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21. Februar 2002 | Digitales

Nachrichtenwebsites und der 11. September

Ereignisse förderten Zusammenarbeit zwischen Druck und Online – vermehrte Nutzung von Interaktivität – User entdecken neue Interessen

Weniger um die technischen Aspekte, den Besucheransturm zu bewältigen, als um die individuellen Erfahrungen und die Anpassung und Ausnutzung des Mediums ging es in diesem Podiumsgespräch. Die drei Teilnehmer repräsentierten drei verschiedene Perspektiven der Onlinenachrichten: Rich Jaroslovsky, Senior Editor des Wall Street Journals, Andrea Panciera, Redakteurin der lokalen Website Projo.com (The Providence Journal), und Paul Grabowicz, Director des New Media Program an der UC Berkeley Graduate School of Journalism.

Viel Zeit für ihre eigenen Gefühle hatten die Redakteure der Online-Nachrichtensites am 11. September nicht. Während sich die Geschehnisse noch entfalteten, erstatteten sie schon Bericht - ohne selber richtig zu wissen, was los war. Sie reduzierten - um erreichbar zu bleiben - ihre Sites bis auf das notwendigste, berichteten über die wenigen verfügbaren Fakten, zeigten die Bilder, die viel besser am Fernsehen zu verfolgen waren - und fragten sich, wie sie den Ansprüchen an ihre Website besser gerecht werden könnten. Andrea Panciera, deren Projo.com eine ausgesprochen lokale Ausrichtung hat, bemühte sich, auch während der überregionalen Berichterstattung die lokale Komponente auf ihre Site zurückzubringen. Projo.com richtete schnell ein "Bulletin Board" ein, auf dem die User ihre Gefühle ausdrücken konnten. Sie fragten nach lokalen Verbindungen zu der Tragödie und machten es leicht, die "Reader Reaction" per E-Mail abzugeben. Die so gewonnenen Beiträge dienten überdies als Quelle für Artikel im Providence Journal. Eine "Beileidskarte für Amerika" gab den Usern eine weitere Möglichkeit, ihre Trauer zu teilen. Umfragen ermöglichten ein "Gefühlsbarometer" in der Usergemeinde. In einem speziellen Audiobereich konnten lokale Künstler ihre als Reaktion zu den Ereignissen entstandenen Lieder einreichen und mit der Community teilen. Über einige dieser Lieder wurde auch in der Zeitung berichtet, von der aus dann wieder auf die Website verwiesen wurde. Mit dem "Tribute to the Troops" kamen für den militärischen Einsatz in Afghanistan Profile von Soldaten aus der Region hinzu und für die Nutzer eine einfache Möglichkeit, mit ihnen in Kontakt zu treten. Kurz, Projo.com besann sich auf die interaktiven Möglichkeiten des Mediums Internet und setzte sie konsequent für die Kommunikation mit und zwischen den Mitgliedern ihrer Nutzerschaft ein.

Viel unmittelbarer waren die Erfahrungen und Auswirkungen der Ereignisse für das Wall Street Journal, berichtete Rich Jaroslovsky. Das Wall Street Journal hatte seinen Sitz im World Financial Center, direkt neben den Twin Towers, das bis heute noch nicht wieder benutzbar ist. Jaroslovsky hatte die Ereignisse mit eigenen Augen von der anderen Seite des Hudson verfolgt und fand sich und andere Mitarbeiter bald im Hauptsitz von Dow Jones in New Jersey, ca. 60 Meilen von New York entfernt, wieder. Erstaunlicherweise war die Website WSJ.com während der Ereignisse ohne Unterbrechung live. Kollegen in Hong Kong und Brüssel hatten die Website von dort aus übernommen. Die Rolle, die das Internet in den ersten Stunden spielte, hat es zum Teil bis heute beibehalten: Selbst jetzt noch arbeiten die Mitarbeiter an verschiedenen Orten; die dezentrale Struktur wird durch das Web fest zusammengehalten. Auch das gedruckte Wall Street Journal wurde am nächsten Tag an fast alle Abonnenten ausgeliefert. Weil aber zwei Prozent der Leser ihre Zeitung nicht erhielten, wurde die Restriktion, nach der normalerweise nur zahlende Online-Abonnenten voll auf die Inhalte von WSJ.com zugreifen können, aufgehoben und die Website allen zugänglich gemacht. Bei aller Tragik hätten die Ereignisse vom 11. September die Integration und Kooperation von Print und Online beim Wall Street Journal gefördert, schloss Rich Jaroslovsky.

Allgemein wurde ein erhöhtes Interesse in der Bevölkerung an überregionalen Nachrichten und an Außenpolitik festgestellt. Bei Projo.com blieb daher als bleibende Folge der Ereignisse die Aufnahme eines nationalen Newsfeeds. Um das neue Interesse aufrecht zu halten und zu fördern, empfiehlt Professor Grabowicz, Artikel so auszurichten, dass sie zu tieferen und breiteren Themen weiterführen. Ein Vertreter von der Website des Christian Science Monitor berichtete, dass sie sich bemühen, ihre Artikel um die internationalen Perspektiven zu ergänzen und Links zu entsprechenden Zeitungen und Institutionen angeben.

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