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15. Mai 1997 | Allgemeines

Journalisten als "lebende Litfaß-Säulen"

Deutscher Presserat rügt zwei Zeitungen und eine Zeitschrift

Der Beschwerdeausschuß des Deutschen Presserates hat anläßlich seiner Sitzung am 6. Mai 1997 in Bonn zwei öffentliche Rügen gegen das "Westfalen-Blatt" und die Zeitschrift "Coupé" sowie eine nicht-öffentliche Rüge gegen die "Bild"-Zeitung ausgesprochen.

Das "Westfalen-Blatt habe in einem Kommentar über das Strafmaß für Sexualverbrechen falsche Tatsachen behauptet und so gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen (Ziffer 2 Pressekodex), teilte der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses, Peter Velte, mit. Mit der beanstandeten Passage "Messerstecher, Vergewaltiger, Kinderschänder und Mörder gab es damals noch nicht im Umfang wie heute. Hier tritt eine Folge der Überschwemmung unseres Landes mit Ausländern zutage", habe das Blatt aus Bielefeld darüber hinaus Ausländer diskriminiert (Ziffer 12). Die Zeitschrift "Coupé" wurde für einen Artikel über den angeblichen Pfusch eines Not-Zahnarztes gerügt. Der Beitrag über vorgebliche Kunstfehler von Zahnärzten enthielt nach Meinung des Presserats "eine Vielzahl von Tatsachenbehauptungen, die in wesentlichen Teilen falsch sind und damit gegen die Sorgfaltspflichten des Pressekodex verstoßen". Ebenfalls verletzt werde in diesem Fall die Ziffer 14 Pressekodex (Berichterstattung über medizinische Themen), da "durch die äußerst negativen Darstellungen bei den Lesern unbegründete Befürchtungen hinsichtlich der Qualität von zahnärztlichen Behandlungen geweckt werden" könnten. Von insgesamt 37 behandelten Beschwerden wurden 17 für begründet erklärt; neben den Rügen ergingen sechs Mißbilligungen und sieben Hinweise.

Ferner verlangte das Selbstkontrollorgan der gedruckten Presse, daß Berichterstatter bei Sportveranstaltungen "nicht gegen ihren Willen als Werbeträger benutzt werden" dürften. Der Presserat kritisierte damit die häufig geübte Praxis, Pressefotografen bei der Berichterstattung über sportliche Ereignisse zum Tragen von Leibchen mit Werbeaufdrucken zu verpflichten. Journalisten dürften "nicht zu lebenden Litfaß-Säulen degradiert werden". In diesem Zusammenhang unterstütze der Presserat auch Vorschläge, das Informationsrecht der Presse nach den Landespressegesetzen durch ausdrückliche Regelungen des Berichterstattungs- und Zugangsrechts zu erweitern. Bisher sei das Recht auf Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen, die von privaten Veranstaltern organisiert werden, rechtlich nicht eindeutig geklärt.

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