Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

04. Dezember 2003 | Allgemeines

Kombination von Foto und Schlagzeile unangemessen sensationell

Deutscher Presserat rügt Berichterstattung über Attentat auf schwedische Außenministerin

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat anlässlich seiner Sitzung am 26. November 2003 vier öffentliche Rügen ausgesprochen.

Kritisiert wurde im Einzelnen der „Berliner Kurier“, da er in der Berichterstattung zum Tod der schwedischen Außenministerin Anna Lindh ein Foto der Politikerin veröffentlicht hatte, das sie schwer verletzt auf der Bahre eines Krankenwagens zeigt. Die Überschrift dazu lautete: „Hier stirbt Anna Lindh.“ Der Beschwerdeausschuss wertete die Darstellung als schweren Verstoß gegen den Pressekodex (Ziffern 1 und 11) in denen die Wahrung der Menschenwürde und die (Un)angemessenheit sensationeller Darstellungen geregelt werden. Der Beschwerdeausschuss merkt dazu an, dass das Foto die schwerverletzte Ministerin zwei Tage vor der Veröffentlichung der Zeitung zeige, bereits am Tag vor der Veröffentlichung sei Anna Lindh jedoch tot gewesen. Mit dem Beitrag sei ein sterbender Mensch in den Mittelpunkt gerückt und mit einer Überschrift verknüpft worden, „die zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme unzutreffend war“. Aus Sicht des Presserats wirke die Zeitungsveröffentlichung wie eine „rückwirkende Voraussage der Zeitung“ und erhalte damit einen unangemessen sensationellen Charakter. Dabei betont der Beschwerdeausschuss ausdrücklich, dass die Veröffentlichung allein des Fotos der verletzten Politikerin nicht gegen den Kodex verstoßen hätte; gerügt wurde die Veröffentlichung „ausschließlich wegen der Kombination von Foto und unzutreffendem Text“.

Wegen einer Verletzung von Persönlichkeitsrechten und Verstoß gegen die Ziffer 8 des Pressekodex wurden die „Leine-Zeitung“ in Neustadt am Rübenberge und die „Bild“-Zeitung gerügt. Die „Leine-Zeitung“ hatte durch eine Vielzahl von Detailangaben das Opfer einer Vergewaltigung für einen größeren Personenkreis erkennbar gemacht. Die „Bild“-Zeitung hatte über den Tod eines jugendlichen Zuschauerns bei einem illegalen Autorennen in Nürnberg berichtet und dazu ein Foto gestellt, das den Toten in identifizierbarer Weise zeigt. Aus Sicht des Beschwerdeausschusses hat es in beiden Fällen kein „überwiegendes öffentliches Interesse“ gegeben, etwas über die Identität der Opfer zu erfahren.

Bei der vierten Rüge handelte es sich um eine Vermischung von redaktionellem Teil und Werbung, für die die Programmbeilage „BWZ“ („Bunte Wochen Zeitung“) kritisiert wurde. Sie habe unter der Rubrik „Gesundheitstipps“ unverblümt Werbung für Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel gemacht. Insgesamt hat der Beschwerdeausschuss anlässlich seiner Sitzung 27 Beschwerden behandelt. Neben den vier Rügen sprach er neun Missbilligungen und zwei Hinweise aus. Neun Beschwerden wurden als unbegründet erachtet, eine war nicht aufzuklären. Kontakt: Deutscher Presserat, Arno H. Weyand und Ella Wassink, Telefon: 0228/ 985720.

 

Internet: www.presserat.de

zurück