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15. Dezember 1999 | Digitales

Kommerzialisierung und Professionalisierung

Venture Capital und Syndication im Zentrum der 6. Interactive Publishing-Conference in Zürich

Die rasche dynamische Marktentwicklung der kommerziellen Online-Angebote führt zu einer zunehmenden Bedeutung der Fremdkapitalfinanzierung mit Venture Capital. Darüber hinaus, so die Meinung der Online-Experten bei der 6. Interactive Publishing-Conference in Zürich, steigt die Bedeutung des Bereichs "Neue Medien" innerhalb des Produktportfolios der Verlage.

Dabei haben die einzelnen europäischen Länder ein sehr unterschiedliches Wachstum im Bereich Online-Nutzung hinter sich. Während in Deutschland mittlerweile 20 Prozent gelegentliche Online-Nutzer zu verzeichnen sind, liegt Frankreich mit rund neun Prozent weit abgeschlagen. Grund hierfür ist die erfolgreiche Einführung des Terminal-Systems "Minitel", das im Gegensatz zu Btx eine so große Verbreitung fand, dass die französische Telekom heute große Schwierigkeiten hat, den erweiterten Nutzwert der Internet-Anwendungen deutlich zu machen. Dagegen sind die skandinavischen Länder mit Nutzungsraten von rund 30 Prozent in der Marktentwicklung führend, was sich auch in der wirtschaftlichen Dynamik niederschlägt, mit der die einzelnen Startup-Companies und Medienhäuser in diesem Markt agieren. Überdurchschnittlich ist hier auch die Verbreitung von Mobiltelefonen. Eine eher langsame Entwicklung nimmt der Markt der neuen Medien in Italien, wo fast die Hälfte der Bevölkerung zwar ein Handy besitzt, jedoch nur fünf Prozent gelegentlich Online-Dienste nutzen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die italienischen Medienhäuser große Hoffnungen auf Neuentwicklungen wie das Wireless Application Protocol (WAP) setzen, mit dem künftig eine interaktive Nutzung speziell gestalteter Websites über das Handy ermöglicht werden soll.

Als neues, wichtiges Themenfeld erwies sich bei der Interactive Publishing die Fremdkapital-Finanzierung durch Venture Capital-Unternehmen und Beteiligungsmanagement von Medienhäusern. Dabei wurde kontrovers diskutiert, welche Elemente bei jungen neuen Unternehmen und Unternehmensideen für den Venture Capital-Geber am Ende ausschlaggebend sein sollten. Ester Dyson (ED Venture Holdings in USA) betonte, dass den Business-Plänen nur untergeordnete Bedeutung zukomme, dass vielmehr die Produktidee und das für die Umsetzung zur Verfügung stehende Management-Team für eine Beteiligung ihres Unternehmens entscheidend seien. Dem gegenüber betonte Uli Hegge (Jahr Investment Group, Deutschland), dass man sehr wohl anhand der Systematik und der Sorgfalt der erstellten Businesspläne Rückschlüsse auf die Professionalität der jungen Unternehmen ziehen könne und daher auch den eher konservativen Beurteilungskriterien nach wie vor eine große Bedeutung zukomme. Einigkeit herrschte bei der Frage, welche Kritiereien wichtig sind, wenn ein junges Unternehmen den richtigen Venture Capital-Partner sucht. Hans Lindroth (Linfield, Schweden) und Nick Denton (First Tuesday, Großbritannien) stimmten mit den übrigen Panel-Teilnehmern überein, das in erster Linie die Branchenaffinität und die Kontakte eines Venture Capital-Gebers entscheidend seien für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Finanzpartner und jungen Unternehmen. Daneben seien Faktoren wie die Erfahrung des Finanzpartners und auch die "Chemie" im Umgang miteinander bei der Definition gemeinsamer Ziele mit entscheidend.

Ein weiteres Themenfeld, das derzeit von unterschiedlichen Partnern im Internetgeschäft betrieben wird, ist der Weiterverkauf redaktioneller Inhalte an Dritte (Syndication). Mike O'Donnell von iCopyright (USA) betonte, dass sehr viele gewerbliche Nutzer dazu bereit seien, die redaktionellen Inhalte korrekt zu lizenzieren, wenn auf den jeweiligen Websites der Verlage die entsprechenden Möglichkeiten zur Lizenzierung angeboten werden. Neben dem Verkauf kompletter Artikel sei teilweise auch ein Verkauf von Überschriften an Dritte interessant. André Maerz, Leiter Multmedia bei Ringier, berichtete, dass es dem schweizerischen Verlagshaus gelungen sei, mit der Einrichtung eines elektronischen Multimedia-Archives (EMMA) die Arbeitsabläufe innerhalb der Vorstufe und Produktion wesentlich zu vereinfachen und darüber hinaus eine zügigere und bessere Vermarktung der Bild-Ressourcen zu ermöglichen. Dabei hätte sich Ringier mittlerweile auch das Geschäftsfeld der Fremdvermarktung von Bildern erschlossen, indem mit einem 50 zu 50 Erlössplitt auch Bildressourcen von Fremdverlagen angeboten würden.

Wie elektronische Märkte künftig für eine erweiterte Preistransparenz sorgen können, demonstrierte Christopher Münchhoff von der deutschen Preisagentur DealPilot. Mit dem von DealPilot angebotenen Software-Produkt können die Käufer von Büchern beispielsweise bei verschiedenen Händlern immer dann, wenn sie einen interessanten Titel identifiziert haben, die Preise mit den Kosten bei konkurrierenden Händlern vergleichen. Das vor allem in den Märkten ohne Preisbindung attraktive Preisvergleichsinstrument wurde von Dealpilot zunächst aufgebaut und anschließend den Händlern zur Lizenzierung angeboten. Das Business-Modell beruht darauf, dass die Händler für die Zuführung von Aufträgen eine Gebühr entrichten. Der Handel sei zwar über die neue Form des Preisvergleichs nicht begeistert, jedoch bestehe ein massives Interesse daran, im Rahmen des DealPilot mit erfasst zu werden. Somit entsteht in den Märkten eine Verlagerung des Informationsvorteils zu Gunsten der Kunden. Grundsätzlich plant DealPilot einen weiteren Ausbau der Software. Wichtig sei jedoch, dass die in den Preisvergleich einbezogenen Produkte auch sehr stark standardisiert und damit vergleichbar seien. Möglich erscheine, so Münchhoff, die Einbeziehung von CDs und Filmen; wesentlich schwieriger erscheine beispielsweise ein Vergleich von Reisen, da das Produkt hier aus vielen Detailleistungen bestehe und in der Summe sehr komplex und schwer vergleichbar sei. Die Ergebnisse der Konferenz können unter www.interactivepublishing.ch abgerufen werden.

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