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05. Oktober 2001 | Allgemeines

Medien sollen besonnen bleiben

Presserat: Berichterstattung über Terroranschläge darf keine Feindbilder aufbauen

Der Deutsche Presserat hat im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA an die Einhaltung der publizistischen Grundsätze (Pressekodex) erinnert: So seien Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit oberste Gebote der Presse. Verdachtsberichterstattung müsse als solche kenntlich gemacht werden. Außerdem gebiete der Pressekodex den besonderen Schutz von ethnischen, rassischen und religiösen Minderheiten.

Trotz der verständlichen emotionalen Betroffenheit dürfe die Berichterstattung in Wort und Bild ihre professionelle, kritische Distanz nicht verlieren, forderte das Selbstkontrollorgan der Presse. Sie sollte Feindbildern nicht Vorschub leisten und Vorurteile nicht schüren. Bestrebungen zur Einschränkung von Grundrechten werde der Presserat auch im Licht der Ereignisse kritisch be-obachten.

 

Ferner hat der Deutsche Presserat anlässlich seiner turnusmäßigen vierten Sitzung am 18. September 2001 in Bonn die Illustrierte „Stern“ für ihre Berichterstattung über den Tod von Hannelore Kohl gerügt. In dem Beitrag „Das einsame Leben und Sterben von Hannelore Kohl“ hatte die Zeitschrift ausführlich über das Privatleben der durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Ehefrau des früheren Bundeskanzlers berichtet. Darin seien, kritisiert das Selbstkontrollorgan, auch private Details beschrieben worden, die zur Intimsphäre des Ehepaars Kohl gehörten. Neben Hannelore Kohl selbst seien auch Hinterbliebene in ihren Persönlichkeitsrechten beeinträchtigt worden.

 

Von elf Rügen, die der Presserat aussprach, betrafen acht die Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Auch ein Bericht der „Dresdner Morgenpost“ wurde beanstandet. Das Blatt hatte einen jungen Mann abgebildet der – offenbar in Selbstmordabsicht – auf einen Brückenträger geklettert war und Schüsse aus einer Pistole abgegeben hatte. Gerügt wurden ferner die „Bild“-Zeitung, „Bild-online“ und die „Hamburger Morgenpost“, weil sie in ausführlichen Bildstrecken und unter voller Namensnennung den Tod eines jungen Mannes dargestellt hatten, der zunächst erfolgreich an einem Selbstmordversuch gehindert worden war, beim Abstieg von einem Gerüst dann jedoch zu Tode stürzte.

 

Kritisiert wurde die „Bild“-Zeitung darüber hinaus im Zusammenhang mit dem Unfalltod der Tochter von TV-Moderatorin Petra Schürmann wegen Verstoßes gegen Recherchegrundsätze (Ziffer 2 Pressekodex). Ehrverletzende Behauptungen (Ziffer 9 Pressekodex) kritisierte das Selbstkontrollorgan in der Berichterstattung der „Jungen Freiheit“ über einen Berliner Politiker und der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ über einen Richter. Die Zeitschrift „Max“ wurde mit einer Rüge belegt, da sie sich illegal ein Foto einer an Lassa-Fieber gestorbenen Studentin beschafft und veröffentlicht hatte (Verstoß gegen Ziffer 4 Pressekodex).

 

Neben den elf Rügen ergingen durch den Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats insgesamt 16 Missbilligungen gegen verschiedene Zeitschriften und Tageszeitungen sowie neun Hinweise. 21 Beschwerden wurden als unbegründet abgewiesen.

Kontakt:
Deutscher Presserat,
Gerhard-von-Are-Straße 8,
53111 Bonn,
Telefon 0228/98572-0,
Fax 0228/98572-99,
E-Mail: info@presserat.de

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