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25. Juni 2009 | Allgemeines

Newsrooms der neuen Generation

BDZV und IFRA auf interessanter Study Tour durch Deutschland

Über mindestens eine wichtige Herausforderung sind sich Verleger und Chefredakteure einig: Es geht darum, noch bessere Zeitungen zu machen und zugleich auf allen Medienkanälen präsent zu sein - online, mobil und print. Klar ist auch, dass die personellen Ressourcen angesichts der Entwicklungen im Markt nicht größer werden. Doch mehr Qualität mit den gleichen oder gar weniger Mitteln – Ist das überhaupt möglich? Diese Frage stand immer wieder im Zentrum bei der BDZV/IFRA Study Tour zum Thema „Newsrooms der neuen Generation“. Quer durch Deutschland führte die Reise der Entscheider aus Chefredaktionen und Verlagen mit Stationen in München, Frankfurt, Darmstadt und Berlin.

MG 5034 Es gibt nicht das Newsroomkonzept. Jede Zeitung muss bei der Suche nach den idealen crossmedialen Produktionsabläufen ihren eigenen Weg finden, lautete das einhellige Fazit der Reiseteilnehmer – Redakteure, Geschäftsführer und Verlagsmanager. Durch tiefgreifende Veränderungen in der Organisationsstruktur lasse sich Entscheidendes im Redaktionsbetrieb verbessern, erklärte IFRA-Berater Professor Joachim Blum. Er zeigte auf, wie über die Arbeit im multimedialen Newsroom erstrebenswerte Ziele tatsächlich erreicht werden können: mehr Zeit für Recherche und Schreiben, höhere Textqualität, eine professionellere Gestaltung der Seiten und die Entwicklung zur Autorenzeitung. Zudem begreife im Newsroom jeder die Zeitung als Ganzes. Im Unterschied zu überholten Organisationsformen gebe es die stetige ressortübergreifende Kommunikation, kurze Wege und damit auch schnelle Entscheidungen. Blum belegte anhand einer Studie, dass durch die Arbeit im multimedialen Newsroom die Qualität der Produkte gesteigert wird. Die Belastung für die Mitarbeiter sei höher, doch zugleich sei die Arbeitszufriedenheit auf jeden Fall größer, so die Ergebnisse einer Befragung unter Redakteuren.

Wie die Produktion im multimedialen Newsroom aussieht, erlebten die Tourteilnehmer bei der Münchner „Abendzeitung„ (AZ), bei der „Frankfurter Rundschau“ und bei Axel Springer in Berlin. Nach dem Beispiel des Londoner „Daily Telegraph“ arbeiten bei der AZ 100 Leute auf 1000 Quadratmetern an der Zeitung und ihren Onlineablegern. Es gibt nur noch wenige Einzelbüros. Geschäftsführer Ulrich Buser und der stellvertretende Chefredakteur Georg Thanscheidt lobten die offene Kommunikation: „Jetzt treffen sich Leute, die sich früher nicht kannten. Man lernt viel mehr voneinander und kriegt viel mehr mit“, so Thanscheidt. IMG 0779

An den Newsroom des „Daily Telegraph“ erinnert auch die multimediale Redaktion der „Frankfurter Rundschau“ im neuen Verlagsdomizil - einem ehemaligen Straßenbahndepot. Allerdings arbeiten – anders als in London und auch bei der "AZ" - nicht alle der 140 Redakteure im Newsroom, wie Chefredakteur Rouven Schellenberger erläuterte. Es gibt 80 Arbeitsplätze. Jedes Ressort hat noch externe Arbeitsräume, wohin sich Autoren zurückziehen können. Aber alle Geschichten werden im Newsroom online und print „gedacht und produziert“.

„Online first!“ lautet bekanntlich das Credo bei Axel Springer. Die wichtigste Herausforderung im multimedialen Newsroom sei es gewesen, mit einer Redaktion unterschiedliche Produkte für unterschiedliche Zielgruppen zu produzieren, erklärte der stellvertretende Chefredakteur von „WELT online“, Romanus Otte. Das Experiment sei gelungen. Die "Berliner Morgenpost" profitiere vom Zugang zu den Inhalten der „WELT“ und umgekehrt. Die „WELT kompakt“ sei gerade bei jungen Zielgruppen sehr erfolgreich. Die Integration der „Welt am Sonntag“ sei geglückt, und alle Marken führten print wie online zu beeindruckenden Reichweiten. Von den 380 Redakteuren arbeiten zwei Drittel ständig crossmedial, lediglich sieben sind reine Onliner. Die Nutzung identischer Stoffe spiele bei vielen Themen keine Rolle, da es kaum Doppelleser gebe, so Otte. Bei bestimmten Themen müssen allerdings zwei Redakteure ran. Zum Beispiel, wenn Hertha BSC gegen den Hamburger SV spielt.

„Zwei Redaktionen- ein Erfolgsmodell" heißt die Devise bei der „Süddeutschen Zeitung“. Auf dem Weg zur Konvergenz sei der multimediale Newsroom noch nicht erreicht, konstatierte der Chef vom Dienst, Christian Krügel, vor den Teilnehmern der Study Tour im erst jüngst bezogenen schicken wie großzügigen Verlagshochhaus. Newsdesk print und Newsdesk online arbeiten gemeinsam in einem langen schmalen Raum. Bei manchen Konferenzen sitzen Print- und Online-Redakteure zusammen, andere finden getrennt statt. Und viele der "SZ"-Redakteure arbeiten überhaupt nicht im Newsroom. Die Stärke der "SZ" sei eine große Zahl hochspezialisierter Fachredakteure, so Krügel. Doch die müssten nicht unbedingt den Produktionsprozess am Newsdesk miterleben.

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