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25. Oktober 2012 | Allgemeines

Nähe, Zusammenarbeit und lokale Verankerung

Experten fordern neues Storytelling für den hyperlokalen Raum

"Hyperlocal" ist für Urs Gossweiler, Verleger der (Mikro-)“Jungfrauzeitung“ in Interlaken, schon fast wieder ein überholter Begriff, wenn es um die tiefe Durchdringung der lokalen Leser- und Kundenmärkte von Heimat- und Regionalzeitungen geht. „Pure local" nennt er sein Rezept, die 45.000 Bewohner im Verbreitungsgebiet am Schweizer Jungfrau-Massiv online, mobil und gedruckt mit kleinteiligen Informationen aus der Region zu versorgen. „Das funktioniert nur, wenn man sich ausschließlich auf einen Ort konzentriert", versichert Gossweiler. Und manchmal funktioniert es nicht mal dann. Der Versuch, das Konzept der Micro-Zeitung an einem zweiten Standort zu etablieren, ging schief. „In den vergangenen zwei Jahren waren wir hyper-erfolglos statt hyperlocal", bilanziert der Verleger selbstironisch beim Panel „Zeitung Hyperlocal - Heimat auf allen Plattformen" von BDZV und VBZV bei den Medientagen München.

Dem Erfolg der Mutterzeitung in Interlaken tut das allerdings, so Gossweiler, keinen Abbruch. 60.000 User zählt der Titel monatlich, außerdem 20.000 Leser der gedruckten Ausgabe, die allerdings nicht täglich erscheint und die im Moment vor allem deshalb noch produziert wird, „weil wir mit dem Verkauf mehr erlösen, als die Druckkosten ausmachen". Langfristig rechne er jedoch mit einem Verschwinden der gedruckten Ausgabe. Schon heute erzielt er online mit seinen lokalen Storys bis zu 30.000 PageViews pro Tag. Und auch vor Suchmaschinen und Content-Aggregatoren ist dem Verleger nicht bange: „75 Prozent unserer Nutzer kommen über unsere eigene URL, das ist Stammpublikum."

Zuversicht, was die digitale Ausbaufähigkeit der lokalen und regionalen Zeitung angeht, äußerte auch Meinolf Ellers, Geschäftsführer dpa-infocom (Hamburg), und neben Gossweiler Impulsgeber für die anschließende Diskussion (Moderation: Christian Meier, Meedia). „Wir haben kein Erkenntnisproblem mehr, wir haben ein Umsetzungsproblem", glaubt Ellers. Die Zeitungen müssten „Wert“ schaffen in der digitalen Welt, empfahl er. Früher seien sie die einzige Nachrichtenquelle gewesen und deshalb notwendig für jedermann. Heute gebe es tausende Möglichkeiten, sich zu informieren. Die Zeitungen müssten folglich den Sprung von „Need" to „Want" schaffen. So seien die Online-Reichweiten der Zeitungen sehr beachtlich, doch nur bei zehn Prozent der User handele es sich um loyale Nutzer, die häufiger als ein oder zwei Mal im Monat auf der Website ihrer Zeitung vorbeischauten. Der dpa-Manager schloss drei Empfehlungen an: Gestalten Sie aktiv die lokale Medienwelt und Ihren lokalen Markt. Kreieren Sie Ihre eigenen Blockbuster. Erzählen Sie Ihre Storys auf eine neue Art, zum Beispiel mit Live-Blogging.

Wie man auf einem scheinbar gut versorgten Zeitungsmarkt online zur Konkurrenz werden kann, zeigte Philipp Albert Schwörbel, Geschäftsführer der Prenzlauer Berg Nachrichten aus Berlin. „Es gab eine Lücke in Berlin, Lokaljournalismus aus den Stadtteilen kommt in den Tageszeitungen praktisch nicht vor", berichtet Schwörbel über seine Gründungsidee vor zwei Jahren. Finanziert werden die hyperlokalen Nachrichten durch Werbung, ein Drittel davon lokal aus dem Viertel Prenzlauer Berg. „Wir verdienen damit Geld", betont der Onliner. Zwar schreibe sein Dienst noch keine schwarze Null, „aber das wird funktionieren“.

Martin Huber, Gründer und Geschäftsführer von gogol medien in Augsburg, ist Herr über zahlreiche Inhalteplattformen im Internet, darunter bekannte wie Myheimat.de aber auch White-Label-Lösungen für Dritte. Der (nicht honorierte) Content stammt von Bürgerjournalisten, wird von Redakteuren „kuratiert" und bildet im besten Fall, so Huber, ein Amalgam aus Amateur- und Profitexten, bei denen die Nutzer gar nicht mehr erkennen könnten, ob die Quelle nun ein ausgebildeter Journalist oder ein journalistischer Laie war.

„Wir werden aufhören müssen, künstliche Konkurrenzen zwischen Journalisten und lokalen Bloggern herzustellen", bestätigte Oliver Havlat, Redaktionsleiter von rp-online (Düsseldorf). Er wolle es mit Jeff Jarvis halten: “Do, what you do best, link the rest." Im Verbreitungsgebiet gebe es bisher noch keine lokalen Blogger in namhafter Zahl. „Ich wünsche mir das. Wir sollten Nähe herstellen zu unabhängigen Anbietern in der Region." Havlats Ideal wäre es, mit rp-online DER "Info-Hub" für Service und Nachrichten aus Düsseldorf und Umgebung zu werden.

Weitere Informationen unter www.medientage.de.

Ort: München

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