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01. März 2004 | Digitales

Immer mehr Zeitungen mit E-Paper-Angeboten

Auch Zeitschriften entdecken digitale Ausgaben

Inzwischen gibt es rund 25 Zeitungen und zwei Zeitschriften, die E-Paper-Versionen anbieten. Seit Anfang 2003 können E-Paper-Ausgaben bei der IVW innerhalb der Print-Auflage ausgewiesen werden. Diese Möglichkeit nutzen zehn Zeitungen und eine Zeitschrift. Unter den Verlagen, die mit Hochdruck an E-Paper-Ausgaben arbeiten, befinden sich unter anderem der Spiegel-Verlag und Gruner + Jahr.

Bereits Mitte der 90er Jahre nutzten Zeitungsverlage die Möglichkeit, exakte Abbilder ihrer gedruckten Zeitung über das Internet zu verbreiten. Damals wurden einfache PDF-Dateien via E-Mail an zahlende Abonnenten verschickt oder als Download angeboten. Eine neue Dynamik erhielt dieses inzwischen unter dem Namen E-Paper bekannt Geschäftsmodell im Jahr 1999 mit der Gründung der beiden Technologie-Pioniere Olive Software und Newsstand. In Deutschland populär wurde E-Paper durch die „Rhein-Zeitung“ in Koblenz, die im Sommer 2001 damit online ging.

 

Während in den USA für die E-Paper-Ausgaben fast immer der gleiche Preis wie für die Print-Ausgabe verlangt wird, herrscht in Deutschland ein sehr uneinheitliches Bild. So gibt es E-Paper bei einigen Verlagen nur kostenlos für die Abonnenten (zum Beispiel „Handelsblatt“, Madsack-Zeitungen), bei anderen nur für die Print-Abonnenten, aber gegen ein geringes Aufgeld (zum Beispiel „Rhein-Zeitung“). Wieder andere Verlage bieten Online-Only-Abonnements zu weniger als 50 Prozent des Print-Abo-Preises an (zum Beispiel „Südkurier“), andere verlangen für Online-Only-Abos den gleichen Preis wie für die Print-Auflage (zum Beispiel „Rheinpfalz“). Der Trend der letzten Monate geht dahin, für reine E-Paper-Abonnements Preise nahe am Print-Preis zu verlangen.

 

Übersicht über deutsche E-Paper-Angebote (PDF)

 

 

Über die Nutzerschaft von E-Paper-Ausgaben gibt es kaum gesicherte Erkenntnisse. Die „Rhein-Zeitung“ hat gemeinsam mit der Universität Trier das Nutzerverhalten untersucht, die Firma Newsstand hat zwei Untersuchungen in Amerika in Auftrag gegeben. Bei der Studie der Universität Trier wurde das Leseverhalten von Zeitungs-, E-Paper- und Online-Lesern verglichen. Dabei erwies sich E-Paper als echter Zwitter: Ohne konkrete Aufgabenstellung nutzten die Leser es wie die gedruckte Zeitung. Aber je spezifischer der Nutzungszweck wird, desto eher greifen User auf online-spezifische Nutzungsstrategien zurück. Konkrete Blickverlaufskurven wie bei der Zeitung habe man nicht gefunden – bei der selektiven Nachrichtenauswahl werde E-Paper eher wie ein Online-Medium genutzt. E-Paper sei gemessen am Nutzungsverhalten kein eigenständiges neues Medium. Bemerkenswert sei der immer wieder geäußerte Wunsch nach mehr Interaktivität.

 

Nutzer: gebildet, männlich, hohes Einkommen

 

Gemeinsam mit Nielsen hat die Firma Newsstand eine Online-Befragung der News-stand-Kunden durchgeführt. Diese sind hoch gebildet, haben ein hohes Einkommen und sind zu fast 90 Prozent Männer. Über 50 Prozent der Nutzer lesen das E-Paper morgens. Viele News-stand-User lesen E-Paper an mehreren Orten.

 

In einer weiteren Newsstand-Studie wurden über 400 Personen intensiv zum E-Paper-Produkt von Newsstand befragt. Die Befragten waren regelmäßige Internetnutzer, die mindestens einmal pro Monat geschäftlich reisen, ein hohes Einkommen haben und Abonnent einer gedruckten Zeitung sind. Die Befragten sahen das Produkt zum überwiegenden Teil sehr positiv, allerdings eher als Ergänzung zur gedruckten Zeitung und nicht als Ersatz. Rund 50 Prozent würden wahrscheinlich oder auf jeden Fall ein solches Produkt kaufen. Dabei bevorzugten die meisten den Einzelkauf vor einem Abonnement. Über die Hälfte würden für eine E-Paper-Ausgabe wahrscheinlich oder auf jeden Fall den gleichen Preis wie für das Print-Produkt bezahlen.

 

Technologische Ansätze

 

Derzeit gibt es knapp 30 Anbieter von E-Paper-Systemen. Grundsätzlich unterscheiden kann man zwischen zwei Ansätzen: Einige Anbieter greifen unmittelbar auf die Daten aus Redaktions- Anzeigen- und Produktionsplanungssystemen zu und verarbeiten diese vollautomatisch. Dies minimiert die Fehlerquote, erhöht aber den Implementierungsaufwand. Andere Systeme basieren auf PDF-Dateien. Diese von den Verlagen im Rahmen des Zeitungsproduktionsprozesses häufig selbst erzeugten Dateien werden dann für die Generierung von E-Paper-Ausgaben genutzt.

 

Eine weitere grundsätzliche Unterscheidung besteht zwischen Online- und Offline-E-Paper. Bei Offline-Versionen (z.B. Newsstand) muss der User erst die gesamte Ausgabe aus dem Internet herunterladen. Dann kann er sie auf seinem Rechner auch offline nutzen. Nachteil von Offline-Systemen ist, dass der Verlag keine Möglichkeit hat, die Nutzung des E-Papers nachzuverfolgen (welche Artikel/Anzeigen werden wie oft aufgerufen etc.). Dies ist bei Online-E-Paper, die über die normalen Internet-Browser genutzt werden, problemlos möglich.

 

In Deutschland werden Online-Systeme bevorzugt eingesetzt. Auch scheinen sie bei den Nutzern besser anzukommen. So hat die „New York Times“ nach zwei Jahren nur knapp 4.000 Abonnenten für ihr Offline-E-Paper (bei einer Print-Auflage von 1,1 Millionen Exemplaren), während die „Rhein-Zeitung“ in Koblenz im gleichen Zeitraum rund 2.200 Abonnenten für ihr Online-E-Paper akquirieren konnte, bei einer Print-Auflage von rund 230.000 Exemplaren.

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