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15. Februar 2006 | Allgemeines

Mit der täglichen Lesequote die Qualität verbessern

BDZV-Chefredakteursgespräch zum Thema ReaderScan

Die "Macht der Daten" würdigte Norbert Tiemann, Chefredakteur der "Westfälischen Nachrichten" in Münster, bei seiner Präsentation aktueller Leserforschungsergebnisse mit dem "ReaderScan". "Eigentlich wussten wir das alles vorher, aber jetzt können wir es beweisen."

IMG 0357Beim Chefredakteursgespräch standen am 15. Februar 2006 im Berliner "Haus der Presse" die Erfahrungen verschiedener Zeitungen mit die­sem jüngsten Leserforschungstool des Schwei­zers Carlo Imboden im Mittelpunkt. Welchen Ein­fluss "Reader Scan" auf die Arbeit in der Redak­tion hat und welche Konsequenzen sich aus den täglichen Quoten ziehen lassen können, darüber berichteten neben Tiemann auch Joachim Frank, stellvertretender Chefredakteur des "Kölner Stadt-Anzeigers", und Uwe Vorkötter, Chefre­dakteur der "Berliner Zeitung". Die Veranstaltung mode­rierte Hans-Joachim Fuhrmann, Leiter Kommuni­kation + Multimedia beim BDZV.

Das Prinzip ReaderScan funktioniert, einfach ausgedrückt, wie folgt: Man nehme 120 Abon­nenten der Zeitung; gewinne sie dafür, dreimal drei Wochen lang ihre Lektüre mit einem elektro­nischen Stift - dem so genann­ten ReaderScan – mitzuverfolgen; selektiere die täglich automa­tisch ausgewerteten Daten nach Belieben und inter­pretiere die Ergebnisse zum Nutzen der Zeitung und ihrer Leser.

Mittlerweile hat eine ganze Reihe von deut­schen Verlagen mindestens die erste Welle des ReaderScan-Verfahrens durchlaufen. 80 bis 85 Prozent der Ergebnisse seien übertragbar, be­richteten die drei Experten übereinstimmend. „Aber die restlichen 15 Prozent, das sind doch die eigentlich interessanten“, meinte Uwe Vor­kötter. Eines allerdings machten er, Norbert Tie­mann und Joachim Frank ebenfalls von Anfang an deutlich: Ein Patentrezept für höhere Auflagen ist der ReaderScan nicht. Vielmehr sollen dank der hiermit erworbenen Erkenntnisse Abonne­ment­kündigungen verhindert, Lesequote und Lese­dauer erhöht werden. Kurz: Die Ergebnisse der Arbeit mit dem digitalen Stift seien ein Füh­rungs­instrument zur Verbesserung der redaktio­nellen Arbeit.

Vor der Einführung der tagesaktuellen Quo­tenmesstechnik hat es laut Joachim Frank in der „Kölner Stadt-Anzeiger“- Redaktion durchaus Sorgen und Bedenken gegeben. „Eine schlechte Lesequote verbinden viele mit einem schlechten Autor.“ Angst vor Ansehens- oder Positionsver­lusten können die Folge sein. Auch Norbert Tie­mann berichtete über anfängliche Schwierigkei­ten: „In der ersten Wo­che mit Reader Scan wollte keiner einen Kom­mentar schreiben. Da musste ich dann ran.“

Die Chefredaktionen in Köln, Berlin und Müns­ter traten den Bedenken mit Transparenz entge­gen: Alle Quoten wurden ausgehängt oder für jedermann im Internet zugänglich gemacht. In­tensive Gespräche und Diskussionen über die geleistete Arbeit waren die Folge. „Mit Reader Scan lässt sich genau verfolgen, wie der Leser liest, wo er aufhört und wo eventuell Sprünge oder Ungereimtheiten im Text sind. Eine gute Basis, um mit den Autoren zu sprechen“, erläu­terte etwa Frank. Uwe Vorkötter bestätigte dies und fügte an, dass der ReaderScan ein Mittel zur Qualitätsverbesserung sei, das nur durch die Mitarbeit der Redakteure seine Wirkung erziele. „Es unterstützt die Arbeit beim Zeitungsmachen und zeigt die Schwachstellen auf“, so Vorkötter. Ein Beispiel: Die „Berliner Zeitung“ habe im Feuilleton häufig große Konzertkritiken gebracht. ReaderScan ergab, dass diese Beiträge nur von knapp drei Prozent auch wirklich gelesen wurden. Der Chefredakteur und seine Kollegen struktu­rierten daraufhin um. „Natürlich berichten wir weiter über Konzerte, aber im kleineren Rah­men.“

Weitere Ergebnisse: In der gesamten Zeitung sollte die Redaktion keine Angst vor Unterhaltung haben. So holten die „Westfälischen Nachrich­ten“ beispielsweise bunte „People-Meldungen“ über bekannte Sportler von der Panorama-Seite zu­rück auf die Sportseite und erhöhten deutlich die Lesefrequenz. Und: Auch lange Stücke wer­den offensichtlich gern und bis zum Ende durch gele­sen, stellte die „Berliner Zeitung“ fest, wenn „sie gut geschrieben sind und das Thema stimmt“.

Foto: Kathrin Kirscht

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