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10. Dezember 1998 | Digitales

Mit Portal-Seiten zu neuen Erfolgen

"Interactive Publishing"-Konferenz: E-Commerce und Communities im Mittelpunkt

Über die Probleme und Perspektiven der Verlage im Online-Markt diskutierten auf der fünften Interactive Publishing-Konferenz vom 11. bis 13. November 1998 in Zürich Praktiker aus Europa und USA. Schwerpunktthemen waren der Aufbau von Portal-Sites, die Etablierung von E-Commerce und der Aufbau und die Betreuung von Online-Communities.

Bruno Giussani, europäischer Internet-Kolumnist für die New York Times, wies in seinem Eingangs-Statement darauf hin, daß der Vorsprung des US-amerikanischen Marktes gegenüber dem europäischen Online-Technologie-Markt relativiert werden müßte. Smart-Cards, Handies und viele Software-Produkte in Europa seien im Vergleich zu den amerikanischen Konkurrenzprodukten richtungsweisend. Auch die hohe Zahl an Zugriffen europäischer Nutzer auf amerikanische Web-Sites, beispielsweise im Bereich des E-Commerce, sei nicht immer in erster Linie auf die Qualität der amerikanischen Produkte zurückzuführen, sondern auf deren Erfolge im Bereich der Markenbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

In Zürich wurde einmal mehr bestätigt, daß sich sogenannte "Portal-Sites", die ihre redaktionelle Leistung nicht nur auf den Aufbau eigener Inhalte, sondern auf den strukturierten Zugang zu Fremdinhalten konzentrieren, bei den Nutzern großer Beliebtheit erfreuen und daher für die klassischen Verlage im Internet zunehmend zu einer Herausforderung werden. Karsten Weide, Deutschlandchef des internationalen Internet-Verzeichnisses "Yahoo", erläuterte die Erfolgsgeschichte der europäischen Ableger des amerikanischen Suchdienstes. Ziel der nationalen Yahoo-Angebote sei es, die Nummer eins im Online-Markt zu werden, wie es bereits in Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich der Fall sei. Dabei sei das Vorgehen in allen Märkten vergleichbar. Am Anfang der Produktentwicklung stehe der Inhalt, der neben einem Suchverzeichnis auch Basisinformationen - wie Nachrichten, Wetter, Gelbe Seiten und spezielle Inhalte, beispielsweise Finanzen und Sport - umfasse. Der redaktionelle Inhalt und die Strukturierung fremder Inhalte im Rahmen des Suchverzeichnisses seien wichtig, um eine ausreichende Anzahl an Zugriffen (PageImpressions) zu erzielen und eine Nutzerbindung durch den wiederholten Gebrauch von Yahoo zu erreichen. Aufbauend auf den redaktionellen Inhalten würde eine Personalisierungsfunktion den Nutzern die Möglichkeit geben, ihren Bedürfnissen entsprechend kundenindividuelle Angebote zu erstellen, was wiederum die Zugriffsraten und die Nutzerbindung erhöhe. Abgerundet werde die Nutzerbindung durch Kommunikationselemente wie kostenlose E-Mail-Adressen, Chat, Diskussionsforen und Rubrikanzeigen. In der nächsten Ausbaustufe - so Weide - versuche man eine zusätzliche Refinanzierung des Dienstes durch Transaktionserlöse zu erreichen. Beim Einstieg in den Bereich "E-Commerce" sei beispielsweise die Errichtung eigener Online-Shops wie etwa ein Yahoo-Reisebüro denkbar.

E-Commerce und Content

Welche Folgen dieser neue Trend der Portal-Sites für die Online-Strategie von Presse-Verlagen besitzt, erläuterte Mike Pilmer, Vice President von Hollinger Digital. Hollinger International Inc., Kanadas größter Zeitungsverlag, habe bei einer Analyse der eigenen Online-Aktivitäten festgestellt, daß man zwar 25 Zeitungen online publiziere und die redaktionellen Inhalte kostenlos anbiete, die Gesamtzahl der Page Impressions jedoch nur ein Bruchteil der kanadischen Zugriffe auf Suchmaschinen und Internetverzeichnisse wie Yahoo und Exite darstellen. Aufbauend auf den eigenen Stärken, den lokalen Markennamen und den Kenntnissen in der Gestaltung und Aufbereitung von Informationen habe man sich entschlossen, unter dem Domain-Namen "Canada.com" eine eigene Portal-Site mit Schlagwortsuche, Verzeichnissuche, kostenloser E-Mail etc. im kanadischen Markt anzubieten. Abgerundet werde das Produkt durch Wetter, Lottoergebnisse, Nachrichten-Ticker und einer Verlinkung zu den lokalen Zeitungstiteln. Sechs Monate nach dem Start des neuen Angebots habe man eine Größenordnung von ca. zehn Millionen PageImpressions pro Monat erreicht. Das Ziel sei ein Ausbau der Web-Site durch vertiefende Informationen im Nachrichten-, Sport und Business-Bereich, um gegen Ende des nächsten Jahres die führende Web-Site in Kanada zu werden.

Daß redaktionelle Inhalte nicht immer die Voraussetzung für ein erfolgreiches Engagement im elektronischen Handel sein müssen, erläuterte Ola Ahlvarsson, Geschäftsführer des schwedischen CD-Händlers "Boxman". Boxman betreibt in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland eine der erfolgreichsten Web-Sites, die ausschließlich Musik-CDs verkauft. Dabei habe man relativ schnell erkannt, daß die ersten Versuche mit redaktioneller Berichterstattung über Musikgruppen etc. keine ausreichende Akzeptanz bei den Benutzern finden, da das Hauptinteresse der Online-Nutzer darin bestehe, schnell und unkompliziert in einer großen Auswahl von CDs zu recherierchen, mit einer Verfügbarkeit von 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche preiswert CDs bestellen zu können und diese schnell nach Hause geliefert zu bekommen. Nach den großen Erfolgen im skandinavischen Markt beabsichtigt Boxman weitere nationale Handels-Websites in Europa einzurichten.

Online-Communities

Wie sich ein Verlagshaus beim Aufbau von Online-Communities engagieren kann, erläuterte Kim Weckstroem, Entwicklungschef von Satama Interactive in Norwegen. Da innerhalb der Verlagsgruppe von Seiten der einzelnen Printredaktionen nur wenig Bereitschaft bestand, mit der neu gegründeten Multimedia-Abteilung zu kooperieren, habe man versucht, eigenständige Inhalte anzubieten, die sich an den Möglichkeiten und Bedürfnissen des Mediums orientieren. Ausgehend von interaktiven Visitenkarten, bei denen Geschäftsleute ihr persönliches Interessenprofil und ihren Lebenslauf hinterlegen konnten, sei es gelungen, eine Internet-Community von Geschäftsleuten aufzubauen. Neben Nachrichten und täglich aktualisierten Kommentaren würden vor allem die interaktiven Bereiche wie Online-Chats und Newsgroups stark genutzt. Dabei habe man die Feststellung gemacht, daß bei den Nutzern eine hohe Bereitschaft besteht, selbst Inhalte beizusteuern. Die Business-Community erziele mittlerweile rund 200.000 PageImpressions pro Woche und habe mittlerweile den Break Even erreicht.

Die Bedeutung einer Killer-Applikation zum Aufbau eigener Communities hob Pieter Casneuf, Chef der belgischen Rubrikanzeigen-Unternehmung "Ad Valvas" hervor. Ausgehend von unterschiedlichen Adressverzeichnissen sei es gelungen, rund um Rubrikanzeigen eine eigene Nutzergemeinschaft zu installieren, deren Wert ständig wachse. Timothy Ewing vom ungarischen Online-Spiele-Produzenten "Uproar" betonte, daß der Aufbau von Online-Communities neben einer intensiven Bewerbung durch strategische Partnerschaften und Banner-Werbung vor allem durch sogenannte "Syndication"-Geschäfte vorangetrieben werden könne, indem fremde Web-Sites die Kerninhalte der eigenen Community mit anbieten. Trotz derartiger Maßnahmen müsse man jedoch damit rechnen, daß selbst bei exponentiellem Wachstum der Aufbau einer eigenen Online-Community Zeit erfordere.

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