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19. Dezember 2007 | Digitales

Mit Qualität im Bewegtbild überzeugen

BDZV-Fachtag „Web-TV“ mit 70 Teilnehmern

Innerhalb weniger Monate ist die Zahl der Zeitungsverlage, die mit bewegten Bildern über regionale und lokale Geschehnisse berichten, deutlich angestiegen. „Zeitungsverlage sehen in Web-TV eine neue Chance, ihre Reichweiten zu erhöhen und neue Werbeerlöse zu generieren“, sagte Hans-Joachim Fuhrmann, Mitglied der BDZV-Geschäftsleitung, in seiner Einführung beim Fachtag „Web-TV“ am 5. Dezember in Berlin. 70 Teilnehmer informierten sich bei der von Professor Thomas Breyer-Mayländer moderierten Tagung über die Chancen in diesem neuen Geschäftsfeld.

Nach Einschätzung von Unternehmensberaterin Magdalena Linzmeier wird eine Flächendeckung mit IPTV in Deutschland in fünf bis zehn Jahren erreicht sein. Bis zum Jahr 2010 werden 13 Prozent des Umsatzes durch Online-Geschäftsmodelle erwirtschaftet.

Immer im Fokus: Die Region

Die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) in Kassel sendet seit Januar 2007 Videoclips, insbesondere mit regionalem Bezug. „Gerade regionale und lokale Ereignisse locken den User auf die Website“, erklärte Online-Redakteur Till Schwarze von der „HNA“. Es werden Beiträge und Interviews produziert, jedoch keine moderierten Nachrichtensendungen. Von diesem Format trennte sich der Verlag. Zum einen war der Aufwand an Zeit und Personal zu groß, andererseits war die Länge der Videos nicht auf die Sehgewohnheiten im Netz abgestimmt. Im Fokus des derzeitigen Video-Angebotes stehen aktuelle Nachrichten, Politiker-Interviews, Kulturberichte, Unternehmensporträts und Sportnachrichten. Im Monat erreicht das Angebot durchschnittlich mehr als 100.000 Page Impressions. Auch in Zeitungsartikeln wird regelmäßig auf das Angebot hingewiesen. Derzeit plant der Verlag eine interaktive VideoseiteOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Das „Main-Echo“ aus Aschaffenburg produziert seine Videos mithilfe eines Netzwerks aus freien Mitarbeitern. Fotografen filmen, schneiden und liefern den Clip fertigproduziert in die Redaktion. „Besonders gut nehmen die Nutzer Sport-Videos an“, sagte der Geschäftsführer und Verleger Ulrich Eymann vom „Main-Echo“. Etwa vier Wochen bleibt ein neues Video für die Nutzer interessant. Danach sinken die Zugriffszahlen. Die Videos werden dann in ein Archiv verschoben, das nur für registrierte Nutzer zugänglich ist.OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

„Sie müssen investieren!“

Der Medienberater Christian Jakubetz von imfeld Media stellte positive und negative Web-TV-Beispiele in den Mittelpunkt seines Vortrags: Videos müssten professionell gestaltet sein und sinnvoll in die Webseite integriert werden. Wahllose Platzierungen und schmucklose Präsentationen seien ein „No-Go“. Wichtig sei, Qualität zu erreichen, auch gebe es das neue Medium nicht zum Nulltarif – hier seien Investitionen nötig, forderte Jakubetz. In Zukunft sollten die Nutzer mobil erreicht werden. In diesem Bereich bestehe noch ausbaufähiges Potenzial.

Erfolgreich: Formate mit hohem Wiedererkennungswert

Auf den Bereich Musik und Unterhaltung hat sich das Hamburger Unternehmen TVenty.de spezialisiert. Das interaktive regionale Video-Stadtportal bietet Information, Unterhaltung und einen Städte-Guide. „Produziert wird nicht im Studio, sondern immer draußen“, erläuterte Geschäftsführer Klaus Täubrich. Product Placement spiele innerhalb der Vermarktung der Videos eine große Rolle. Den User störe die Werbung nicht, wenn er hochwertige Videos zu aktuellen Themen aus der Stadt erhalte. Der Wiedererkennungswert eines Videoformats sei sehr wichtig. Entsprechende Formate wie „Martin fragt Hamburg“ etablierten sich sehr gut und erreichten steigende Zugriffszahlen.

Ein deutsches Online Video Network

Ein attraktives Videoangebot zu erstellen und gleichzeitig die Refinanzierung sicherzustellen sei eine schwierige Aufgabe für regionale Zeitungsverlage, erklärte Meinolf Ellers, Geschäftsführer der dpa-infocom. Die dpa plane deshalb ein Kooperationsangebot für Verlage, bei der Kostenvorteile durch die gemeinsame Nutzung von Technologien, Lizenzen, Streaming und Hosting entstehen. Lokale Inhalte könnten durch die Verlage selbst produziert werden. Überregionale Inhalte liefere die dpa mit einem neuen Bewegtbild-Angebot. Die nationale Video-Vermarktung werde die OMS übernehmen. Ein ähnliches Modell habe „Associated Press“ (AP) mit dem Online Video Network (ONV) erfolgreich positioniert.

Mit einer neugeschaffenen sechsköpfigen Video-Redaktion hat die dpa ihren Testbetrieb aufgenommen. Täglich werden aus Berlin mindestens fünf Beiträge produziert, sagte Susanne Matthiesen, Geschäftsführerin der „dpa audio & video service“. Das Angebot zielt auf Portale, die ihre Berichterstattung mit Bewegtbild anreichern möchten. Es besteht aus selbst gedrehten sowie zugekauftem Material, dass redaktionell überwacht wird. Die Beiträge haben einen tagesaktuellen Bezug, werden aber in der Regel unterhaltsamer erzählt als rein nachrichtliche Beiträge. OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Videowerbung: Pull besser als Push

Der Mediaberater Wolfgang Bscheid von mediascale beschrieb die Sicht der Mediaplanung bei der Vermarktung von Web-TV. In der Kundenansprache haben Push-Werbeformate, bei denen der Nutzer ungefragt Videowerbung angezeigt bekommt, eine Reihe von Nachteilen. Sie hätten keine Bindungskraft und lieferten nur wenig Nachhaltigkeit. Jeder Impuls müsse separat vergütet werden. Dagegen seien Werbeformate erfolgreicher, bei denen Nutzer selber aktiv werden müssten. Pull-Werbeformate könnten zu einer stabilen, nachhaltigen Bindung führen. Der Zuschauerkontakt müsse zudem nicht direkt bezahlt werden.

BDZV: Web-TV ist kein Rundfunk

Zum Abschluss des Fachtags ging Helmut Verdenhalven, Leiter Medienpolitik beim BDZV, der Frage nach, ob Nachrichtenvideos Rundfunk seien: Die Landesrundfunkanstalten haben die Verlage aufgefordert, ihr Web-TV-Angebot lizensieren zu lassen. Verdenhalven warnte davor, dieser Aufforderung nachzukommen. Video-Abrufdienste auf den Verlags-Websites seien kein Rundfunk. Da es keine Knappheit an Frequenzen gebe, sei auch keine Regulierung notwendig. Wenn die Medienaufsicht ein Angebot als Rundfunk einstuft, kommen auf den Betreiber umfangreiche Pflichten zu. Er muss zum Beispiel bei der Antragstellung das geplante Programm offenlegen. Ein Zulassungsverfahren könne deshalb sehr aufwändig sein. Bis zu einer endgültigen gesetzlichen Klärung riet Verdenhalven den Verlagen dazu, „das Recht einzuhalten, um der Politik keine Argumente für eine Regulierung zu liefern.“

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