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13. Mai 2002 | Allgemeines

Journalisten sorgfältig auf den Einsatz in Kriegs- und Krisengebieten vorbereiten!

BDZV-Präsident Helmut Heinen zum 3. Mai/Podiumsdiskussion mit „Reporter ohne Grenzen“ im „Haus der Presse“

Journalisten müssten sorgfältig auf ihren Einsatz in Kriegs- und Krisengebieten vorbereitet werden. Das erklärte BDZV-Präsident Helmut Heinen anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit am 3. Mai.

Aufgabe der Journalisten sei es, in Wort und Bild festzuhalten, „was sie hören und sehen“, sagte der BDZV-Präsident weiter. Dazu müssten sie sich in Kriegs- und Krisengebiete wagen, „um dem Rest der Welt zu berichten, was da passiert“.

 

Heinen hob hervor, dass das Risiko in den vergangenen Jahren größer geworden sei. Immer öfter würden Berichterstatter selbst zu Zielscheiben und sähen sich der Willkür der Feinde einer freien Berichterstattung ausgesetzt. Gleichzeitig würde aber auch der zunehmende Wettbewerb um die schnellste Nachricht und das beste Bild die Gefahr für Leib und Leben der Reporter verschärfen.

 

Podium im "Haus der Presse"

 

Um dieses Thema drehte sich auch die Podiumsdiskussion „Im Fadenkreuz – Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten“, zu der der BDZV und die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen am 3. Mai 2002 ins Berliner „Haus der Presse“ eingeladen hatten. Die größte Gefahr für Bildjournalisten sei es, erklärte die gerade aus Afghanistan zurückgekehrte freie Fotojournalistin Ursula Meissner, „wenn man versucht, Hollywood zu machen“. Wer sich mit dem Militär an der Front bewege, sei der gleichen Gefahr wie die Soldaten ausgesetzt, „nur ohne deren Ausbildung, ohne Waffen und ohne schusssichere Weste“. Inge Günther, Israelkorrespondentin unter anderem der „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ in Jerusalem, berichtete über die „neue Qualität“ des Konflikts in Palästina. Bisher problemlos zugängliche Gebiete seien plötzlich zu militärischem Sperrgebiet erklärt worden, so dass eine ganze Reihe von Kollegen sich allein oder im Team auf eigene Faust an Brennpunkte wie Djenin vorgewagt hätte. Auch wisse sie von mindestens 19 Fällen, in denen das israelische Militär die Presseakkreditierung von Journalisten kassiert habe. „Man steht immer zwischen beiden Seiten“, versuchte Inge Günther ihre schwierige Korrespondentenrolle zu beschreiben. Während es jedoch im demokratisch verfassten Israel eine Vielzahl – auch sehr krasser – Meinungen gebe, die veröffentlicht würden, komme von palästinensischer Seite nur politische Propaganda. Pressefreiheit gebe es hier nicht.

 

 

Anja Bröker, Fernseh-Redakteurin im Moskauer ARD-Büro, berichtete, dass Russland für einheimische Journalisten offensichtlich das gefährlichste Land sei. „In den Provinzen, wo die Gouverneure die Macht haben, kann man überhaupt nicht von Pressefreiheit sprechen“. Jeder Schritt ausländischer Berichterstatter würde von Regierungsstellen überwacht und eine Arbeit „undercover“, wie sie manche Kollegen von deutschen Zeitungen betrieben, sei „mit Kamera und Übertragungswagen einfach nicht möglich“. Obendrein drohe der sofortige Entzug der Akkreditierung – und das bedeute in Russland schlicht Arbeitsverbot.

 

Seit einem Jahr im Hamburger Exil lebt der aus Tadschikistan stammende Journalist Dododjon Atovulloev, der die Situation in seiner Heimat mit einem Witz charakterisierte: „Kann ein Bürger in Tadschikistan seine Meinung frei zum Ausdruck bringen?“, die Antwort lautet: „Ja, wenn er im Ausland lebt und nicht vorhat, nach Hause zurückzukehren“. Atovulloev plädierte dafür, über die bekannten Kriege und Unruhen nicht die Kriege und Krisen in Zentralasien mit vielen tausend Opfern zu vergessen. Seine Warnung: Die Gleichgültigkeit der europäischen Länder und der westlichen Industrienationen könnten dort als Zustimmung zur Repression aufgefasst werden. Auch Freimut Duve, Beauftragter der OSZE für die Freiheit der Medien, warb für eine stärkere Beachtung von Fragen der Pressefreiheit in der öffentlichen Wahrnehmung, denn „anders haben freiheitsliebende Journalisten keine Chance“. Vor diesem Hintergrund sei die Tatsache, dass sich die Zeitungsverleger und Reporter ohne Grenzen zu einer gemeinsamen Veranstaltung für die Pressefreiheit zusammengetan hätten, geradezu von „historischer Bedeutung“. Der OSZE-Vertreter schlug vor, zum Schutz von Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten die Mitarbeiter „auf freiwilliger Basis mit einem gemeinsamen Kennzeichen auszurüsten“, was allerdings bei den anwesenden Korrespondenten nicht nur auf Wohlwollen stieß.

 

Dabei war allen Teilnehmern der von Michael Rediske, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen und stellvertretender Chefredakteur von Agence France-Presse, moderierten Runde bewusst, dass sich Gefahr für Leib und Leben wohl minimieren, aber nicht ausschließen lässt. „Wir müssen dahin gehen, wo was passiert, um die Geschichten zu beweisen“, erklärte etwa Ursula Meissner. Und dabei sei es manchmal „schwierig, das Bild zu bringen, das die Redaktion verlangt“. Anja Bröker berichtete, dass sie und ihr Team sich vorher nicht wirklich Gedanken gemacht hätten, „wie gefährlich das ist in Afghanistan“. Nun wolle man jedoch gemeinsam für vergleichbare Unternehmungen Vorsorge treffen. Auch gebe es Seminare von der Bundeswehr und der Zentralen Fortbildung ARD/ ZDF, die bewusst einer „professionellen Verunsichertheit“ dienen sollten. Und Freimut Duve verlangte, dass die gezielte Ermordung eines Journalisten durch internationales Strafrecht geahndet werden sollte.

 

Asmussen: Viele Länder ohne Pressefreiheit

 

Peter Asmussen, Vorsitzender des Landesverbands der Zeitungsverleger in Berlin und Brandenburg und Geschäftsführer der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam, hatte anlässlich seiner Begrüßung der Gäste die erschreckenden Zahlen genannt, die den Hintergrund für Duves Forderung bilden: Im Jahr 2001 waren mindestens 31 Journalistinnen und Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs getötet worden, darunter acht in Afghanistan. Fast 500 Journalisten wurden zeitweilig festgenommen, 116 sitzen noch immer in Haft. 716 Reporter wurden bedroht, überfallen oder gezielt attackiert.

 

Die Liste der Länder ohne oder mit nur eingeschränkter Pressefreiheit sei lang, führte Asmussen weiter aus. Einem Drittel der Weltbevölkerung werde das Recht auf freie Meinungsäußerung und ungehindertem Informationsfluss vorenthalten. Umso wichtiger sei es, dass diejenigen Staaten, in denen wie in Deutschland dieses Recht im Grundgesetz verankert ist, Presse- und Meinungsfreiheit auch wirklich lebten – und zwar nach außen wie nach innen.

 

Anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit wurde im „Haus der Presse“ in der Markgrafenstraße 15 die Ausstellung „100 Fotos für die Pressefreiheit“ eröffnet, die werktäglich noch bis Ende Mai hier zu sehen ist.

 

Internet: www.bdzv.de und www.reporter-ohne-grenzen.de

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