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02. Juli 2001 | Digitales

Mobiles Internet: Kundenbindung überall

dpa und Partner wollen regionale Zeitungen ins Boot holen / Neues Projekt der Rheinischen Post

Für Meinolf Ellers, Managing Director der dpainfocom GmbH, sind Zeitungsverlage die heimlichen Gewinner des anstehenden Booms des mobilen Internets. Gemeinsam mit den Partnerfirmen mnc Mobile News Channel aus der Schweiz und der Bertelsmann-Tochter BeMobile hat sich die dpa dem Gedanken verschrieben, Zeitungen mit verschiedenen Ansätzen unter dem Oberbegriff "Regionale Portale" für die neuen mobilen Angebote zu mobilisieren. Unabhängig davon sammelt die Rheinische Post Erfahrungen mit mobilen Diensten und neuen Werbeformen. RP-Online-Redaktionsleiter Volker Pfau berichtete über das RP-Projekt "m-stuff.de", das in Kürze starten soll.

Vorurteile verhindern nach Auffassung von Ellers ein stärkeres Engagement von Regionalzeitungen bei mobilen Informationsdiensten. Kein Verlag könne heute mit Fug und Recht mehr behaupten, das mobile Internet sei für ihn nicht wichtig. Personalisierung und Regionalisierung seien die treibenden Kräfte. Sinnvoller E-Commerce werde über die Ortung des Kunden durch "Location Based Services" möglich. Netzbetreiber, Portale und Endgerätehersteller bemühten sich schon heute um den mobilen Markt in der Region. "Mobiles Internet - das ist das Medium der 12- bis 20-Jährigen", betonte Ellers. Wer dies ignoriere, werde bestehende Verlagsgeschäftsfelder verlieren und überlasse es anderen, die führende publizistische Mobilmarke in der Region zu werden.

Günstige Angebote

Zu hohe Kosten oder technischen Aufwand hält Ellers gleichfalls für ein schlechtes Argument: SMS-Dienste seien heute schon äußerst günstig zu haben. Das nötige Investitionsvolumen sei deutlich geringer als bei Online-Auftritten. Zudem eröffneten sich neue Einnahmeoptionen: "Nutzer akzeptieren im Mobilfunk und im mobilen Internet kostenpflichtige Dienste. SMS, Logos und Klingeltöne generieren heute schon Milliardenumsätze. Sehr gute Möglichkeiten gibt es auch für Werbung und Sponsoring." Große Chancen räumt Ellers kostenpflichtigen Lokalservices wie Veranstaltungskalender, Ticketservice und Ru-brikanzeigen ein. Mobildienste eigneten sich auch besonders für Cross-Media-Angebote.

Wie könnte ein typisches mobiles Portal einer regionalen Zeitung aussehen? Ellers tippt auf eine Mischung aus lokalen Nachrichten, Werbung und Services, überregionalen Nachrichten, Community-Kommunikationsangeboten und Spielen. Die regionalen Inhalte lägen komplett im Verantwortungsbereich der jeweiligen Zeitung. Überregionales, wie zum Beispiel das tägliche Horoskop oder Szenenews, könne dpa zuliefern. Die Partner hätten sich auf lokale Veranstaltungen (mnc) bzw. News/Unterhaltung und Kommunikationsdienste (BeVocal) spezialisiert und stünden als Dienstleister zur Verfügung. Ein Beispiel für ein mobiles Regionalportal sei nw-news.de, die mobile Plattform der Neuen Westfälischen.

Angebote für lokale Unternehmen

Das schweizerische Unternehmen mnc, an dem auch die Schweizer Depeschenagentur SDA Anteile hält, betreibt sei 1998 die technische Plattform "mSolution", um Inhalte mobil zu machen. Realisiert werden damit lokalisierte Sprach-, SMS oder WAP-Dienste wie "m regio.ch" (mit Inhalten von SDA, Basler Zeitung, Meteoschweiz), "m régions.fr" (französischsprachige Presse, 16 Zeitungen und AFP) oder "m event.net". "Zeitungen können es lokalen Veranstaltern ermöglichen, über die Zeitungsseite mobile Marketing-Aktionen zu buchen", erläutert mnc-Deputy CEO Jean de Wolff. Durch den Abschluss von Sponsoringverträgen, den Verkauf von Werbung oder Mehrwertdiensten ergäben sich neue Einnahmequellen für die lokale Presse.

"Drei-Minuten-Wertschöpfung"

Mobile Services, für die Kunden bereit sind zu zahlen, müssen nach Auffassung von Ingo Schneider, Geschäftsleiter der Bertelsmann media Systems GmbH-Unternehmung "BeMobile", hohen Kundennutzen bieten. Schneider sprach von einer "Drei-Minuten-Wertschöpfung", die mit einfacher Nutzung und direktem Erfolgserlebnis verknüpft sein müsse. Derartige mobile Services seien heute schon erfolgreich. Beispiel SMS: innerhalb eines Jahres habe sich die Anzahl der Nachrichten verfünffacht. Derzeit würden in Deutschland rund zwei Milliarden SMS pro Monat verschickt. Ca. fünf Prozent der Mobilnutzer lüden sich außerdem Klingeltöne und Logos auf ihr Telefon. Sie seien bereit, bis zu 13 DM pro Stück dafür zu bezahlen.

Die Einnahmemöglichkeiten wurden scharf diskutiert. Bislang sind die Mobilfunkanbieter in Deutschland nicht bereit, Inhalteanbieter an Gebühren zu beteiligen oder für sie das Billing zu übernehmen - im Gegensatz zu dem äußerst erfolgreichen i-mode-Modell in Japan. Hier wurde eine Bündelung der Verhandlungsmacht der Verlage angeregt.

Neue mobile Werbeformen

"Mit ihrer 'one source multi channel-Strategie' haben die Zeitungen bislang keine neuen Zielgruppen erreicht", begründete Volker Pfau, Redaktionsleiter bei RP-Online, das konkrete Engagement seines Hauses im Mobilbereich. In Kürze werde die neue Website "m-stuff.de" freigeschaltet, bei der sich für ein junges Publikum alles ums Mobiltelefon drehe. Bei der Planung habe man sich intensiv Gedanken über mögliche Erlösmodelle gemacht. Vielversprechend erschienen Sponsoring, Mini-Abos spezieller Inhalte, die über den bestehenden Vertrieb abgewickelt werden könnten, und neue Werbeformen.

Hier wurde Pfau sehr konkret. "Voll eingeschlagen hat bei unserer lokalen Wirtschaft die Möglichkeit, das eigene Firmenlogo fürs Handy ge-staltet zu bekommen und zum Download anzubieten", berichtet Pfau. Für einen geringen Fixbetrag produziere rp-online für die Firmen die Logos. Angeboten würden sie dann unter m-stuff und auf den Homepages der Unternehmen.

Äußerst positiv sind laut Pfau auch Erfahrungen mit der Werbeform "SMS-Lockruf". Hier werde eine in einem anderen Medium geschaltete Anzeige (Rheinische Post oder Lokalradio) mit einer Aktion verknüpft. Die Lösung müsse per SMS an eine Telefonnummer geschickt werden. RP-Online nehme die SMS entgegen, sortiere sie automatisch und schicke umgehend eine Antwort nach dem Muster: "ja - sie haben gewonnen" -"nein, probieren Sie es nochmals?". Mit der Antwort auf eine richtige Einsendung könne umgehend eine Belohnung verschickt werden: ein Gewinnschein, eine Rabattmarke, eine Eintrittskarte oder eine Zugangsberechtigung für einen passwortgeschützten Bereich der m-stuff.de-Website.

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