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12. Mai 2011 | Allgemeines

„Lokaljournalismus muss wieder sexy werden“

Experten präsentieren bei BDZV/ZV-Konferenz „Total lokal“ sublokale Blogs und digitale Erfolgsgeschichten

Die Medienmärkte sind im Umbruch. Neue, globale Player drängen auf die lokalen Märkte und greifen die Zeitungsverlage in ihren einstigen Hochburgen an. Doch sind es nicht nur Groupon, Facebook und Foursquare, die die Zeitungshäuser vor große Herausforderungen stellen. Lokale und sublokale Blogs genießen bei den Lesern immer größere Beliebtheit. Wie die Verlage auf diese Entwicklungen reagieren können, stand im Mittelpunkt der BDZV/ZV-Konferenz „Total lokal“ am 11. Mai 2011 in Berlin.

startbild total lokalAndre Zalbertus` Antwort auf diese Frage: „Lokaljournalismus muss endlich wieder sexy werden“. 2005 gründete der frühere RTL-Reporter das Heimatfernsehen „Center TV“, um emotionalen Lokaljournalismus zu machen, wie er erklärte. Nach seinen Ausführungen verlangten die Leser und Zuschauer nach seriöser, gut recherchierter und unterhaltsam aufgemachter Berichterstattung aus ihrer Stadt oder ihrem Landkreis. „Haben Sie den Mut, das Regionale in Ihren Zeitungen nach vorn zu stellen. Die Leser werden es Ihnen danken“, postulierte er, und ergänzte: „Sorgen Sie dafür, dass sich Lokaljournalisten nicht wie Kollegen aus der zweiten Reihe vorkommen, sondern zu regionalen Marken werden.“


total lokal 2011 555 Dinge Bremen webBereits zum Auftakt der Konferenz hatte BDZV-Multimediareferent Holger Kansky die Digitaltrends des Jahres 2011 nachgezeichnet: mobil, sozial, lokal – dies seien die Schlagworte der Stunde, um sich im umkämpften Markt zu behaupten. Auf die konsequente Vernetzung von Lokalem und Digitalem setzt unter anderem das „Hamburger Abendblatt“ mit dem Projekt „Mein Quartier“ und dem dazugehörigen Blog mein-quartier.abendblatt.de. Zahlreiche Stadtteilreporter berichten dort über Kultur, Sport, Politik oder Wirtschaft aus ihrem Hamburger Kiez. Pro Tag findet ein Artikel den Weg in das gedruckte „Abendblatt“ und einmal die Woche erscheint die Stadtteilreporter-Sonderseite.


Ebenfalls die Region im Blick hat Katrin Steinert, die erste mobile Journalistin (MoJane) der „Rhein-Zeitung“ in Koblenz. „Mein Arbeitsplatz ist mein Auto. Mein Arbeitsbereich ist das gesamte Verbreitungsgebiet unserer Zeitung“, erzählte die junge Redakteurin. Ihre Aufgabe: In Wort, Bild und Video Außergewöhnliches festzuhalten. Einen Ratschlag und eine Warnung hatte Steinert für die rund 60 Teilnehmer im Gepäck. Mit Nachdruck plädierte sie für die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken in den Redaktionen und spitzte zu: „Wer nicht twittert, der verliert. Denn in Twitter und Facebook liegen die Geschichten.“ Kritische Worte fand sie hingegen zum Thema Kommunikation untereinander: „Als MoJane, ohne festen Arbeitsplatz im Verlagshaus, bist du von fast allen Kommunikationswegen in der Redaktion abgeschnitten. Wer das nicht bedenkt, wird mit dem Projekt scheitern“.

Mit dem Leser auf Schatzsuche


total lokal 2011 diskussionen webUm innovative Vermarktungsstrategien im regionalen Raum ging es im zweiten Teil der Konferenz. nahraum.de, das regionale Fotoportal des Medienhauses Lensing-Wolff (Dortmund), ist eines dieser kreativen Projekte. „Wir wollten ein kollektives Fotogedächtnis für die Region schaffen, das von den Lesern gefüllt wird“, erläuterte Carsten Kaiser den Ansatz. Mittlerweile habe sich die Plattform bei den Anzeigenkunden so etabliert, dass immer mehr Firmen gezielt dort, anstatt auf der eigentlichen Zeitungs-Website, Anzeigen schalten wollten.


Auf das klassische Buchgeschäft setzt im lokalen Raum hingegen die Bremer Tageszeitungen AG mit ihrem „Weser-Kurier“. „555 Dinge, die man in Bremen gemacht haben sollte“ heißt der aktuelle Best-Seller des Verlags, in dem außergewöhnliche Orte und Ideen für die Freizeitgestaltung in der Hansestadt vorgestellt werden. Darüber hinaus wurde kürzlich ein Werk zu Bremer Mundarten herausgegeben, das sich nach Aussage von Prokurist David Koopmann ebenfalls großer Beliebtheit bei den Lesern erfreue. Das „Geheimnis des Erfolgs“: „Die Redaktion sitzt bei der Entwicklung der Vermarktungsstrategie mit am Tisch“, so Koopmann. Regelmäßig habe es redaktionelle Berichterstattung über die ausgewählte Ort aus dem Freizeitführer gegeben oder Interviews mit „Ur-Bremern“, die noch die alten Dialekte beherrschten.

total lokal 2011 snoa webVon ähnlichen Erfahrungen berichtete auch Andreas Schmutterer von der „Augsburger Allgemeinen“. Dortiges Highlight der vergangenen Monate war das Film-Projekt „So war das“, bei dem die Zeitung Filmmaterial der Leser von den 1920er Jahren bis heute kostenlos digitalisierte und daraus eine DVD-Box produzierte. „Sie glauben gar nicht, welche Schätzen bei den Lesern auf dem Dachboten liegen“, freute sich der Verlagsmanager – von Besuchen des Papstes, über Auftritte von Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard bis zum Auftritt des legendären Boxers Mohamed Ali. Vom Erfolg des Projekts überzeugt, hat mittlerweile auch das Medienhaus Lensing-Wolff begonnen, zusammen mit seinen Lesern die privaten Filmarchive zu durchsuchen. „In absehbarer Zeit werden wir die ersten Filme präsentieren“, ergänzte Carsten Kaiser.

Fotos: BDZV / Erik Staschöfsky

Ort: Berlin

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