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05. März 2004 | Allgemeines

Notbremse für den Virtuellen Arbeitsmarkt

Bundesagentur für Arbeit stoppt Online-Jobbörse

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, hat eine umfassende Prüfung der Kostensteigerung beim so genannten Virtuellen Arbeitsmarkt (VAM) angekündigt. Insbesondere die Gründe für die höheren Kosten beim Aufbau der Internet-Stellenbörse müssten geklärt werden, sagte Weise am 26. Februar 2004 in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg.

Sein Eingreifen bei dem umstrittenen Internetprojekt begründete Weise mit der „sehr großen Abweichung der Projektkosten vom Plan“. Nach bisherigen Erkenntnissen belaufen sich die bis 2008 berechneten Gesamtkosten auf rund 165 Millionen Euro. Davon entfielen etwa 125 Millionen Euro auf die Beschaffung der Hardware und die Entwicklung der Software sowie weitere 40 Millionen auf den Ausbau der Netzkapazität. Weise geht davon aus, dass die Bestandsaufnahme etwa zwei Monate in Anspruch nehmen werde. Bis dahin wolle der BA-Vorstand entschieden haben, ob man den Ausbau fortsetze, um ein Jahr verschiebe oder einen ganz anderen Weg gehe.

 

Der BDZV hatte schon frühzeitig seine Kritik an der Online-Jobbörse der BA geäußert (siehe „BDZV Intern“ Nr. 28/2003 vom 4. Dezember 2003). Hier dränge sich eine Behörde mit einem Zig-Millionen-Etat in einen funktionierenden Markt, der privatwirtschaftlich organisiert sei. Die BA spreche mit dem „Virtuellen Arbeitsmarkt“ zielgerichtet jene Personen an, die sich noch in einem Arbeitsverhältnis befinden und eventuell an neuen Aufgaben interessiert seien. Dieser Bereich werde jedoch über die Stellenanzeigen in Zeitungen und Fachmedien, freie Personalberater und Onlinejobbörsen optimal bedient. Es sei daher nicht nachvollziehbar, warum die BA mit einem Millionenaufwand Aktivitäten entfalte, die keinem Arbeitslosen weiterhelfen. Die Kritik der Zeitungsverleger äußerte der BDZV auch in Tref-fen mit dem Vorstand der BA sowie vor kurzem in einem Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement.

 

Verschoben werden laut BA insbesondere die geplanten Verknüpfungen der Online-Stellenbörse mit den Vermittlungs- und Beratungssystemen in den Arbeitsagenturen. Der Stellenaustausch mit privaten Online-Vermittlern stößt schon allein deshalb auf Probleme, weil das von der BA beauftragte IT-Unternehmen Accenture eine eigene Technik entwickelt hat, die in wichtigen Punkten vom international gängigen Standard abweicht. Darauf machte der Chef der privaten Online-Stellenbörse Monster.de, Kai Deininger, aufmerksam. Und als unausgereift hat sich auch der Abgleich von abgespeicherten Bewerbern mit den Stellenangeboten erwiesen.

 

Geradezu vernichtend fiel das Urteil des Job-börsenbranchendienstes Crosswater Systems aus, der den VAM für ein „Millionengrab“ hält und die Datenqualität als einen der gravierendsten Mängel bezeichnet: Bei einer Stichprobe mit mehr als 700 Stellenangeboten hätten sich Mitte Dezember 2003 mehr als ein Drittel der Jobs als nicht mehr aktuell erwiesen. Dem störanfälligen und zu langsamen Portal blieb die Kooperation mit namhaften Online-Stellenbörsen bisher ver-sagt: Die vier größten deutschen Anbieter – Job-pilot, Jobscout24, Monster und Stepstone, sehen in dem Projekt in erster Linie eine staatliche Konkurrenz.

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