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11. September 2006 | Digitales

MySpace – Social-Networking-Portal mit selbst erstellten Inhalten

Serie: Web 2.0-Unternehmen im Portrait

In loser Folge stellen wir in den folgenden Ausgaben erfolgreiche Web 2.0-Unternehmen vor. Den Anfang macht die Social-Networking-Plattform MySpace, die zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehört. Das US-Unternehmen hat in den letzten Wochen unter anderem durch die Ankündigung auf sich aufmerksam gemacht, Googles Such- und Werbefunktionen zu nutzen.

Die Internetsuchmaschine Google muss für das Recht, auf MySpace die Suchtechnik einzubinden und Werbeeinblendungen vorzunehmen, die Garantiesumme von mindestens 900 Millionen Dollar bezahlen. Der auf vier Jahre ausgehandelte Deal ist der bislang teuerste Online-Werbevertrag in der Geschichte des Internets. Google setzte sich im Wettbewerb gegen Konkurrenten wie Yahoo und Microsoft durch. Yahoo hatte zuletzt die Suchtechnik für MySpace geliefert. Medienunternehmer Murdoch spielt für seinen Konzern News Corp. mit der Kooperation die rund 580 Millionen Dollar wieder ein, die er vor gut einem Jahr für MySpace bezahlt hat. Die Vereinbarung sieht vor, dass von Oktober an auf jeder Seite des MySpace-Portals die Google-Suchtechnik und damit verbunden die Werbung eingebaut wird. Google kann mit den MySpace-Nutzern seinen Anzeigenkunden noch zielgenauere Werbung in Aussicht stellen. MySpace bietet die üblichen Werbemöglichkeiten – Banner und andere Displaywerbung. Banner können auf Mitgliedsprofilen eingesetzt werden, wobei der Vermarkter keine Kontrolle über den Inhalt der jeweiligen Profile hat. Der Vermarkter weiß zumindest, dass er mit seiner Werbung überdurchschnittlich viele der für die Werbewirtschaft besonders interessanten jungen Konsumenten erreicht. Unter Experten gilt das Geschäft mit Google als bislang wichtigster Test, ob sich mit den rasant wachsenden Webseiten der neuen Generation Geld verdienen lässt.

 

Mehr als 100 Millionen Nutzer

MySpace ist eine Erfolgsstory vergleichbar mit Google. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Plattform zum Tummelplatz von Teenagern im angelsächsischen Raum entwickelt. Mit über 100 Millionen Benutzern ist sie die am schnellsten wachsende Website in den USA. Jede Woche kommen 500.000 neue Nutzer dazu. Damit ist sie die größte Social Networking Site und die meistbesuchte Website in den USA überhaupt. Auf MySpace können sich die überwiegend jugendlichen Nutzer kostenlos ein persönliches Profil anlegen und Kontakte mit anderen Internet-Nutzern knüpfen. Sie schildern ihre Vorlieben, führen öffentlich Tagebuch und stellen Musikstücke, Bilder und Filme zur Verfügung. Soziale Interaktion und selbst erstellte Inhalte sind die Erfolgsrezepte im Internet der zweiten Generation. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Hitwise ist My Space im vergangenen Jahr zur Internetseite mit den meisten Zugriffen von US-Kunden aufgerückt. Im Juni hat MySpace in den USA laut Nielsen/Netratings 23 Milliarden Seitenaufrufe verzeichnet, ausgelöst von 45 Millionen Besuchern. Die zwei konkurrierenden Social-Networking-Plattformen von Google, Orkut und Google Groups konnten dagegen bisher keine nennenswerten Marktanteile erreichen.

Gegründet wurde MySpace im Juli 2003 von Tom Anderson und Chris De Wolfe, beide Hobbymusiker und Mitarbeiter eines Internetunternehmens. Sie suchten nach einer Möglichkeit, ihre Band im Netz bekannt zu machen. Musik war zu Beginn auch der größte Erfolgsfaktor der Site. Tom Anderson nutzte seine Kontakte zu Künstlern und Bands und überzeugte sie davon, sich "ihren MySpace" einzurichten. Damit wurde es möglich, dass Musikbands und Fans miteinander in Kontakt treten konnten. Nach dem Kauf von MySpace durch die News Corp. im Jahr 2005 hat Rupert Murdoch angekündigt, die Site für andere multimediale Inhalte, vor allem für Filme, zu öffnen. Während Anderson ursprünglich vor allem kleine, unbekannte Künstler für MySpace gewinnen wollte, zielt Murdochs Strategie auf große, kommerzielle Filmprojekte ab.

Doch MySpace hat auch seine Schattenseiten. Im April 2006 wurden rund 200.000 Benutzerseiten aufgrund allzu freizügiger Darstellungen gelöscht. Kritik äußerte sich nach einem Fall von sexuellem Missbrauch nach Kontaktanbahnung über das Portal. So wurde MySpace als ein "Jagdgrund für Pädophile" bezeichnet. Aber auch von potentiellen jugendlichen Amokläufern, die zum Beispiel ihr Waffenarsenal präsentierten, sowie von Drohungen gegen Lehrer, Mitschüler und Schulen wurde berichtet.

 

Gefälschte Profile

Viele der hundert Millionen registrierten Nutzer sind nicht mehr aktiv. Oder sie haben nie existiert. Gefälschte Profile finden sich en masse. Auch die Frage nach der Refinanzierung wurde bisher vernachlässigt. Im Mai nahm MySpace gerade einmal 15,5 Millionen Dollar an Werbegeldern ein. Im April waren es erst 2,5 Millionen bei 300 Mitarbeitern. Nach dem Google-Deal ist es fraglich, wie die Millionen MySpace-Nutzer reagieren werden, wenn ihre Seiten mit Werbeeinblendungen versehen werden. Trotz des rasanten Anstiegs der Mitgliederzahlen hatte MySpace in der Vergangenheit Schwierigkeiten, Werber anzulocken. Auch die geplante Ausweitung des Angebots über den englischsprachigen Raum hinaus ist bisher nicht geschehen. In Europa ist MySpace noch wenig bekannt. In Deutschland konnte die Community-Plattform bislang laut Nielsen/Netratings lediglich 609.000 Unique Audiences für sich verbuchen.

Doch MySpace steht nach Meinung von Murdoch erst ganz am Anfang. Die News Corp. möchte ihre Online-Aktivitäten massiv ausbauen. Auch Analysten sehen in MySpace ein riesiges Wachstumspotenzial. Laut einer Studie von E-Marketer werden die Ausgaben für Onlinewerbung auf Social-Network-Angeboten in den USA in diesem Jahr auf 280 Millionen US-Dollar anwachsen. Davon wird alleine MySpace 180 Millionen Dollar auf sich vereinigen. Bis zum Jahr 2010 erwarten die Analysten, dass die Werbeeinnahmen der Social-Networking-Sites rapide auf 1,8 Milliarden US-Dollar anwachsen werden. Dass die großen Online-Player auch den deutschen Markt sehr ernst nehmen, beweisen die derzeit stattfindenden Anstrengungen. Anfang August ist Microsoft in Deutschland mit dem Start seiner Social-Community-Plattform "Windows Live Spaces" MySpace zuvorgekommen. Laut Medienberichten plant MySpace auch in Deutschland und Frankreich schon bald einen Ableger.

Quelle: Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, FTD, pressetext.de, ibusiness.de

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