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30. April 2012 | Allgemeines

Nicht nur bei internationalen Großereignissen über die Schattenseiten autoritärer Regime berichten

BDZV-Präsident Helmut Heinen im Interview mit dpa

Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai fordern die deutschen Zeitungsverleger mehr Achtung vor dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Dabei sollte Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen, sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das vollständige Interview lesen Sie hier

Helmut Heinen 2008dpa: Formel Eins Rennen in Bahrain, Euro Vision Song Contest in Aserbaidschan, die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine - Sport und Showbussiness haben keine Berührungsängste mit autoritären Regimen. Müssen die Medien den Hype eigentlich mitmachen?

Heinen: "Natürlich haben die Medien die Aufgabe, solche internationalen Events abzubilden. Sie haben auch die Aufgabe, nein die Pflicht, über die Schattenseiten zu berichten und den Lesern oder Zuschauern klar zu machen, unter welchen Bedingungen die Menschen in diesen Ländern leben. Nicht befriedigen kann es allerdings, wenn dies nur anlässlich solcher Großereignisse geschieht und nicht kontinuierlich über die autoritären Regime und die Menschenrechtsverletzungen in diesen Ländern aufgeklärt wird."

dpa: Die Bundesregierung streitet noch immer über die Vorratsdatenspeicherung, die EU macht Druck. Steht in Deutschland das Journalisten-Geheimnis zur Disposition?

Heinen: "Die Liste der Länder ohne oder mit nur eingeschränkter Pressefreiheit ist lang. Umso wichtiger ist es, dass diejenigen Staaten, in denen – wie in Deutschland – dieses Recht im Grundgesetz verankert ist, Presse- und Meinungsfreiheit auch wirklich leben. Dazu zählt als elementarer Bestandteil der Schutz der journalistischen Quellen. Bereits 2007 hat der BDZV gemeinsam mit anderen Medienverbänden und -unternehmen während des Gesetzgebungsverfahrens in Deutschland die negativen Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung kritisiert und auf die Einschränkung der journalistischen Berichterstattungsfreiheit hingewiesen. Bei allem Verständnis für sicherheitsbedingte Maßnahmen und die Abwehr terroristischer Bedrohungen ist es eben leider auch so, dass die Speicherung aller Telefon- und Handyverbindungen sowie Internetzugriffe über sechs Monate die auf Vertrauen basierende Beziehung zwischen Journalist und Informant empfindlich stören könnte. Wichtige Quellen könnten deshalb versiegen. Damit wird ein seriöser, investigativer Journalismus, der auf eine vor äußeren Eingriffen geschützte Informationsbeschaffung angewiesen ist, im Kern getroffen."

dpa: Das Internet höhlt das traditionelle Geschäftsmodell der Zeitungen aus, Pressekonzentration ist eine Folge davon. Bedroht diese Entwicklung die Pressevielfalt?


Heinen: "Es spricht viel dafür, dass das Internet bei allem zusätzlichen Wettbewerb das Beste ist, was uns passieren konnte: Was kann den Zeitungen Großartigeres zustoßen, als dass wir für unsere vielfältigen und guten Inhalte eine Vielzahl neuer Verteilkanäle - gedruckt, online und mobil – bekommen? Innovative Technologien sind ein Treiber, nicht unser „Feind“. Dafür gilt allerdings eine Voraussetzung: Wir müssen alle zu den gleichen – fairen – Regeln spielen. Nur weil Inhalte heute technisch einfach vervielfältigt und verbreitet werden können, verlieren Urheber und Werkmittler, also zum Beispiel die Verleger, noch lange nicht ihr Eigentumsrecht. Leider ist das Bewusstsein für den Wert des geistigen Eigentums in der Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit. Wichtige Aufgabe der Medien- und Kulturschaffenden wie der Politik ist es daher, hier immer wieder aufzuklären."


Ort: Berlin

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