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08. April 2003 | Allgemeines

Medienjournalismus – Wer braucht das eigentlich?

Podiumsdiskussion von BDZV und news aktuell im „Haus der Presse“

Brauchen die Zeitungen und ihre Leser Medienjournalismus? Unbedingt, jedenfalls wenn er gut ist. Brauchen sie eigene Medienseiten? Nicht so unbedingt, jedenfalls nicht alle und nicht immer. Das etwa war das Fazit der von DeutschlandRadio-Intendant Ernst Elitz moderierten Podiumsdiskussion zum Thema „Medienjournalismus – Wer braucht das eigentlich?“, die BDZV und news aktuell am 27. März 2003 im Berliner „Haus der Presse“ gemeinsam veranstalteten.

Uwe Knüpfer, streitbarer Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ in Essen, warf den ersten Fedehandschuh und erklärte, dass seine Zeitung Medienseiten genau so wenig brauche wie Textilseiten für die Textilindustrie oder Bergbauseiten für die Bergbauindustrie. Die „WAZ“ veranstalte jährlich mit den Lesern einen detaillierten Copytest, bei dem auch gefragt würde, was die Leser vermissen. „Keiner vermisst eine Medienseite.“

 

Ähnlich sah das Jost Springensguth, Chefredakteur der „Kölnischen/Bonner Rundschau“. Zwar bringe seine Zeitung im „Magazin“ regelmäßig Medienthemen. Auch bei seinen früheren Tätigkeiten als Chefredakteur in Münster oder Flensburg wäre die Redaktion jedoch gar nicht auf die Idee gekommen, Medienseiten zu machen. „Das hat auch etwas mit der Zeitung zu tun. Lokalzeitungen müssen andere Themenschwerpunkte setzen“, erklärte Springensguth.

 

Eine Lanze für den Medienjournalismus brach Ulrike Simon, verantwortlich für die Medienseite des Berliner „Tagesspiegels“. Das Argument, hier würde nur für die eigene Branche geschrieben, sei eigentlich gar keins, meinte sie, denn in Berlin, Hamburg und München gebe es „verdammt viele Leute, die für Medien arbeiten“. Hinzu kämen die Fernsehvorschauen, die „hundert Prozent der Deutschen wollen“, und dann natürlich noch die vielen, die sich „für ihre Welt interessieren“. Simon: „Manche Chefredakteure neigen da-zu, ihre Leser zu unterschätzen.“

 

„Wir schreiben nicht nur für uns!“, bestätigte Hans-Jürgen Jakobs, Leiter der Medienseite der „Süddeutschen Zeitung“ in München. Copytests seines Hauses zeigten, dass die Reichweite der Medienseite „in der vorderen Hälfte“ der wahrgenommenen Themen und bei zweistelligen Werten liege. Die Leser hätten einen starken Zugang über das Fernsehprogramm immer da, wo die Berichterstattung mit Personen verbunden werde, die die Zuschauer vom Bildschirm her kennten. Jakobs verwies obendrein auf den Chefredakteur der „Zeit“, Michael Naumann, der vor kurzem die Medienseite seiner Zeitung abschaffte. Naumann sei immerhin Staatsminister für Kultur und Medien gewesen, „also der Regierung wichtig genug, ein Ressort draus zu machen“.

 

Die Sicht der Fachdienste fügte Uwe Kammann für epd Medien, Frankfurt am Main, hinzu: „Wir richten uns nicht an das allgemeine Publikum, wir sind die, die für Kollegen schreiben“, erläuterte er. Das entlaste von der Servicefunktion für den Normalleser. Aus Kammanns Sicht werden allerdings die Medien und die Berichterstattung darüber sträflich unterschätzt. „Es kann doch nicht sein, dass wir die Medien und ihre Wirkung nicht einer ständigen Prüfung unterziehen, wenn unsere Welt und unsere Wahrnehmung von der Welt weitgehend durch Medien bestimmt werden“, kritisierte er.

 

So war sich die Runde auch einig darüber, dass Medienthemen in die Zeitung gehören. „Das hängt ja nicht von der eigenen Seite ab“, sagte etwa Springensguth. Die Frage der Fußballrechte im Fernsehen zum Beispiel würden in der „Kölnischen Rundschau“ auf der Sportseite gebracht, „weil wir wissen, da sind unsere Leser“. Dass andere Ressorts beteiligt werden, bestätigte auch Hans-Jürgen Jakobs, etwa am Beispiel der Berichterstattung zum Fall Kirch. Das sei ein „absolutes Querschnittsthema“. Bei der „Süd-deutschen“ gebe es Leute, die sich jahrelang damit beschäftigt hätten. Es finde dort statt, wo es Sinn macht. Das Medienressort sei ein Ort „kri-tischer Medienreflexion“ und ein „Kompe-tenzzentrum“ für die anderen Ressorts“.

 

Die gelegentlich auftretende Missachtung der Medienseiten könnte auch, reflektierte Kammann, mit der „kulturellen Hierarchie“ der Medien zusammenhängen. Fernsehen und Radio gälten als „Prolo-Medien“. Sie würden nicht in dem Rang wahrgenommen, wie die Themen, mit denen sich das Feuilleton beschäftige, obwohl sie ein Vielfaches an Menschen erreichten.

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