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06. April 2011 | Allgemeines

Journalismus in der permanenten kreativen Beta-Phase

Chefredakteure diskutieren über die Rolle der Zeitung im Zeitalter der Massenindividualkommunikation

„Chefredakteure müssen unternehmerisch denken. Die Kreativen müssen in den Verlagen die Macht übernehmen.“ Das sagte Sebastian Turner (Partner der Werbeagentur Scholz & Friends, Berlin) am 6. April 2011 bei der Chefredakteurskonferenz des BDZV in Berlin. Die Wertschöpfungskette habe sich verändert, mittlerweile werde der Wert einer Ware im Grunde wieder wie vor 500 Jahren durch direktes Verhandeln ermittelt „vom Marktplatz über Edeka zu eBay“.

Layout 1Beim Gipfeltreffen der Blattmacher, zu dem der BDZV zum ersten Mal Redaktionschefs nach Berlin eingeladen hatte, machte Turner die Rolle der Zeitung an Aufgaben wie „Gemeinschaftsstifter“, „Orientierungsgeber“, „Transparenzschaffer“ und „Alltagsorganisator“ fest. „Wir stehen in einer Umbruchsituation wie vor 500 Jahren bei der Erfindung des Buchdrucks“, erläuterte der Werbeexperte. Damals habe sich die Individualkommunikation zur Massenkommunikation gewandelt. Heute stehe die Gesellschaft – und mit ihr die Medien – am Anfang der „Massen-Individual-Kommunikation“. Damit gelte es, auch ganz neue Wege der Ansprache für die Leser/Nutzer der Zeitung zu finden.

„Wir brauchen den Austausch“, hatte zuvor in seiner Begrüßung Hans-Joachim Fuhrmann, Mitglied der BDZV-Geschäftsleitung, als wichtigstes Movens für die Konferenz formuliert. Angesichts wachsender Anforderungen würden journalistisch-handwerkliche Fähigkeiten und technologische Optionen mit den ökonomischen Möglichkeiten so eng verknüpft wie nie. Chefredakteure müssten in einem solchen Umfeld am besten alles zugleich sein, Stratege, Kreativer, Kommunikator, Motivator und Topmanager.


Impressionen 1. Konferenz ChefredakteureSolche neuen Wege geht beispielsweise Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“ in Leutkirch, der die kurz vor dem Start stehende App seines Titels vorstellte. „Wir haben noch keine Nutzergruppe definiert“, erklärte er. Angesichts der bis heute in Deutschland verkauften Zahl der iPads wäre die Fallzahl im Verbreitungsgebiet sicher noch für solche Überlegungen zu klein. Aber er wolle mit seinen Kollegen die günstige Situation nutzen, für verhältnismäßig kleines Geld Dinge auszuprobieren und Marktplätze zu besetzen.


Impressionen 1. Konferenz ChefredakteureAn Zeitungsinhalte denken junge Leute zuletzt, wenn es um das Konzept einer neuen App geht, ergänzte Prof. Bernd Mathieu, Chefredakteur "Aachener Zeitung/Aachener Allgemeine“, der solche Projekte mit Studierenden an der FH Aachen verfolgt. Bemerkenswert sei aber, dass für die jungen Leute die Zeitungsmacher immer als die Könige gälten. „Daraus müssen wir doch etwas machen können!“


reitz webÜber soziale Netzwerke und die Chance, sie für guten Journalismus nutzbar zu machen, sprach Miriam Meckel, Kommunikationsberaterin und Professorin an der Universität St. Gallen. „Wenn wir das ernst nehmen und richtig einsetzen, ist Social Media relevant für den klassischen Journalismus“, versicherte Meckel. Bestes Beispiel seien die Erfolge mit Crowdsourcing wie etwa beim Guttenplag.Wiki oder der Untersuchung der Spesenabrechnung britischer Parlamentarier durch den „Guardian“ und seine Leser/Nutzer. Journalisten würden damit künftig zu Nachrichten-Brokern, Guides, Experten. Ihre Bedeutung bemesse sich in der digitalen Welt dann weniger an der Zahl der „Follower“, sondern vielmehr an der Bedeutung ihrer Nachrichten (Impact), die Zahl der Weiterleitungen (Retweets) und des individuellen Brandings (Mentions). Aus Sicht Meckels wird Journalismus zu einem dynamischen, interaktiven, kollaborativen Prozess. Alles sei permanent im Fluss, sozusagen in einem „kreativen Beta-Prozess“.

Ort: Berlin

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