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25. Juni 2009 | Allgemeines

Im Vergleich mit den USA sind deutsche Zeitungen gut aufgestellt

Tiefe regionale Verwurzelung schützt vor Überraschungen

Es geht uns gut. Natürlich haben wir Probleme, aber die werden wir bewältigen. So oder ähnlich lautete die Antwort der Verlagsmanager beim Internationalen Zeitungskongress am 23. Juni 2009 in Köln auf Moderator Werner Lauffs Frage, wie es denn um das eigene Unternehmen stehe. Ein Vergleich mit der viel beschriebenen Zeitungskrise in den USA sei schwerlich zulässig, meinten die Diskutanten.

Viele Großstadtzeitungen dort hätten vergessen, ihre Hausaufgaben zu machen, sagte etwa Clemens Bauer, Vorstandsvorsitzender des Zeitungsverleger Verbands Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) und zugleich Vorsitzender der Geschäftsführung der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf. Während des Immobilienbooms sei es den US-Verlagen so gut gegangen, dass sie wichtige Investitionen und Modernisierungsmaßnahmen unterließen, die deutsche Zeitungsverlage früher und konsequenter durchgeführt hätten. Ähnlich sah es Allan Marshall, strategischer Berater des „Daily Telegraph“ (London). Redaktionell werde bei den US-Großstadtzeitungen in Formaten gedacht, die 50, 60 Jahre alt seien und noch nicht den Weg ins Digitale gefunden hätten. Obendrein verändere sich der Werbemarkt rapide, weg von den Zeitungen und hin beispielsweise zu Direktvermarktern. „Die regionalen Zeitungen machen es besser.“

Einzigartiges Vertriebssystem

Die Kraft des Regionalen betonte auch Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe (Essen). In Deutschland seien alle die Zeitungen besonders gut aufgestellt, die eine tiefe regionale Verwurzelung und eine große Nähe zu ihren Lesern hätten. Hinzu komme ein einzigartiges Vertriebssystem, mit dem die Zeitung zuverlässig bis zum Briefkasten transportiert werde. Oscar Bronner, Gründer und Verleger des Wiener „Standard“, wies darauf hin, dass die US-amerikanischen Zeitungen in der Mehrzahl als Publikumsgesellschaften geführt würden und damit dem Willen ihrer Shareholder und der Gefahr eines „Unfriendly Takeover“ ausgesetzt seien. „Wenn dann eine Rezession hinzu kommt, wird es mühselig, Bankkredite zu bedienen.“ Aus seiner Sicht erlebten die US-Titel weniger eine Zeitungskrise als eine Kreditkrise.

Die USA kannten 16, 17 Jahre nur Aufschwung, sekundierte Martin Kall, Vorsitzender der Unternehmensleitung Tamedia (Zürich). Dementsprechend geschockt und unvorbereitet hätten die Börsenanalysten ebenso wie die Zeitungen auf die Krise reagiert.

„Standard“: Zuwachs bei jungen Lesern

090623 1000 Printkongress Bronner FOX 09Und wie sieht es in Europa aus? Der „Daily Telegraph“ beispielsweise, der derzeit aufgrund seiner Berichterstattung über den Unterschleif im britischen Parlament von Auflagenplus zu Auflagenplus eilt, hat als eine der ersten Zeitungen weltweit einen eigenen Newsroom eingerichtet. Hier konzentriere man sich ganz aufs Redaktionelle, berichtete Marshall. Das Bauen der Seiten hingegen habe die Zeitung outgesourct, dies werde über Nacht in Australien erledigt. Oscar Bronners „Standard“ erlebt sein stärkstes Wachstum – ganz gegen den Trend – in der jüngsten Lesergruppe. Bei fast jedem Artikel werde bedacht, ob ein junger Mensch etwas damit anfangen könne, erläutert Bronner. „Bei uns ist ein Rockkonzert im Feuilleton so wichtig wie eine Oper. Und wenn ein bedeutendes politisches Ereignis erwähnt wird, das 25 Jahre zurückliegt, schreiben wir noch zwei Sätze dazu, was damals war. Sonst würden wir zu viel voraussetzen.“

Einig sind sich die Manager Nienhaus und Bauer: Unsere Kernkompetenz ist Information, die müssen wir nutzerspezifisch aufbereiten, egal auf welchem Kanal – gedruckt, online oder mobil. „Wir dürfen nicht warten, bis Google Local uns das Wasser abgräbt“, forderte Bauer. Das sah auch Martin Kall so. Zeitungen sind klassischerweise „Marktplätze“, erläuterte er. In Zeiten schwindender Werbeerlöse zögen sich die Redaktionen „heroisch“ auf ihre – unzweifelbar – wichtige Nachrichtenfunktion zurück. Aber das Geschäftsmodell liege in der Marktplatzfunktion, und damit nun im Internet, „und da müssen wir hin“.

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