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13. April 2011 | Allgemeines

"Lesen muss wieder cool werden!"

Internationale Experten diskutieren über die optimale Ansprache von jungen Lesern

„Zeitungen werden dringender denn je gebraucht, um Kinder und Jugendliche nicht ins digitale Tal der Ahnungslosen abdriften zu lassen.“ Das sagte Axel Dammler (geschäftsführender Gesellschafter der Marktforschungsgruppe iconkids&youth) am 12. April 2011 bei der Konferenz Kinder – Jugend – Zeitung des BDZV in Berlin. Denn im Gegensatz zu früheren Generationen würden die Heranwachsenden heute unter einem enormen „Wertevakuum“ leiden, das sich nicht durch ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken füllen ließe. „Kinder und Jugendliche wollen Vorbilder präsentiert bekommen und sich mit authentischen Geschichten identifizieren“, so Dammler. Diese Informationslücke zu füllen, sei Aufgabe und zugleich Herausforderung für die Verlage.

kinder coverBei der Konferenz Kinder – Jugend – Zeitung, zu der der BDZV zum sechsten Mal nach Berlin eingeladen hatte, machte Frank Kühne vom Carlsen-Buch-Verlag deutlich: „Kinder dürfen nicht als Randzielgruppe angesehen werden, sondern müssen als der Haupt-Lesestamm von morgen betrachtet werden.“ Es sei wichtig, sie bereits so früh wie möglich an das Kulturgut Lesen heranzuführen, denn nur „wer Lesen als cool empfindet, wird später zu Buch, Zeitung oder Zeitschrift greifen“. Von daher appellierte er an die gut 70 Verlagsvertreter, sich noch intensiver mit frühkindlichen Bildungsprogrammen auseinanderzusetzen und mit diesen auch in „Problembezirken“ aktiv zu werden. „In manchen Städten haben 30 bis 50 Prozent der Kita-Kinder einen Migrationshintergrund. Auf diese gesellschaftliche Veränderung müssen wir uns alle einstellen“, forderte Kühne.

BDZV Kinderkonferenz 2011 raum webVor dem Hintergrund des gesellschaftlichen aber auch demographischen Wandels hatte bereits zum Auftakt der Tagung BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff die Entscheidung der Politik gelobt, die Stiftung Lesen erstmals mit einer Grundförderung institutionell zu unterstützen. „Lesen muss wieder stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung rücken und dies zu unterstützen, ist unser aller Aufgabe“, so Wolff.

Dieser Maxime hat sich auch das Belgische Medienhaus Het Belang van Limburg seit vielen Jahren verschrieben. Mit zahlreichen Schulprojekten, wie Leseecken oder Lesepinnwänden, an denen jeden Morgen Schüler interessante Artikel der Zeitung anpinnen, versucht das Blatt, langfristig ans Lesen und die Zeitung heranzuführen. Und mit Erfolg, wie Verlagsmanager Marcel Grauls berichtete. Entgegen des internationalen Trends habe seine Zeitung in der vergangenen Dekade kaum an Auflage verloren. Neben den medienpädagogischen Aktivitäten hätte vor allem die „konsequente Verjüngung der Zeitung“ diesen Erfolg ermöglicht. „Wir wollen täglich eine junge Zeitung machen“, erklärte Grauls. Ein Ansatz, der sich im Stil der Artikel aber vor allem in der grafischen Aufmachung wiederspiegelt. Highlight einer jeden Ausgabe sei die Kategorie „Nachrichten in Bildern“ – in der selbst komplizierteste Sachverhalte wie Vulkanausbrüche oder der Super-GAU in Japan grafisch erklärt würden.

BDZV Kinderkonferenz 2011 ebert webÜber soziale Netzwerke und die Chance, sich diese für die Zeitungen nutzbar zu machen, sprach Matthias Kandel von der Berliner Social-Media-Agentur „Torben, Luice und die gelbe Gefahr“. „Die sozialen Netzwerke wie Facebook und SchülerVZ bieten den Verlagen ungeahnte Möglichkeiten der Marktforschung“, meinte Kandel, und ergänzte: „Denn dort sind Ihre Leser, hören Sie ihnen zu und lernen Sie von ihnen.“ Ein weiterer Ratschlag des Strategieberaters: „Redakteure müssen zu Communitymanagern werden, die in den Networks regelmäßig in Interaktion mit den Usern treten. Nur so kann eine enge Bindung entstehen.“ Eine Einschätzung, die auch von den Teilnehmern bestätigt wurde. So berichtete eine Zeitung, dass sie während des Schnee-Chaos Anfang des Jahres frühs im zeitungseigenen Facebookprofil berichtet habe, an welchen Schulen der Unterricht ausfiele. „Binnen Tagen hatten wir nicht mehr 300 sondern mehrere Tausend Fans und diese forderten bereits um vier Uhr neue Informationen“, erinnerte sich Kristina Schwarte von der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

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