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05. September 1997 | Digitales

Online-Dienste im Telefon- und Breitbandkabel

Ausbau des Datenhighways wird getestet

Mit unterschiedlichen Projekten wird in den einzelnen Bundesländern die Kombination des TV-Breitbandkabels mit Online-Diensten getestet. Dabei unterscheiden sich die Versuche vor allem im Investitionsaufwand für die Dienste auf Seiten der Betreiber und in den Kosten, die für zusätzliche Hardware auf Nutzerseite anfallen.

Im Rahmen der "Landesinitiative media NRW" wird mit dem Pilotprojekt "Multimedia Gelsenkirchen" die Vernetzung einer Region erprobt. Kernstück des Modells ist ein Glasfasernetz, das die über das Stadtgebiet verteilten Kabel-TV-Inseln verbindet. Bei diesem Modellversuch sind hohe Übertragungsraten innerhalb des Glasfaserkabels möglich, die durch den Einsatz von rückkanalfähigen Verstärkern nicht nur die Übertragung großer Datenmengen vom Anbieter zum Nutzer ermöglichen, sondern auch eine hohe Datenübertragung im Rückkanal des Nutzers sicherstellen. Problematisch bei diesem Modellversuch sind die hohen Kosten für den Netzbetreiber, die durch die Schaffung eines neuen Glasfasernetzes anfallen. Darüber hinaus sind die vergleichsweise hohen Kosten auf Seiten der Endnutzer für das Kabelmodem und die Ethernet-Netzwerkkarte zu beachten. Kontakt: o.tel.o, Birgit Schultz, Telefon: 0209/1672418.

Ein weiterer Modellversuch, der ebenfalls im Rahmen des Förderprogramms "media NRW" des Landes Nordrhein-Westfalen getestet wird, stellt dagegen weniger hohe Anforderungen an die Investitionen der Netz- beziehungsweise Dienstebetreiber. Ausgangsbasis ist das bestehende Kupfernetz, das mit einer neuen Übertragungstechnik (ADSL) höhere Übertragungsraten bei der "Last Mile", das heißt der Zuleitung in die privaten Haushalte gestatten soll. Das Pilotprojekt wird in den Städten Bonn, Köln und Düsseldorf getestet. Kontakt: Eutelis Consult, Gregor Kellershohn, Telefon: 02102/99166; e-mail: gk@eutelis.de.

Modellversuch BOT

Im Rhein-Main-Gebiet wird derzeit eine weitere Variante getestet, die das System der Rundfunkübertragung für Online-Angebote nutzbar machen soll. Mit Broadcast-Online-TV (BOT) wird die horizontale Austastlücke des Fernsehens erstmalig für Datenübertragungen genutzt. Bisher wurde lediglich die vertikale Austastlücke für die Übertragung von Video-Text eingesetzt. Damit kann eine Netto-Datenmenge von 152 Kilobit pro Sekunde übertragen werden, allerdings steht kein adäquater Rückkanal zur Verfügung. Die bisherigen Tests von Broadcast Online TV wurden dazu eingesetzt, eine Punkt-zu-Multipunkt-Ausstrahlung von Informationen zu testen. Damit ist zwar keine Interaktivität im System vorgesehen, allerdings ist beispielsweise die Ausstrahlung einer elektronischen Zeitung durchaus möglich. Im Gegensatz zum Modellversuch "Multimedia Gelsenkirchen" ist bei Broadcast Online TV keine hohe Anfangsinvestition des Netzbetreibers erforderlich, da auf bestehende Netze zurückgegriffen werden kann. Allerdings steht einer raschen Verbreitung von Broadcast Online TV die Tatsache entgegen, daß auf Seiten der Nutzer Hardware zum Erkennen der Daten benötigt wird, die sich derzeit noch auf circa 2000 Mark beläuft. Kontakt: Verband Hessischer Zeitungsverleger, Holger Paesler, Telefon: 069/78979103.

Cyber City

Das Münchner Pilotprojekt "Cyber City" greift auf das bestehende TV-Breitbandkabelnetz zurück und benötigt daher keine neuen Infrastrukturinvestitionen. Durchgeführt wird dieses Projekt von einer Tochtergesellschaft der Münchner Gesellschaft für Kabelkommunikation mbH (MGK). Mit Hilfe eines in Israel entwickelten Kabelmodems können Highspeed-Internetzugänge hergestellt werden. Bei diesem Modellversuch können Anbieter, die entweder direkt an den Zugangsrechner in München angeschlossen sind oder über eine günstige Internetanbindung über das Backbone-Netz verfügen, ihre Angebote mit einer Geschwindigkeit von bis zu 550 Kilobit pro Sekunde dem Nutzer zukommen lassen. Als Rückkanal steht lediglich die Telefonleitung zur Verfügung. Voraussetzung für die Nutzung der neuen Übertragungsmöglichkeiten auf Seiten der Verbraucher ist ein Kabelmodem (Kosten circa 400 Mark) und eine pauschale Zugangsgebühr von 85 Mark im Monat. Neben der besseren Übertragungsmöglichkeit ist für den Anbieter vor allem die Tatsache interessant, daß aufgrund der eindeutigen Hardwareidentifikation über das Kabelmodem und die bestehende Abrechnungsmöglichkeit (über die Zugangsgebühr) die Etablierung verschiedener Pay-Services möglich wird. Kontakt: Kabel Medien Service, Martin Bilger, Telefon: 089/95083130.

Da die direkte Einspeisung lokaler und regionaler Dienste in das Breitbandkabel diesen Inhalten einen Vorsprung bei der Nutzungsqualität bietet, kann es für Zeitungsverlage durchaus interessant sein, an derartigen Modellversuchen teilzunehmen. Die Allensbacher Computer und Telekommunikationsanalyse 1997 ergab, daß über 50 Prozent der Nutzer mit der momentanen Geschwindigkeit im Internet unzufrieden sind. Die Möglichkeit, die eigenen Daten in einer höheren Geschwindigkeit anbieten zu können, als Wettbewerber außerhalb der Region, stellt daher einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil dar.

Quellen: Landesinitiative Media NRW, Band 3: Projekte; Reuber, Klaus; Konkurrenz zum Internet? in Süddeutsche Zeitung 15.7.1997; Horizont Newsline 4.8.1997

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