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10. Mai 2001 | Allgemeines

Internet-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Medien auf den Prüfstand!

Podiumsdiskussion über "Die Macht der neuen Medien" in Leipzig

Die Kritik der Zeitungsverleger an den Internet-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Medien hat BDZV-Präsident Helmut Heinen nachdrücklich bekräftigt. Es sei "äußerst störend" für lokale und regionale Zeitungen, wenn ein gebührenfinanzierter Sender den Wettbewerb zu Lasten der privatwirtschaftlich operierenden Medien verzerre, sagte Heinen anlässlich eines Streitgesprächs über "Die Macht der neuen Medien" am 9. Mai 2001 beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig. Außerdem am Podium: der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf; ARD-Intendant Fritz Pleitgen; der Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), Jürgen Doetz, sowie der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Norbert Schneider.

"Die öffentlich-rechtlichen Anstalten rütteln an den Gittern", bestätigte Kurt Biedenkopf den Umgang der ARD mit Einschränkungen durch den Rundfunkstaatsvertrag und fand deutliche Worte: Er könne verbindlich sagen, dass eine weitere Gebührenerhöhung im Jahr 2004 durch den Sächsischen Landtag ausschlossen werde, wenn bis dahin nicht bestimmte Strukturfragen geklärt würden. Auch sei er ziemlich sicher, dass die aktuellen Werbegrenzen "nicht wesentlich, wenn überhaupt" gelockert würden. "Wir dürfen uns programmbezogen betätigen", verteidigte sich dagegen ARD-Chef Fritz Pleitgen und versicherte gleichzeitig, "gesetzestreu" zu verfahren. "Wir machen nichts heimlich, wir haben unser Programm aufgestellt, daran kann man uns prüfen." VPRT-Präsident Doetz sah dies anders: "In kommerziellen Märkten haben ARD und ZDF im Internet nichts zu suchen."

Durchaus skeptisch betrachteten die Podiumsteilnehmer die Aussichten auf kurz- oder mittelfristigen wirtschaftlichen Erfolg bei den neuen Medien. "Wo gibt es denn bisher im Internet Geschäftsmodelle, mit denen man Geld verdienen kann?", fragte etwa Jürgen Doetz. Rundfunk und Presse seien "Content-Häuser". Wenn man bedenke, dass die Deutschen durchschnittlich sechseinhalb Stunden täglich Rundfunk konsumierten, aber etwa nur 25 Minuten täglich im Internet surften, dann wäre es eine mehr als verfehlte Unternehmenspolitik, beim Internet alle Energie zu konzentrieren.

BDZV-Präsident Helmut Heinen stellte klar, dass das Internet aus Sicht der Presse nicht in erster Linie ein zusätzliches Geschäftsfeld sei, sondern vielmehr eine neue Technik, die den Rahmen für die klassischen Aktivitäten der Zeitung verändere - etwa bei den Vertriebskosten oder bei der Aktualität, wo das gedruckte Produkt bisher hinter den klassischen elektronischen Medien habe zurückstehen müssen. Der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Norbert Schneider, bezeichnete die in den vergangenen Jahren in diesem Marktsegment entstandenen Firmen und Produkte als "Hybride" und "Bastarde" mit neuen Mischungsverhältnissen zwischen den Medien. Es habe viele Ankündigungen, aber wenig konkrete Lösungen und Ergebnisse gegeben. Derzeit befinde sich die Entwicklung "in der Ausnüchterungszelle", denn nun gelange man von der Phase des Erfindens und Entdeckens an den Punkt, "was wir wirklich damit machen können".

Einig waren sich Biedenkopf und Heinen in der Überlegung, dass das Internet zur Vereinzelung in der Gesellschaft beitrage. Der BDZV-Präsident stellte in diesem Zusammenhang den Begriff "Massenmedium" als Internet-Kriterium in Frage. Vielmehr handele es sich hier um eine Atomisierung der Informationsverbreitung, die eben nicht, wie etwa die lokale oder regionale Tageszeitung, "in gewisser Weise die Tagesordnung prägt".

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