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08. März 2011 | Allgemeines

„Keine öffentlich-rechtliche Presse im Netz!“

Verlagsmanager fordern beim BDA-Medienkongress neue Spielregeln

Massive Kritik von Seiten der Zeitungs¬ver-leger an den öffentlich-rechtlichen Online-Angeboten gab es beim Medien¬kongress der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeit¬ge-berverbände (BDA) am 1. Februar 2011 in Berlin. „Es darf keine öffentlich-rechtliche Presse im Internet geben“, erklärte BDZV-Präsident Helmut Heinen im Streitgespräch mit ZDF-Intendant Markus Schächter und verwies auf die umfangreichen textbasierten Internetauftritte von ZDF und ARD.

Ein Angebot wie tagesschau.de sei nicht pro­gramm- und sendungsbegleitend, sondern stelle ein eigenes neues Format dar, das nicht mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag in Einklang stehe. Heinen machte deutlich, dass die Zeitungsver­lage in Zukunft existenziell auf Vertriebserlöse im Internet angewiesen seien. Dies werde durch die gebührenfinanzierten Produkte stark behindert.

Noch deutlicher äußerte sich Christian Nien­haus, Geschäftsführer der Essener WAZ-Medi­engruppe und Vorsitzender des Zei­tungsverle­gerverbands in Nordrhein-Westfalen (ZVNRW), als er in der Auftaktdiskussionsrunde des Medi­enkongresses nach den größten Herausforde­rungen für die Zeitungen in den kommenden Jah­ren gefragt wurde: „Im Internet haben wir eine Krise des Ge­schäftsmodells“, betonte Nienhaus. Seit Jahr­hunderten seien es Leser gewohnt, für journalis­tische Inhalte zu bezahlen, im Netz funktioniere dies aber nicht. Verstärkt werde diese Tendenz durch die Kostenlos-Angebote der Öffentlich-Rechtlichen im Netz. „Wir erleben, dass das Staats­fernsehen dem privatwirtschaft­lich organisierten Internet Konkurrenz macht“, konstatierte Nien­haus und forderte ARD und ZDF zur Zurückhal­tung auf.

Ähnlich konstatierte Christoph Keese, Kon­zerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG: „Wir akzeptieren keine kostenlosen Apps der Öffentlich-Rechtlichen.“ Doch nicht nur bei den Expansionsbestrebungen von ARD und ZDF sah der WAZ-Geschäftsführer Nienhaus Handlungsbedarf. „Eine weitere Baustelle sind die Geschäftsbedingungen des US-Multis Apple, die für uns nicht hinnehmbar sind“, ergänzte Nienhaus.

Auch wenn die Zeitungen vor großen Aufgaben stünden, werde es auch in 20 Jahren noch Qua­litätszeitungen geben, war sich Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur „Der Tagesspiegel“ (Berlin), si­cher. „Zeitungen sind speziell für den lokalen Kosmos unerlässlich und das werden sie auch in der Zukunft sein“, so Casdorff. Die Her­ausforde­rung für die Verlage bestehe aber darin, ihre un­verzichtbare Stellung für die Demokratie noch stärker nach außen zu kommunizieren. Er forderte die Anwesenden auf: „Wir dürfen unsere Branche nicht kaputtreden.“

Ein Appell, dem sich auch Ulrich Wachholtz, Ge­schäftsführer Karl Wachholtz Verlag, an­schloss. „Zeitungen erreichen heute – Print plus Online – mehr Menschen als jemals zuvor, und wir sind noch immer für die Gesellschaf das ver­lässlichste Medium“, zitierte er mehrere Studien. Die Zei­tungsbranche müsse sich nach seinen Worten nun aber den veränderten gesellschaftli­chen Strukturen anpassen. „Lassen Sie uns Zei­tungsmodelle für Single-Haushalte und die Digital Natives entwickeln.“

Sich noch stärker mit den Digital Natives aus­einanderzusetzen, empfahl auch Michael Inacker, Leiter Konzernkommunikation und Politik der Metro AG, den Verlagen. „Nach und nach wächst eine Generation heran, die es gewohnt ist, sich ihre Informationen im Netz und nicht in der Zei­tung zu suchen“, meinte Inacker.

Mit dem Thema Wirtschaftsberichterstattung hatte sich bereits zum Auftakt der Tagung BDA-Präsident Dieter Hundt beschäftigt und ein kriti­sches Bild der aktuellen Situation ge­zeichnet. Dies liege aber nicht an den Zeitungen, sondern am Wissensstand junger Menschen. Deshalb appellierte Hundt an die Wirtschaft: „Wir alle müssen dafür sorgen, dass Jugendliche wieder Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge bekommen." Nach einer Studie des Bankenver­bands hätten viele Jugendliche zwar ein prinzipi­elles Interesse an Wirtschaftsthemen, doch sei Hintergrundwissen zu wirtschaftlichen Grundprin­zipien oder zur Globalisierung nur bei den we­nigsten ausgeprägt.

Wie ein guter Wirtschaftsjournalismus, der auch Jugendliche anspricht, gestaltet sein muss, darum ging es im Vortrag von Christoph Keese, der sieben Dimensionen des Qualitätsjournalis­mus präsentierte. Neben Unab­hängigkeit, Fair­ness, Unvorein­genommenheit, Richtigkeit in der Berichterstattung und Sachlichkeit zählten laut Keese dazu auch eine grundlegende Neugier für Zusammenhänge sowie ein Grundverständnis für Ästhetik. Um Wirtschaftsjournalismus, der diesen Qualitäts­ansprüchen gerecht wird, finan­zieren zu können, bedürfe es jedoch neuer Ein­nahme­quellen, sowohl im Digital- wie auch im Printge­schäft. „Irgendwann müssen wir uns fra­gen, warum eine Qualitätszeitung weniger als ein Starbucks-Kaffee kostet“, so Keese. Und im In­ternet werde es in den kommenden Jahren da­rum gehen, weltweit einfach zu bedienende Be­zahlsysteme zu etablieren. „Unser Ziel muss das One-Klick-System sein“, so Keese.

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