Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

12. November 2001 | Digitales

Komplette Zeitung auf dem Bildschirm zielt auf Leser- und Anzeigenmarkt

Rhein-Zeitung setzt auf Abonnenten im Ausland / Newsstand mit ersten Verkaufszahlen /„Elektronisches Papier“ 2002?

Die komplette Zeitung inklusive Anzeigen im Internet zu präsentieren – diese Vorstellung ist gleichermaßen Traum und Albtraum. Traum, da mit dem Abbild der gedruckten Zeitung zugleich die Vorstellung einer vollautomatischen Produktion mitgedacht wird und die Kosten für teure Online-Redaktionen sinken. Albtraum, da die deutsche IVW derzeit elektronische Ausgaben im Gegensatz zu ihrem US-Gegenstück ABC nicht zählt und entsprechende Abos der Printausgabe verloren gingen. Die Bezahlung erscheint ungeklärt, ebenso die unautorisierte Erstellung von Kopien. Ungeachtet dieser Schwierigkeiten arbeiten Unternehmen daran, immer bessere digitale Versionen von Zeitungen zu erstellen, die über das Internet verbreitet werden können und neben den reinen Inhalten auch das Layout der Druckversion erhalten. Auf interaktive Zusatzfeatures müssen User dennoch nicht verzichten: Links bleiben Links, ein Klick führt zur gewünschten Adresse. In Genf präsentierten Joachim Türk von der „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz und Warwick Brindle vom US-Unternehmen Newsstand ihre Ansätze. Andreas Pfeiffer von Pfeiffer Consulting gab zum Abschluss der Konferenz einen Überblick über den Stand der Entwicklung von elektronischem Papier.

Als bei der „Rhein-Zeitung“ erstmals die Idee eines „e-paper“ diskutiert wurde, war man sich über die Vorteile schnell einig. Ein solches Produkt könnte Leser binden (Internetnutzer bestellen die Zeitung doppelt so häufig ab wie Nichtnutzer), als Distributionskanal dienen (sieben Prozent der Internetnutzer können sich vorstellen, die Zeitung nur noch online zu lesen) und Leser außerhalb des Verbreitungsgebietes zu erreichen. Für Anzeigenkunden entfiele das lästige Denken in Bannern und Buttons. Anzeigen würden direkt auf die gewünschte Website verlinkt, Verlagsbeilagen eins zu eins ins Internet übertragen. Rubrikanzeigen könnte man direkt in der Datenbank suchen, und insgesamt wäre diese Art von Internet-Werbung viel leichter zu erklären (und zu verkaufen) als herkömmliche Banner. Auch die Erfolgsfaktoren waren vergleichsweise schnell definiert: komplette Zeitung im Originallayout, keine Installation von Zusatzsoftware zur Nutzung, HTML als Basis, funktionierende Links und Querverweise, Möglichkeit zur Verlinkung jedes einzelnen inhaltlichen Elements einer Seite, schneller Download.

 

Vollautomatische Produktion

An dem fertigen Produkt, das nur Abonnenten kostenpflichtig angeboten wird, zeigten innerhalb von nur drei Monaten drei Prozent der 240.000 Print-Abonnenten der „Rhein-Zeitung“ Interesse. Bis Jahresende sollen es fünf Prozent werden. Im Durchschnitt erzielt „e-paper“ 20.000 Seitenabrufe am Tag. Abonnenten fragen nach einem Zusatzabo für weitere Regionalausgaben. Einige wollen die gedruckte Zeitung nicht weiter beziehen. Sobald die IVW sich auf ein Zählverfahren geeinigt hat, das die e-paper-Ausgaben der gedruckten Zeitung gleichstellt, will die „Rhein-Zeitung“ reine Internet-Abos im Inland ermöglichen und weitere Services anbieten. Schon zuvor soll es Ausland-Abos geben (DM 40,-/Monat) und Zusatzabos weiterer Lokalausgaben (DM 5,-/Monat).

 

Die Verwaltung der Applikation ist nach Darstellung von Joachim Türk sehr einfach. Die Ausgabe wird automatisch aus den Produktionsdaten erzeugt. Die Abonnentenverwaltung könne beispielsweise mit SAP erfolgen. Vor Missbrauch sei das System durch eindeutige Usernamen und eine Reihe von Sicherheitsfunktionen geschützt.

 

Ähnlich vollautomatisch läuft die Produktion auch bei Newsstand. Das 1999 in Texas gegründete Unternehmen erzeugt eine spezielle PDF-Version der gedruckten Zeitung, die nur mit einer Spezialsoftware gelesen werden kann. Diese ist für User kostenlos. Wer sich bei Newsstand registriert, kann Einzelausgaben der beteiligten Publikationen per Download beziehen oder sich für ein Abonnement entscheiden. Die Abnehmer – zu 75 Prozent Geschäftskunden – kommen aus 50 Ländern. Zurzeit nutzen weltweit rund 50 Verlage mit einer Gesamt-Auflage von zehn Millionen gedruckten Exemplaren Newsstand. Ein Prozent der gesamten Verkäufe sind laut Brindle inzwischen elektronische Ausgaben, die in den USA der Printauflage zugerechnet werden dürfen. Künftig will sich Newsstand auch als Dienstleister für die Verbreitung von WAP oder E-Ink-Editionen für Verlage profilieren.

 

Elektronisches Papier

Andreas Pfeiffer von Pfeiffer Consulting rechnet mit ersten derartigen Produkten aus elektronischem Papier im Laufe des Jahres 2002 oder 2003. Die Prototypen von Schwarzweiss-Displays zeichneten sich durch Flexibilität, hohe Auflösung, hervorragenden Kontrast und geringen Stromverbrauch aus. Die dargestellte Information bliebe auch im ausgeschalteten Zustand erhalten. Farbvarianten seien etwa ein Jahr später zu erwarten.

 

Für Pfeiffer wird auch eine breite Einführung des elektronischen Papiers nicht das Aus für die herkömmlich gedruckte Zeitung bedeuten: „Wir müssen den spezifischen Wert erkennen, der Printmedien und interaktiven Medien jeweils zugrunde liegt. Menschen nutzen Medien unterschiedlich. Nur wirklich deckungsgleiche Objekte verschwinden.“ In Zeiten der Informationsüberflutung werde der reine Zugang zu Information immer unwichtiger. Bedeutung gewinne der einfache und intuitive Umgang mit ihr.

 

Nach Einschätzung von Pfeiffer wird dem elek-tronischen Papier eine enorm wichtige Rolle in der Zukunft von Technologie und Kommunikation zukommen. Aufgrund seiner Eigenschaften sei es jedoch wahrscheinlicher, dass es in neuartigen Geräten eingesetzt werde, als dass es herkömmliche ersetze. Erste praktische Erfahrungen gebe es mit POP-Bildschirmen (POP = „Point of Presence“, = Infoterminals an öffentlichen Plätzen). Diese könnten sich zu einem bedeutenden ersten Markt für Bildschirme auf Basis von Elektronischem Papier entwickeln. Im Konsumentenmarkt werde die neue Technologie vermutlich zuerst in tragbaren Computern und PDAs zum Einsatz kommen.

zurück