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19. Februar 2010 | Allgemeines

Noch mehr Lokales auf allen Distributionswegen wagen

Medienwissenschaftler Haller: Radikale Veränderungen in der Zeitung führen zu Widerstand bei Lesern

Vier von fünf Deutschen lesen „immer“ den Lokalteil ihrer regionalen Tageszeitung. Im Vergleich: Überregionale Nachrichten lesen weit weniger als die Hälfte „immer“ (35,7 Prozent), das ist das Ergebnis des Projekts „Crossmediale Mediennutzung“ des Instituts für praktische Journalismusforschung (IPJ) an der Universität Leipzig. Doch bedeutet dies für die Blattmacher zwischen Essen und Cottbus, dass Local News auf Seite eins und die Weltpolitik ins Buch drei gehören? Dieser Frage sind die Zeitungsforscher um Professor Michael Haller vom IPJ nachgegangen.

lokaljournalismusIhr Ergebnis ist eindeutig: „Wer von heute auf morgen die Blattstruktur verändert und das Lo­kale nach vorne zieht, kann damit auf große Wi­derstände bei den Lesern stoßen“, erklärt Haller gegenüber „BDZV-Intern“. Denn Zeitunglesen sei erlerntes Verhalten, und gelernt habe man, dass die Weltpolitik am Anfang der Zeitung stehe. Da­mit habe die Tageszeitung seit Etablierung dieser Struktur signalisiert, dass das Überregionale auch hierarchisch über den Ereignissen aus dem Nachbardorf stehe. Diese erlernte Struktur zeige sich auch darin, dass nur jeder Siebte zuerst die Local News liest, aber gut drei Viertel der Leser (76,6 Prozent) zunächst einen Blick auf die über­regionalen Nachrichten werfen. „Auf den Blick über den Tellerrand, auf das, was in der Welt passiert, möchte fast niemand verzichten“, so die Forscher.

 

Um herauszufinden, welche Erwartungen die Leser noch an ihre Tageszeitung haben, hat das IPJ im Oktober 2009 mit „Augsburger Allge­meine“, „Donau-Kurier“ (Ingolstadt), „Frankfurter Neue Presse“, „Mittelbayerische Zeitung“ (Re­gensburg), “Hessische/Niedersächsische Allge­meine“ (Kassel) und „Mitteldeutsche Zeitung“ (Halle/Saale) ein Leserpanel-Projekt gestartet, bei dem 1.286 regelmäßige Zeitungsleser im Alter zwischen 30 und 55 Jahren befragt werden.

 

lesegewohnheitenBei dieser Befragung stellte sich heraus, dass die Zeitungsnutzer nicht nur der gedruckten Aus­gabe ihrer Zeitung Bestnoten bei der regionalen Berichterstattung geben, sondern auch der loka­len Berichterstattung im Internet. Auf die Frage, was sie beim Online-Auftritt ihrer Zeitung „immer“ nutzen, gaben 51,7 Prozent den Lokal-/Regionalteil an, gut ein Viertel nutzt diesen „häu­fig“. Auch lokale Bilderstrecken erfreuen sich bei den Usern großer Beliebtheit, knapp die Hälfte (47 Prozent) nutzt diese „sehr“ oder zumindest „etwas“. „Für Chefredakteure von Regionalzei­tungen in Print und Online heißt dies, mehr Lo­kales wagen und dies auf allen Distributionswe­gen und dies gleichzeitig mit dem erlernten Lese­verhalten in Einklang bringen“, so Haller weiter.

 

Wie ein derartiges Konzept aussehen könnte, erläutert Haller: „Überregionale Themen müssen auf das Lokale heruntergebrochen werden“, ist die oberste Maxime. Wie wirkt sich die Erhöhung einer Steuer in meinem Dorf aus? Was bedeutet das Konjunkturpaket II für unsere Region? Oder welche Folgen hätte der Klimawandel für die Tou­rismusregion um die Ecke? „Der Lokalteil einer regionalen Tageszeitung muss ein ‚General Interest Bereich‘ bleiben. Ansonsten werden die Leser in Interessierte und Uninteressierte selek­tiert“, so Haller. Und dies müsse verhindert wer­den, wenn die Zeitung ihrem generalistischen Informationsanspruch auch weiterhin gerecht werden wolle.

 

Klar formuliert hätten die Befragten damit den Auftrag an die Zeitung, ein Objekt zu sein, das Orientierung und Kompetenz vermittelt. Nach den Ergebnissen Hallers gehört zum Auftrag der Zei­tung zu Beginn des 21. Jahrhunderts aber nicht, die Menschen einer Region über eigene Soziale Netzwerke miteinander in Kontakt zu bringen. „Dafür gibt es bereits genügend andere Plattfor­men“, meint der Medienwissenschaftler. Vielmehr könnte es den Zeitungen gelingen, durch ihre Netzwerke, nämlich Geschichten aus der Re­gion/für die Region, die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und durch Zusatzange­bote beziehungsweise Offerten auf den Zei­tungswebsites die Leser mit der Marke Tages­zeitung zu verbinden.

Foto: Ulf Petersohn/www.jugendfotos.de

Ort: Leipzig

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