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26. März 2003 | Allgemeines

Mehr Beschwerden gegen weniger Werbekampagnen

Bilanz des Werberats: Frauenfeindlichkeit, Jugendgefährdung und Gewaltdarstellung

Frauenfeindlichkeit, Jugendgefährdung und Gewaltdarstellung – das waren im vergangenen Jahr die häufigsten Vorwürfe gegen Werbekampagnen, die beim Deutschen Werberat eingingen. In seiner am 18. März 2003 in Berlin vorgelegten Jahresbilanz berichtete das Selbstkontrollgremium der Deutschen Werbewirtschaft über eine gestiegene Zahl von Beschwerden, dagegen sei die Zahl der kritisierten Werbekampagnen rückläufig.

Der Grund für diese gegenläufige Entwicklung: Mahr als 1.000 von insgesamt 1.985 eingegangenen Beschwerden richteten sich eine einzige Kampagne. Bei der Plakataktion kündigte die „Bild“-Zeitung eine Serie an, in der Frauen ihre sexuellen Praktiken preisgaben. Einige junge Frauen waren mit Sprüchen abgebildet wie. „Mittags krieg ich Hunger. Auf Sex.“ Die Aktion habe „eine Protestwelle“ ausgelöst, wie sie der Deutsche Werberat in den drei Jahrzehnten seines Bestehens noch nicht erlebt habe, sagte dazu der Vorsitzende des Gremiums, Jürgen Schrader.

 

Während die Beschwerdeführer die Aktion als entwürdigend empfanden, teilte der Werberat diese Einschätzung jedoch nicht. Die Plakate hätten auf ein redaktionelles Vorhaben hingewiesen. „Die für redaktionelle Beiträge grundgesetzlich garantierte Pressefreiheit gilt gleichfalls für die Bewerbung solcher Redaktionsangebote“, erläuterte Schrader.

 

Als weiteren Grund für die Verdreifachung der Beschwerdezahl (2001: 694) nannte das Gremium die „offensichtliche Strategie einzelner Institutionen, mit Hilfe von Unterschriftenlisten Druck auf den Werberat auszuüben“. Dies sei jedoch ganz unnötig, da ein einziger Protest für ein Eingreifen der Organisation ausreiche. In Zahlen lautet die Bilanz des Werberats für 2002 so: Die 1.985 eingegangenen Beschwerden richteten sich gegen 389 (2001: 421) Werbeaktionen, von denen der Werberat über 270 (2001: 305) zu entscheiden hatte. In 67 (91) Fällen erklärten sich die Werbungtreibenden bereit, die Werbung nicht mehr zu schalten; in acht (fünf) Fällen wurde die Werbung geändert; und sechs (drei) Mal sprach der Werberat eine öffentliche Rüge aus. Von Kritik freigesprochen wurden 189 (206) und damit zwei Drittel aller beanstandeten Werbekampagnen.

 

Die öffentlichen Rügen richteten sich gegen Firmen, die trotz Beanstandung durch den Werberat ihre Kampagne fortsetzten. In den konkreten Fällen ging es vorwiegend um entwürdigende Darstellung von Frauen und Gewaltszenen. Zu den Kampagnen die nach Intervention des Werberats eingestellt wurden, gehörte die einer Tankstellenkette, die in Anzeigen mit der Abbildung einer achtköpfigen Familie und dem Text warb: „Günstiger Tanken. Geld für Kondome haben.“ Zahlreiche Beschwerdeführer sahen hier eine Kinder- und Familienfeindlichkeit, da suggeriert werde, der Kindersegen entspringe allein der Tatsache, dass die Familie kein Geld für Kondome habe.

 

Kritisch setzte sich der Werberat mit dem Trend in der nationalen und europäischen Politik auseinander, „Selbstkontrollorgane und ihre Arbeit zu verrechtlichen“. So habe sich der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Bundesländer beispielsweise die Verhaltensregeln des Werberats für die Werbung vor Kindern sowie für alkoholische Getränke einverleibt. Er soll Anfang April in Kraft treten. In Plänen der EU-Kommission zur weiteren Eingrenzung der Marktkommunikation der Wirtschaft spiele gleichfalls die Vereinnahmung der Selbstkontrolle als Steuerungsinstrument der Wirtschaft eine wachsende Rolle. „Wir führen im Werberat und darüber hinaus im Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft zurzeit eine Debatte darüber, wie dieses galoppierende Trojanische Pferd von Staatsinterventionismus auf den richtigen Weg gebracht werden kann. Wenn wir in Deutschland und in Europa ernsthaft deregulieren, entbürokratisieren, weniger Staat wollen, dann darf die Selbstverantwortung auch der Wirtschaft nicht abgebaut, sondern muss weiter entwickelt werden“, forderte Jürgen Schrader. Die Arbeit des Deutschen Werberats wird wie in den vergangenen Jahren in der 74 Seiten starken Broschüre „Jahrbuch Deutscher Werberat 2003“ ausführlich vorstellt, Beschwerden und Urteile werden dokumentiert. Die Broschüre ist zum Preis von fünf Euro (zuzüglich Versandkosten) zu beziehen über: Verlag Edition ZAW, Postfach 20 14 14, 53144 Bonn.

 

Internet: www.werberat.de

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