Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

27. Oktober 2006 | Allgemeines

Informationen und Unterhaltung auf allen Kanälen

Crossmediale Erfolgsgeschichte aus den Verlagen

Längst besteht das Geschäft der Zeitungsunternehmen in Deutschland nicht mehr allein aus dem Verkauf der gedruckten Tageszeitung, Informationen gelangen auch via Internet oder mobil zu den Nutzern. Die digitalen Entwicklungen bieten ganz neue Chancen, mit den Lesern in Kontakt zu treten. Das zeigten beim Forum Zeitung während der Medientage München beispielsweise Meinolf Ellers, Geschäftsführer dpa-Infocom (Hamburg), und Hans-Jürgen Theinert, Bereichsleiter Internet der Verlagsgesellschaft Madsack (Hannover), am Beispiel der dpa-Info-Plattform „Minds“ und dem Pilotprojekt „M-Paper“, das seit dem Sommer 2006 angeboten wird.

Die mobile Zeitung, ein Service der „Hannover­schen Allgemeinen“ und der „Neuen Presse“, wird als „kleine Abendzeitung“, ergänzt durch aktuelle Eilmeldungen, jeden Tag zur selben Zeit dem Abonnementkunden aufs Handy geschickt. „M-Paper füllt damit eine Informationslücke“, erläu­terte Ellers. Mit diesem ersten multimedialen Printangebot werde eine Brücke zwischen Print, Online und weiteren Mobildiensten geschlagen. Selbst bei einem unentgeltlichen Vertrieb könne die Erhöhung der Reichweite in zusätzliche Wer­beerlöse umgesetzt werden. Ziel von „M-Paper“ sei es zunächst, die eigene Marke auf andere mobile Dienste auszuweiten und neue Zielgrup­pen anzusprechen, bestätigte Hans-Jürgen Thei­nert. Die Endanwender müssten das Angebot möglichst einfach nutzen können. Aktuell läsen 500 Abonnenten monatlich knapp 11.000 Artikel via „M-Paper“. Die Nutzung seit dem Start sei stetig gestiegen.

Wie sich eine Regionalzeitung erfolgreich als Auktionsplattform positionieren kann, zeigten Martin Wunnike, Verlagsleiter der „Mittelbayeri­schen Zeitung“ in Regensburg, und Norbert Spe­cker, Geschäftsführer „Catch-Up! Communicati­ons“ (Zürich). Bei der „Preisknallerauktion“ in Regensburg hatte die Zeitung zunächst bei ihren Werbekunden Waren und Dienstleistungen ak­quiriert, die dann in einer umfangreichen Print­beilage und auf der Zeitungswebsite zur Verstei­gerung im Internet angeboten wurden. (Erhält ein Artikel den Zu­schlag, so bekommt der Werbe­kunde von der Zeitung Werbevolumen in Höhe des Listenprei­ses seines Produkts; der Auktions­erlös geht an den Verlag.) Versteigert wurden beispielsweise Schweinehälften, Decksprünge von Araber-Hengsten, aber auch Autos und Fer­tighäuser. „Unsere Leser haben sich darum ge­prügelt“, erin­nerte sich Wunnike. Denn sie er­hielten „eine gute Ware aus verlässlicher Quelle“. Der Verlag habe mit der Auktion neue Werbe­kunden akquirieren können, die sonst nie auf die Idee gekommen wären, in der Zeitung zu inserie­ren. Und Norbert Specker ergänzte, dass auch der Eventcharakter einer solchen Auktion zum Erfolg beitrage. Seine Firma hat das Geschäfts­modell aus den USA in Lizenz nach Deutschland gebracht und hier be­reits für mehrere Verlage umgesetzt. Specker glaubt: „Wenn Sie ein Marke transportieren wol­len, hilft alles was emotional ist.“

 

Keine Kannibalisierungseffekte

Ob sich die Zeitungen neu erfinden müssen, angesichts des immer stärkeren Aufkommens von Wikis, Blog und Online-Marktplätzen, darüber diskutierten Thomas Brackvogel, Geschäftsführer „Die Zeit“ (Hamburg), und Peter Würtenberger, Verlagsgeschäftsführer Marketing und Sales, Zeitungsgruppe „Welt“/„Berliner Morgenpost“ (Berlin). Würtenberger betonte den Nutzen aller technischen Kanäle sowie der Einbeziehung des Lesers beim Blattmachen: „Durch die Leser sind in „Bild’ exzellente Fotos zu sehen, die so sonst nie gemacht worden wären.“ Für „Die Zeit“ sei so etwas undenkbar, konterte Brackvogel. „Für uns geht es nicht um Print-first oder Online-first, son­dern um Marke-first.“ Es würden nur Texte und Fotos veröffentlicht, die zuvor durch den Filter der Redaktion gegangen seien. Auch bei ihrem Inter­net-Auftritt bleibe sich „Die Zeit“ treu. „Wir fühlen uns der Glaubwürdigkeit verpflichtet.“ Einig waren sich Brackvogel und Würtenberger dagegen bei der Bewertung der neuen Chancen durch das Internet: Kannibalisierungseffekte zwischen Print und Online könne er nicht erkennen, „das ergänzt sich hervorragend“, sagte Würtenberger. Und Brackvogel versicherte: „Der Abgesang auf alte Medien kommt zu früh.“ Er habe ein Deja-vu-Er­lebnis, wenn er das Schlagwort ,Web 2.0’ höre. „Das Rad wird doch nicht neu erfunden!“

zurück