Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

21. September 2006 | Allgemeines

Neusser: Besserer Quellenschutz bleibt auf der Tagesordnung

Sechs Journalisten wurden in Düsseldorf mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet

Die deutschen Zeitungsverleger haben die jüngsten Abhör-, Durchsuchungs- und Be­schlagnahmeaktionen bei Journalisten und in Redaktionen am 12. September 2006 in Düs­seldorf nachdrücklich kritisiert. Das Gebot der Verhältnismäßigkeit sei in keinem Fall beach­tet worden, sagte der Vorsitzende des Kurato­riums für den Theodor-Wolff-Preis, Hermann Neusser, anlässlich der Verleihung des Jour­nalistenpreises der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis. Die staatlichen Organe müssten eine grö­ßere Sensibilität beim Umgang mit recherchie­renden Journalisten beweisen, forderte Neus­ser. „Die Frage, wie der Quellenschutz ver­bessert werden kann, bleibt auf der Tages­ordnung.“ Dabei gehe es nicht um ein Son­derrecht für eine Berufsgruppe, sondern um ein wesentliches Element des Bürgerrechts auf Presse- und Informationsfreiheit.

Der Theodor-Wolff-Preis ist die renommierteste Auszeichnung, die die Zeitungsbranche zu verge­ben hat. Er wurde am Abend des 12. September im Apollo Theater in Düsseldorf überreicht. Gast­geber war die „Rheinische Post“. 12.9.06
Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo)
Von links: Preisträger Stefan Geiger ( Stuttgarter Zeitung ), Marc Brost ( Die Zeit ), Karl Feldmeier (FAZ ), Kristine Kröger ( Weser Zeitung ), Jens Voitel ( Emder Zeitung ) und Maxim Leo ( Berliner Zeitung )
Foto: Andreas Krebs12.9.06 Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo) Von links: Preisträger Stefan Geiger ( Stuttgarter Zeitung ), Marc Brost ( Die Zeit ), Karl Feldmeier (FAZ ), Kristine Kröger ( Weser Zeitung ), Jens Voitel ( Emder Zeitung ) und Maxim Leo ( Berliner Zeitung ) Foto: Andreas KrebsDie mit jeweils 6.000 Euro dotierte Würdigung ging an Marc Brost („Die Zeit“, Hamburg) und Maxim Leo („Berliner Zeitung“) in der Kategorie Allgemeines; an Stefan Geiger (Stuttgarter Zeitung“) in der Kategorie Leitartikel/Kommentar/Essay; sowie an Christine Kröger („Weser-Kurier“, Bremen) und Jens Voitel („Emder Zeitung“) in der Kategorie Lokales. Den Preis für das Lebenswerk erhielt Karl Feldmeyer, langjähriger Parlamentskorres­pondent der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

12.9.06
Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo)
Foto: Andreas Krebs12.9.06 Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo) Foto: Andreas KrebsNeusser würdigte die sechs Preisträger als Journalisten, die „mit beeindruckender Recher­che, tiefgreifender Analyse und Wahrhaftigkeit den Dingen auf den Grund gegangen“ seien.

12.9.06
Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo)
Foto: Andreas Krebs12.9.06 Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo) Foto: Andreas KrebsDr. Gottfried Arnold, Herausgeber der „Rheini­schen Post“, würdigte den Theodor-Wolff-Preis als eine wesentliche Möglichkeit, anspruchsvollen Journalismus zu fördern, würdigte Arnold. Gerade die Zeitungen bildeten ein Forum für zukunftszu­gewandte und an Werten orientierte Arbeit. Über Jahrzehnte hätten Redakteure und Verleger ihren Beitrag zum Entstehen eines demokratischen Gemein­wesens geleistet. Immer wieder werde jedoch die Demokratie auch auf die Probe ge­stellt, warnte Arnold mit Blick auf wieder erstar­kende rechtsex­treme Bewegungen und „junge Leute mit alten Parolen“. Sein Fazit: „Wir brau­chen Journalisten, wie Theodor Wolff einer war“, unabhängig und demokratisch.

 

Macht über die Deutung der Welt

12.9.06
Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo)
Foto: Andreas Krebs12.9.06 Theodor-Wolff-Preis Verleihung in Düsseldorf (Gastgeber Rheinische Post im Apollo) Foto: Andreas KrebsDie Pressefreiheit sei ein tragender Pfeiler im System der Grundrechte, machte Professor Udo Di Fabio, Richter am Bundesverfassungsgericht, in seiner Festansprache deutlich. Meinungs- und Pressefreiheit seien Voraussetzung persönlicher Urteilsfähigkeit. Zugleich mahnte Di Fabio bei der Presse aber auch Sorgfalt und Verantwortung an. „Eine Falschmeldung über die Lebensgewohn­heiten eines Sportlers kann mehr Unheil anrich­ten als ein Verwaltungsakt“, erklärte er und spitzte noch weiter zu, dass der „Leitartikler in der Zeitung Macht über die Deutung der Welt – und damit über die Welt“ habe.

Aus der Sicht des Verfassungsrechtlers haben sich die Zustände für die Zeitungsbranche heute „total verändert“. Früher hätten die Zeitungen einen Kampf gegen Ressentiments geführt und sich als Transporteure eines aufklärerischen Journalismus verstanden. Dieses alte Bild sei nicht falsch, aber unzureichend. Bisher hätten die Tageszeitungen auf eine bürgerliche Öffentlich­keit abgehoben und gleichsam das „Forum Ro­manum“ unserer Gesellschaft gebildet. Sie hätten Neues aufgenommen und Verstörendes interpre­tiert, so dass sich der Rezipient ohne große An­strengung zurechtfinden konnte. Doch die Wahr­nehmung der Welt werde immer stärker frag­mentiert, Einheitserfahrungen verschwänden. Obendrein drohe die schnelle Meinung unter dem Druck des Marktes zur wahrheitsfähigen Tatsa­che zu werden, kritisierte Di Fabio und formulierte nicht ohne Provokation, dass „Meinungsjourna­lismus zu einer Funktion der Reduktion von Kom­plexität geworden“ sei. Er forderte die Zeitungen stattdessen auf, künftig für ihre Leser den Zu­sammenhang von Freiheit und Wohlstand, von Freiheit und kulturellen Alltagseinstellungen deut­licher zu machen.

Die Auszeichnung wurde 2006 zum 44. Mal übergeben, sie erinnert an den langjährigen Chef­redakteur des legendären „Berliner Tageblatts“, Theodor Wolff (1868 – 1943). Wolff musste 1933 vor den Nazis ins französische Exil fliehen, wurde dort verhaftet und der Gestapo ausgeliefert und starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

Der unabhängigen Jury zum Theodor-Wolff-Preis gehören an: Dr. Wilm Herlyn (Chefredak­teur Deutsche Presse-Agentur, Hamburg), Bernd Hilder (Chefredakteur „Leipziger Volkszeitung“), Bascha Mika (Chefredakteurin „taz – die tages­zeitung“, Berlin), Stephan Richter (Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flens­burg), Ulrich Reitz (Chefredakteur „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, Essen), Evelyn Roll (lei­tende Redakteurin, „Süddeutsche Zeitung“, Mün­chen), Dr. Klaus Rost (Chefredakteur „Märkische Allgemeine“, Potsdam), Werner Schwarzwälder (Chefredakteur a.D., „Südkurier“, Konstanz), Franz Sommerfeld (Chefredakteur „Kölner Stadt-Anzeiger“) sowie Dr. Uwe Vorkötter (Chefredak­teur „Frankfurter Rundschau“).

zurück