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16. Mai 2011 | Allgemeines

Leistungsschutz: Gesetzgeber muss Lücke schließen

Leipziger Medientreffpunkt Mitteldeutschland mit Zeitungsthemen

Ob Rundfunkregulierung, Monetarisierung von Medien-Apps oder die Bedeutung von Social-Media-Angeboten für Verlage –zahlreiche Zeitungsthemen standen auch beim diesjährigen Medientreffpunkt Mitteldeutschland vom 2. bis 4. Mai 2011 in Leipzig auf dem Plan. Eine der hitzigsten Debatten entfachte aber einmal mehr die Diskussion um die Schaffung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage.

nicht darum, alte Geschäftsmodelle zu sichern, sondern die Verlage an der digitalen Zukunft teil­haben zu lassen“, erklärte Christoph Fiedler vom VDZ die Intention der Verleger. Anders als noch vor zwanzig Jahren stünden die Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser heute der ständigen Gefahr gegenüber, dass ihre Inhalte von Dritten kosten­frei im Netz übernommen und weiterverwertet würden. „Von daher ist das Leistungsschutzrecht kein nice-to-have. Der Gesetzgeber muss diese Gesetzeslücke schließen, damit wir auch in Zu­kunft hochwertigen Journalismus bezahlen kön­nen“, so Fiedler weiter. Die reine Übernahme von Urheberrechten der Autoren gewähre keinen effektiven Schutz im Sinne der Verlage, zumal freie Autoren den Verlagen diese Rechte nicht einräumen würden.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek versicherte auch in Leipzig, dass die Bundesregierung noch in der aktuellen Legisla­turperiode ein Leistungsschutzrecht für Verlage auf den Weg bringen werde. „Das ist so verabre­det und daran halten wir uns.“ Dass es bisher noch keinen Gesetzentwurf gebe, begründete der Politiker mit noch ausstehenden europäischen Regelungen, aber auch damit, dass es sich um eine komplizierte Materie handelt. „Das Recht muss so gestaltet werden, dass der Nutzer damit umgehen kann“, so Jarzombek. „Er muss verste­hen, was er darf und was nicht.“

Qualität im Lokalen

Neben der Debatte rund um das Leistungs­schutzrecht standen beim Medientreffpunkt Mit­teldeutschland auch zahlreiche andere Zei­tungsthemen auf dem Programm. Lutz Schuma­cher, Geschäftsführer „Nordkurier“; der sächsi­sche Staatsminister für Kultus und Sport Roland Wöller und Sergej Lochthofen, ehemaliger Chef­redakteur der „Thüringer Allgemeinen“, disku­tierten über die Bedeutung von Lokalzeitungen im ländlichen Raum. Dabei wurde unter anderem erörtert, wie sich in Zeiten sinkender Auflagen von Lokalzeitungen in strukturschwachen Regio­nen journalistische Qualität und Vielfalt erhalten lässt, und welche Folgen das Fehlen einer Lokal­zeitung für den demokratischen Diskurs in einer Gemeinde hat.

Im Lauf der Debatte wies Schumacher auf die wirtschaftlichen Probleme durch den demogra­phischen Wandel besonders in Ostdeutschland hin. Der Trend zeige nach unten. „Alles kann ich mir als Zeitung offensichtlich nicht mehr leisten, ich muss Prioritäten setzen. Für eine Regional­zeitung wäre es aber aus meiner Sicht der fal­sche Weg, am Lokalteil zu sparen“, sagte er. Der Leser lasse sich schlecht gemachten Lokaljour­nalismus heute immer weniger bieten. Der „Nord­kurier“ habe als Konsequenz seinen Mantelteil aufgegeben und im Gegenzug neue Stellen im Lokalen geschaffen und damit gute Erfahrungen gemacht.

Sergej Lochthofen sah Entwicklungen hin zum reinen Lokalmedium kritisch: „25 Regionalseiten und auf drei Seiten den Rest – dieser Mix kann nicht das Ziel für ein Primärmedium sein“, so der einstige Chefredakteur. Eine Lanze für den Lo­kaljournalismus brach Professor Martin Welker von der Universität Leipzig und sagte: „Das Inte­resse an lokalen und regionalen Themen ist nachweislich unverändert hoch“. Zeitungen müssten aber neue Angebotsmodelle finden, um Nutzer mit ihrer „Schwarmintelligenz“ im Internet noch stärker einzubinden. „Eine aktuelle Studie zeigt, dass es Nutzern lokaler Angebote relativ egal ist, ob sie ihre Informationen online oder gedruckt erhalten. Wichtig ist nur, dass es auch in Zukunft überhaupt ein hochwertiges journalisti­sches Angebot vor Ort gibt“, so Welker.

Um Digital- und Mobilstrategien der Verlage ging es im Panel „Tablets – Wie berechenbar ist das Zukunftsgeschäft?“. Vor übertriebenen Er­wartungen an iPad und Co. warnte dabei Roma­nus Otte, Manager bei Welt Online. Gleichwohl zeigt er sich zuversichtlich, neue, auch zahlungs­bereite Nutzer zu finden. Stefan Plöchinger, Chefredakteur bei sueddeutsche.de, verwies dabei auf die noch kleine, „spitze Zielgruppe“ von Tablet-Käufern. Sie seien eine Chance, aber wohl nicht die einzige Lösung. Für Christian Meier, Ressortchef beim Fachdienst „kress.de“, sind die Tablets keine „Wunderwaffe“. Man müsse sich aber damit beschäftigen, da sie in naher Zukunft ein wichtiges Instrument sein könnten.

Heterogen war die Meinung auch zur Monetarisierbarkeit von Apps. Speziell mit reinen Nachrichtenangeboten sei es schwer, Geld zu verdienen, „schließlich gibt es die kostenlosen News nur einen Klick weiter im Netz“, so Meier. Anders sehe es bei Service-Angebote aus. Die Mobilfunknutzer seien es seit langem gewohnt, dafür Geld zu bezahlen, und diese Einstellung habe sich auch in der App-Welt fortgesetzt. Wei­tere Informationen zur Veranstaltung sowie Fotos und Videomitschnitte finden sich unter www.medientreffpunkt.de.

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