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31. Juli 2008 | Allgemeines

Olympische Spiele: Zeitungsverleger verurteilen Internetzensur in Peking

BDZV-Präsident Helmut Heinen im dpa-Gespräch

Angesichts der Internetzensur in China hat der BDZV bei der Olympia-Berichterstattung zu einem offensiven Umgang mit den Einschränkungen aufgerufen. "Leser, Hörer und Zuschauer müssen umfassend über die äußerst fragwürdigen Umstände aufgeklärt werden", sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen am 31. Juli 2008 der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Helmut Heinen neu3 minHier das Interview im Wortlaut:

 

dpa: Angesichts der anhaltenden Internetzensur in China auch für die ausländischen Berichterstatter der Olympischen Spiele werden Forderungen nach einem Medienboykott immer lauter.

 

1. Wie steht der BDZV zu solchen Forderungen?

Heinen: Dass von staatlicher Seite im Pressezentrum der Olympischen Spiele der Zugang zu Internetseiten wie denen der Deutschen Welle und der BBC oder von Menschenrechtsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen und Amnesty International gesperrt wird, ist ein Willkürakt. Eine solche Zensur verurteilen die deutschen Zeitungsverleger aufs Schärfste. Wir appellieren an das Internationale Olympische Komitee und vor allem an die Verantwortlichen auf chinesischer Seite, eine unbehinderte Berichterstattung zu garantieren. Hierzu gehört die freie Recherchemöglichkeit im Internet. Die Zeitungen werden mit Sicherheit die geplante Tätigkeit ihrer Korrespondenten neu überdenken. Einen organisierten Medienboykott halte ich nicht für die optimale Lösung. Wichtig ist vielmehr, dass Leser, Hörer und Zuschauer umfassend über die äußerst fragwürdigen Umstände unter denen die Olympiaberichterstattung stattfindet, aufgeklärt werden.

 

2. Machen sich Medien mitverantwortlich, wenn angesichts eklatanter Verstöße gegen die Pressefreiheit „business as usal“ betrieben wird?

Heinen: Wir leben hier in Deutschland in einem der wenigen Länder, in denen die Pressefreiheit nicht nur in der Verfassung garantiert ist, sondern täglich neu gelebt wird. Dies verpflichtet uns Missstände anzuklagen, egal wo auf der Welt sie stattfinden. Deshalb werden wir auch nicht müde, den äußerst fragwürdigen Umgang mit der Pressefreiheit in China immer wieder anzuprangern. Wenn jetzt die Arbeit unserer eigenen Korrespondenten am Austragungsort der Olympischen Spiele eingeschränkt wird, dann ist dies eine neue Dimension von Zensur, gegen die wir uns mit unseren Mitteln zur Wehr setzen müssen. Kurzum: Es gibt kein „business as usual“.

Ein hervorragendes Beispiel hat gerade die ARD gegeben, die ihr Büro in Gaza geschlossen hat, weil ihr Kamermann von der palästinensischen Hamas verhaftet und für Tage gefangen gesetzt wurde.

 

3. Welches Gut wiegt mehr: Die konsequente Verteidigung der Pressefreiheit oder die Berichterstattung über ein Sportereignis?

Heinen: Die Presse- und Meinungsfreiheit ist das höchste Gut in einer Zivilgesellschaft. Sie zu verteidigen steht über allem, was Medien tun und leisten. Andererseits erwarten unsere Leser natürlich Berichterstattung über ein so großes Sportereignis. Ich denke, dass die Verantwortlichen jetzt alles daran setzen müssen, dass beides möglich ist. Doch im Zweifelsfall hat die Pressefreiheit den Vorrang.

 

4. Wie sollen sich Zeitungen bei der Olympiaberichterstattung verhalten?

Heinen: Sie sollen umfassend und kritisch berichten. Missstände müssen offengelegt und öffentlich gemacht werden. Ich bin überzeugt, dass gerade die Zeitungen dies mit vielen Hintergrundberichten, Analysen und Kommentaren leisten werden.

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