Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

21. April 2010 | Allgemeines

Niedersächsische Verleger verlangen Liberalisierung des Mediengesetzes

Jahrestagung des VNZV in Bad Nenndorf mit umfangreichem Forderungskatalog beendet

„Im Internetzeitalter ist das Kopieren und gewerbliche Nutzen von digitalen Presseinhalten zu einem Massenphänomen geworden. Presseverlage sind jedoch bislang mangels ausreichender Rechte an ihren Presseerzeugnissen in weiten Teilen der Verwertungskette nicht in der Lage, ihre Rechtsposition angemessen zu schützen“, betonte BDZV-Präsident Helmut Heinen auf der Jahrestagung des Verbands Nordwestdeutscher Zeitungsverlage (VNZV) am 13. April 2010. Von daher sei die Einführung eines eigenen Leistungsschutzrechts für Presseverlage dringend notwendig, um so die Meinungsvielfalt auf Dauer zu sichern. Denn nur durch eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage könnten die deutschen Verlagshäuser auch in Zukunft ihre weltweit führende vielfältige Berichterstattung über meinungsrelevante Inhalte anbieten, betonte Heinen.

Knochen-Dr Graells-Heine-BorrmannVor diesem Hintergrund kritisiert der BDZV seit geraumer Zeit, dass Deutschland unter den großen europäischen Ländern den höchsten Steuersatz auf Erzeugnisse der freien Meinungs- und Willensbildung hat. Heinen betonte auf der VNZV-Tagung in Bad Nenndorf, dass sich der Verlegerverband für eine europäische Harmonisierung der Mehrwertsteuersätze auf Printerzeugnisse einsetzen werde.

NDR untergräbt Drei-Stufen-Test

 

Darüber hinaus unterstützt der BDZV die Forderungen der niedersächsischen Verleger nach einer Liberalisierung des Landesmedien­gesetzes, sodass Zeitungsverlage auch im lokalen, kommerziellen Rundfunk aktiv werden können. Wie Jörg-Peter Knochen, Vorsitzender des VNZV, ausführte, sehe der Gesetzesentwurf durch das Engagement des VNZV und seiner Mitglieder eine Beteiligungsmöglichkeit von bis zu 49,9 Prozent vor. Mit Sorge betrachten die norddeutschen Verlage jedoch die Pläne des NDR, ab Herbst 2010 auf seinem Internetportal regionale Videobeiträge zu zeigen. Dieses Angebot konterkariere die Intentionen des Gesetzgebers, mit der Zulassung des lokalen kommerziellen Rundfunks eine vielfältige Medienlandschaft zu etablieren, so Knochen.

Doch gerade in den jetzigen Zeiten sei es notwendig, dass sich die Verlagshäuser zu multimedialen Medienhäusern weiterentwickeln dürften. Denn die gedruckte Zeitung erhält vor allem auch im Anzeigengeschäft immer mehr Konkurrenten. So drängen vermehrt Gratisblätter wie „Einkauf aktuell“ der Deutschen Post auf den Markt, und verschärfen den Kampf um Werbekunden. Von daher appellierte Knochen an die Zeitungsverlage stärker denn je die Qualitäten der Tageszeitungen offensiv zu bewerben, und dies vor allem gegenüber Handelsunternehmen. Nur so könne die Zeitung auf Dauer ihre Stellung als Abverkaufsmedium Nummer eins sichern. „Zeitung vereint Glaubwürdigkeit und Kreativität“, so Knochen. Und zur Kreativität gehöre auch, dass sich Anzeigenabteilungen nicht mehr nur als Anzeigenannahmestellen verstünden, sondern vermehrt als Werbeagenturen mit Full-Service-Betreuung.

 

Vertriebserlöse übersteigen Werbeeinnahmen

Heinen VNZV IHistorisches hatte im Nachgang an Knochens Rede Heiko Reckemeyer, Sprecher des VNZV-Vertriebsausschusses, zu berichten. 2009 seien in vielen Verlagen die Vertriebserlöse erstmals höher gewesen als die Einnahmen aus dem Anzeigen- und Beilagengeschäft. Trotz der meist weiter rückläufigen Auflagenentwicklung sei es vielen Verlagen aber durch geschickte Preispolitik gelungen, im Vertriebsbereich eine Steigerung des Umsatzes zu erzielen. „Die Praxis hat bewiesen, dass regelmäßige Anpassungen bei Einzelverkaufspreis und Abonnementgebühren so gut wie keine Auswirkungen haben“, sagte Reckemeyer.

„Neben den Vertriebs- und Werbeumsätzen hat sich das Postgeschäft zu einem weiteren Standbein der Verlage entwickelt, das hilft, die Zustellkosten stabil zu halten“, betonte der Vertriebsexperte im Anschluss. Um dieses Standbein weiter zu festigen, haben im Sommer 2009 insgesamt 24 lokale Unternehmen aus Niedersachsen, Bremen, Nordhessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein unter Beibehaltung lokaler Selbstständigkeit mit der „Citipost“ einen regionalen Postdienstleister gegründet. Aufgabe dieser Gesellschaft sei es, die regionalen Kunden zu betreuen. Mit der Gründung von mail alliance im Januar 2010 sei man dabei, ein bundesweites Verteilnetz aufzubauen, um gegenüber nationalen Wettbewerbern konkurrenzfähig zu sein.

Positives Echo auf Leseförderprojekte

Den Themen Zukunftsperspektiven der Zeitungen und Leseförderprojekte widmete sich BDZV-Präsident Heinen noch einmal zum Ende seiner Ausführungen. In diesem Zusammenhang lobte er die Initiative des Zeitungsverlegerverbands Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) und seiner Mitglieder, mit „ZeitungsZeit NRW“ das größte Leseförderungsprogramm der Bundesrepublik gestartet zu haben. Unterstützt durch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen erhalten alle Neuntklässler (rund 450.000 Schüler) in den kommenden zwei Jahren über drei Monate kostenlos eine Tageszeitung. „Hierbei handelt es sich um Projekt mit Vorbildfunktion für alle Bundesländer“, so Heinen. Wie VNZV-Vorsitzender Knochen ausführte, habe es auch mit dem niedersächsischen Kabinett bereits Gespräch über eine derartige Initiative gegeben, die „seitens des Ministerpräsidentens und der Kultusministerin sehr positiv aufgenommen worden ist“, so Knochen.

Fotos: VNZV/"Schaumburger Nachrichten"

zurück