitungsverlage als Service-Provider in der Region zunehmend behindert. Bereits über 14 Prozent der Befragten gaben an, daß die Marktentwicklung durch die Aktivitäten der IHKs zunehmend erschwert würden. Um die Entwicklung von Online-Dienstleistungen der Industrie- und Handelskammern im Anfangsstadium im Sinne der Zeitungsbranche beeinflussen zu können, wird der BDZV Gespräche mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag führen.

Auch in anderen Bereichen zeigt sich, daß die öffentliche Hand bei Förderprojekten im Online-Sektor teilweise über das Ziel hinausschießt und in bestehende Wettbewerbsverhältnisse eingreift. Zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen bieten günstigen Serverplatz und die Gestaltung von Internet-Auftritten für Geschäftskunden an. Für die Zeitungsverlage als Wettbewerber, die ohne staatliche Zuschüsse auskommen müssen, stellt dies eine Wettbewerbsverzerrung dar. Da bei den meisten Projekten bei den Verantwortlichen jedes Unrechtsbewußtsein fehlt, ist es entscheidend, auf allen Ebenen die Betroffenheit der Zeitungsverlage darzustellen und deutlich zu machen, wie empfindlich der Wettbewerb in einem noch zu entwickelnden Markt gestört werden kann.

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