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02. Juli 2013 | Allgemeines

Kongress Zeitung Digital: Verlage brauchen mehr Mut zum Experimentieren

Schirrmacher: Plädoyer gegen maschinengesteuerten Echtzeitjournalismus

Zeitungsverlage haben alle Chancen, den digitalen Wandel zu schaffen. Dies ist die Kernbotschaft des Kongresses „Zeitung Digital“ 2013 des BDZV und des Weltverbands der Zeitungen und Nachrichtenmedien WAN-IFRA.

Wandel und Anpassungsdruck seien Phänomene, mit denen sich viele Branchen auseinanderzusetzen hätten, sagte Jan Bayer, Vize-Präsident des BDZV und Vorstand Welt-Gruppe und Technik Axel Springer AG, zur Eröffnung am 19. Juni 2013 in Frankfurt am Main.

Deshalb könnten Zeitungsunternehmen einiges von der Automobilbranche, Logistikunternehmen sowie von Banken und Handel lernen, die den Veränderungsprozess zum Teil schon hinter sich hätten. Kern des Zeitungsgeschäfts sei exzellenter Journalismus; dieser müsse mit Blick auf die digitalen Möglichkeiten noch weiter ausgebaut werden. Zugleich unterstrich Bayer jedoch die Notwendig, neue Geschäftsmodelle für die digitale Welt zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund verglich er den geplanten Start der deutschen „Huffington Post“ im Herbst dieses Jahres mit der Einführung einer Gratiszeitung. „Das ist ein Angriff auf alle Versuche von Verlagen, Bezahlmodelle für digitale publizistische Angebote zu entwickeln“, erklärte der BDZV-Vize-Präsident.

Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow Focus AG, die mit der „Huffington Post“ kooperiert, führte aus, dass zunächst mit 15 Redakteuren gestartet werde. Es gebe eine enge Kooperation mit der „Focus“-Redaktion. Zudem sei wichtig, dass in Deutschland eine „Blogger-Community“ aufgebaut werde, denn diese sei ein wesentlicher Teil des integrierten Ansatzes der „Huffington Post“. In den USA beschäftige das Nachrichtenportal 400 Redakteure und 30.000 Blogger. Täglich würden unter Hinzunahme von nutzergenerierten Inhalten rund 1.600 Geschichten veröffentlicht.

Autoren statt Algorithmen

Dass diese Art des Journalismus jedoch nicht die Zukunft für die Branche sein werde, zeigte sich „F.A.Z.“-Herausgeber Frank Schirrmacher überzeugt. In diesem Zusammenhang warnte er eindringlich vor den gesellschaftspolitischen Folgen eines sich abzeichnenden „Echtzeit-Journalismus“, der automatisiert sei und von Maschinen gesteuert werde. Er sehe die Gefahr, dass Journalismus ebenso wie die Finanzbörsen zu Segmenten einer automatisierten Gesellschaft werde. Umso wichtiger sei die künftige Rolle von reflektierendem und analytischem Journalismus, der von individuellen Autoren komme und nicht über Algorithmen generiert werde. Journalismus stehe für Vertrauen, das Maschinen nicht liefern könnten. Darin liege die große Chance. Der gedruckten Zeitung sprach der „F.A.Z.“-Herausgeber auch für die Zukunft eine wichtige Rolle zu: Im Jahre 2020 werde sie womöglich das einzige moderne Medium sein, „das nicht kontrolliert werden kann“. Diesen „Vertrauensbonus“ hob auch der Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL Deutsche Fußball Liga, Christian Seifert, hervor. Er appellierte an die rund 300 Verlagsmanager und Chefredakteure, in der veränderten Medienwelt mehr Selbstbewusstsein zu zeigen. Die Zeitungen verfügten über hervorragende journalistische Produkte, mit denen sie ein Massenpublikum erreichten. „Investieren Sie in ihren Qualitätsjournalismus, wie wir in den Fußball investieren.“ Denn ohne hochwertigen Content lasse sich kein Geschäftsmodell entwickeln.

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