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04. Oktober 2005 | Allgemeines

Inhalte auf allen Kanälen transportieren

Bonnier-Chef Bengt Braun mit Strategien für morgen

„Wenn Sie Ihre Zeitung verändern wollen, müssen Sie vorsichtig sein“, sagte Bengt Braun, CEO der schwedischen Bonnier-Gruppe, in seiner Keynote über die „Verlagsstrategien für morgen“. Sie dürfen Ihre Leser nicht überraschen mit jemanden, der Ihnen täglich beim Frühstück gegenüber sitzt.“ Aus diesem Grund habe der Verlag auch lange gezögert, seine schwedische Qualitätszeitung „Dagens Nyheter“ (Stockholm) ins Tabloid-Format zu bringen.

Zunächst seien einzelne Bücher im halben Format erschienen. Im vergangenen Jahr wurde dann jedoch der Wechsel insgesamt vollzogen. Einer der Gründe für die lange währende Zurück­haltung sei auch die Furcht gewesen, dass die Werbung bei den Anzeigenpreisen nicht mitzie­hen würde. Gegenüber der werbenden Wirtschaft habe man argumentiert, dass die Leute Werbe­filme ja auch auf einem großen oder einem klei­nen Fernsehbildschirm anschauten und dass die Werbung trotzdem das gleiche Geld koste. „Wir kommen allerdings nicht überall mit diesem Ar­gument durch“, gestand der Manager.

Zeitungskongress2005 6925 800Bengt Braun und die Bonnier-Gruppe stehen für ein Medienunternehmen, das mehr als 200 Jahre alt und bis heute in Familienbesitz ist, wirtschaftli­che Interessen in mehr als 20 Ländern verfolgt und einen Umsatz von drei Milliarden US-Dollar erlöst. Zum Portfolio gehören Morgenzeitungen, Abendzeitungen, kostenlose Zeitungen, Bücher und Zeitschriften, Filme, Rundfunkveranstaltung, Musik und Internetaktivitäten.

Am heimischen Stockholmer Marktplatz, der ohnehin mit verkauften Tageszeitungen gut be­setzt ist, hat Bonnier im Jahr 2002 neben dem Wettbewerber Metro eine eigene kostenlose Zei­tung „Stockholm City“ erfolgreich platziert. Dabei profitierte Bonnier auch von der bemerkenswer­ten Lesefreude der Schweden: Auf 1.000 Ein­wohner kommen hier 590 Zeitungen (zum Ver­gleich: in Deutschland sind es 317, in den USA 263). Bonnier hat in den vergangenen Jahren sowohl im Anzeigengeschäft als auch im Ver­triebsgeschäft ein Umsatzplus erzielt, die Aufla­gen konnten gehalten, bei der ins Trudeln gerate­nen Boulevardzeitung „Expressen“ sogar wieder gesteigert werden.

Dabei hat das Unternehmen die Reichweite seiner Inhalte durch Aktivitäten in Fernsehen und Hörfunk sowie im Internet erweitert und die Marke gestärkt. Allein in Stockholm werden 97 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre von Zeitungen oder von im Rundfunk übertragenen Zeitungsin­halten erreicht. Pro Tag und Person lesen die Stockholmer 1,8 Zeitungen (1990 waren es 1,2 Zeitungen).

Auf die Frage von Moderator Christoph Keese, Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, weshalb die Schweden eigentlich soviel läsen, hatte Bengt Braun gleich drei Antworten parat: Die Kinder würden in der Schule sehr früh ans Lesen heran­geführt; 96 Prozent der Zeitungen würden ins Haus geliefert; und obendrein seien die Zeitungen in Schweden seit ihrer Gründung ein populäres und keineswegs ein elitäres Informationsmedium gewesen, so dass die Bevölkerung leicht Zugang fand. Zusatzgeschäfte, wie sie viele deutsche Zeitungen gerade erfolgreich unternehmen, sind dagegen für Bonnier kein Thema. Sie führen aus Bengt Brauns Sicht die Aufmerksamkeit der Le­ser/Kunden fort von ihrem eigentlichen Interesse am Kauf einer Zeitung.

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