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03. November 2003 | Allgemeines

Medientage: Von Kartellrecht bis Werbeverbote

Mehr als 500 Gäste beim „Print-Gipfel“ von BDZV und VBZV

Medientage München: Mehr als 500 Gäste waren dabei, als BDZV und Verband Bay-erischer Zeitungsverleger (VBZV) beim „Print-Gipfel“ am 23. Oktober 2003 wissen wollten: „Und was kommt nach der Krise?“ Viele Teil-nehmer zählten auch die beiden Zeitungs-Foren am Nachmittag, die den Themen „Wer bekommt was im Mediamix?“ und „Qua-litätsjournalismus – Was Leser, Hörer, Zu-schauer von ihren Medien erwarten“ gewid-met waren. Eine ausführliche Darstellung des Print-Gipfels sowie der beiden Foren erscheint im nächsten Special von „BDZV intern“.

Die mittelständischen deutschen Zeitungsverleger sind gegen eine Abschaffung des geltenden Pressefusionsgesetzes. Diese Position vertrat Dr. Hermann Balle, VBZV-Vorsitzender, beim „Print-Gipfel“ in München. Bei allem Verständnis für die Großverlage wäre dieser Schritt der falsche Weg, sagte Balle. Das Pressefusionsgesetz biete gerade den kleineren unter den 350 deutschen Verlagen Schutz. Gleichwohl räumte der Verleger von „Straubinger Tagblatt“ und „Landshuter Zeitung“ ein, dass die Rahmenbedingungen verändert werden müssten. Zusammenschlüsse kleinerer Zeitungen müssten über einen – wie bisher im Gesetz verankerten – Wert von 25 Millionen Euro hinausreichen. „75 oder 80 Millionen Euro sollten der Maßstab sein“, erläuterte Dr. Richard Rebmann, BDZV-Vize-Präsident und Verleger des „Schwarzwälder Boten“ in Oberndorf. Dann „könnten sich zwei Zeitungen mit 50.000 Exemplaren Auflage zusammenschließen“.

 

Dagegen trat Dr. Richard Kiessler, Chefredakteur der zur „WAZ“-Gruppe in Essen gehörenden „Neuen Ruhr/Rhein Zeitung“, für bessere Kooperationsmöglichkeiten bei größeren Verlagshäusern ein und prophezeite anderenfalls eine „neue Konzentrationswelle“, die auf die 350 Verlage in Deutschland zukommen werde. Sollte es keine Kooperationen geben dürfen, drohe eine „Verödung der Zeitungslandschaft wie im mittleren Westen der USA“, warnte auch Michael Naumann, Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Hamburg). Hätten sich etwa der Berliner „Tagesspiegel“ und die „Berliner Zeitung“ bei Wahrung ihrer Qualität zusammenschließen dürfen, ginge es nicht mehr um die Existenz, führte Naumann weiter aus, jetzt aber müssten beide Blätter um ihr Fortbestehen kämpfen. Michael Hanfeld, Leiter Medien bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, stellte zur Diskussion, ob die vom Bundeskartellamt eng gesehenen Grenzen, die zwischen Abonnementzeitungen und Boulevardzeitungen unterscheiden, nicht „künstlich gezogen“ seien.

 

Eine Rückkehr in die „goldenen Zeiten“ der Zeitungsverlage ist nach Einschätzung der meisten Verleger angesichts des Einbruchs auf dem Kleinanzeigenmarkt ohnehin kaum mehr möglich. Zusätzliche Gefahr drohe nun auch von weiterreichenden Einschränkungen wie im Fall der Tabakwerbung. Andreas Petzold, Chefredakteur der Hamburger Illustrierten „Stern“, meinte, der Bürger werde mit Werbeverboten „drastisch und dreist bevormundet“. Schon richtig, wandte Agenturmann Lothar S. Leonhard, Chef von Ogilvy Deutschland, ein. Allerdings sei es ein Irrglaube, dass die Verbraucher „in toto für Werbefreiheit“ stimmten. Vielmehr gebe es eine Grundsatzeinstellung, dass die „Wirtschaft den Verbraucher schädigen“ wolle und dies über das Vehikel der Werbung betreibe. Dazu Leonhard: „Es ist unglaublich, welche Wirkung von Werbung heute unterstellt wird.“

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