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01. März 2012 | Kinder-Jugend-Zeitung

„Maus“-Macher: „Wir müssen mehr Geheimnisse lüften“

7. BDZV-Konferenz Kinder-Jugend-Zeitung mit Best-Practice aus Deutschland und der Welt

Wer den Lesernachwuchs für sich gewinnen möchte, muss früh anfangen: Deshalb präsentierten die gut ein Dutzend Referenten bei der 7. BDZV-Konferenz Kinder-Jugend-Zeitung am 29. Februar und 1. März 2012 in Berlin nicht nur Konzepte zur Gewinnung von Lesern unter Studierenden, sondern selbst die Vorschulkinder standen im Mittelpunkt des Interesses.

So erläuterte Dirk Ziems, Managing Partner von concept m research + consulting aus Berlin, anhand einer Studie, wie das iPad das Mediennutzungsverhalten bereits der Jüngsten verändere. Sein Credo: Durch die Tablets verschmelzen Realität und Phantasie und die Reihenfolge der Mediensozialisation werde verschoben. „Kinder wachsen heute von klein auf mit Fernsehen, Internet und Büchern auf – und das alles aus einer Hand“, so Ziems.

Diesen Trend hat auch die Agentur outermedia für sich entdeckt. Unter dem Motto: „Spielend lernen - lernend spielen“ produziert das Berliner Unternehmen anspruchsvolle Lern-Apps für den Computer, aber auch für das iPad. Das wichtigste dabei sei, dass die Programme die Kinder und Jugendlichen weder überfordern noch sie langweilen, erklärte Geschäftsführerin Eva Duwenkamp, „das Programm muss einen Flow haben“. Für Unternehmen wie Zeitungen böten Spiele nach ihrer Ansicht die perfekte Grundlage, um mit jungen Zielgruppen in Kontakt zu kommen. „Da Spielen zur Lebenswelt der Kinder gehört, antworten sie darin bereitwillig auf geschickt verpackte Fragen“, so die Expertin.


Statt als reine Rezipienten traten Kinder bei der „Heilbronner Stimme“ zum Weltkindertag als Produzenten der Zeitung auf. Einen Tag lang bestimmten fünf Kinderreporter die Themen für die Seite 1 und schrieben die Artikel dafür selbst. Entstanden sei bei dem zum Teil auch pädago-gisch anspruchsvollen Projekt, wie es „Stimme“-Redakteurin Fiona Drewnitzky nannte, eine lebensfrohe aber zugleich tiefgründige Titelseite. Haupterkenntnis des Versuchs: Kinder wünschen sich weniger Tote und schlechte Nachrichten auf den Frontseiten, da sie damit wenig anfangen könnten. Zudem sprachen sie sich dafür aus, mehr Gleichaltrige im Blatt zu finden.


Dem Thema Austausch mit Gleichaltrigen widmete sich auch Dora Heinkel von Viacom International Media Networks (unter anderem MTV) in ihrem Vortrag. In einer groß angelegten Studie untersuchte der Sender, wie Jugendliche Social Networks nutzen und was sie dort von den professionellen Medien erwarten. Ein Resultat der Expertise: Social Networks und reale Welt sind keine getrennten Lebensräume. „Vielmehr ist es so, dass die User auch in den Netzwerken primär mit den Menschen kommunizieren, mit denen sie auch im Realen zu tun haben“, so Heinkel. Facebook, Twitter und Co. erleichterten es aber, geografische Entfernungen zu überbrücken. Inhaltlich seien die Netzwerke für die meisten Nutzer die „private Boulevardzeitung“, in der sie Informationen aus dem eigenen Freundeskreis, aber auch aus der weiten Welt fänden. „Die Jugendlichen sind auf der Suche nach Unterhaltung und Aufmerksamkeit, diese zu bieten, ist die große Chance für die etablierten Medien“, war sich die Social-Media-Expertin sicher.

 

Chancen nutzen

 

Die Chancen der klassischen Medien standen auch im Mittelpunkt der Ausführungen von Maus-Macher Armin Maiwald. „Unsere Aufgabe ist es, für die Kinder Geheimnisse zu lüften, denn sie erwarten von uns Antworten, die sie verstehen“, forderte er die Anwesenden auf, und ergänzte: „Wer für Kinder und Jugendliche schreibt, muss sich stets bewusst sein, dass den kleinen Lesern die Lebenserfahrung und damit das Hintergrundwissen fehlt.“ Deshalb seien Fremdwörter, abstrakte Vergleiche oder auch komplizierte Textstrukturen tabu. Vielmehr sollte sich jeder Kinder-Redakteur vor der Arbeit die Fragen stellen:

  • Welches Grundwissen haben meine Leser?
  • In welcher Reihenfolge stelle ich Fakten dar?
  • Wie vermittle ich Spaß?
  • Wie kann meine Geschichte mit Leben er-füllt werden?


Erwünscht kritisch gingen Corinna Huber und Katia Baierlein von der vielfach preisgekrönten Schülerzeitung „Innfloh“ aus Mühldorf am Inn (Bayern) mit den Zeitungen und ihren Angeboten ins Gericht. Nach ihrer Ansicht sollten die Verlage speziell im Internet Kinder- und Jugendliche mit altersgerechten Angeboten mehr Platz einräumen. Zudem sprachen sie sich für mehr personalisierte Geschichten, klare Botschaften in den Beiträgen und aussagekräftigere Fotos aus. „Ein Bild, das auf der Politikseite funktioniert, spricht die wenigsten Jugendlichen an. Also seien Sie kreativer und befragen Sie regelmäßig Ihre jungen Leser nach ihren Vorlieben“, fassten die beiden Schülerzeitungsredakteurinnen zusammen.


Weiterer Schwerpunkt der 7. BDZV-Kinder- und Jugendkonferenz waren Best-Practice-Beispiele aus den Verlagen. So stellten Ariane Hadlak und Julia Sergon „Planbar“, das Ausbildungsportal der „Lausitzer Rundschau" aus Cottbus, vor. Das 2009 gestartete Projekt sollte anfangs nur über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in der Region informieren. Mittlerweile existieren neben der opulenten Web-Plattform ein Printmagazin und die gleichnamige Online-Jobmesse. Kostenpflichtig präsentieren sich dort knapp 90 Unternehmen aus der Region. „Wir erreichen über Planbar gut 20 Prozent der Absolventen unserer Region, und vielleicht motivieren wir einige so zum Bleiben in der Lausitz“, erklärten Hadlak und Sergon.

Ebenfalls die jungen Zielgruppen im Blick hat die „Schwäbische Zeitung“ in Leutkirch mit dem Blog „Spätz.de“, der von den Crossmedia-Volontären des Verlags betreut wird. Neben Partyberichten finden sich auf dem „öffentlichen Experiment“, wie es Markus Riedl nannte, vor allem Reportagen und Freizeittipps. Mit „Zeit Leo“ gibt es auch bei der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ ein eigenes Produkt für die jüngsten Leser. Ziel der Zeitschrift sei es, bereits Kinder spielerisch an schwierige Themen wie Politik oder Wirtschaft heranzuführen, erläu-terte Herausgeberin Susanne Gaschke.

Die achte Konferenz Kinder-Jugend-Zeitung findet im Frühjahr 2013 statt. Interviews mit den Referenten und Fotos der diesjährigen Veran-staltung finden sich unter www.bdzv.de/kinderjugendundzeitung2012.html

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