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24. Oktober 2007 | Allgemeines

Hombach droht mit Kampf gegen Gratiszeitungen - Kritik an Post

Der Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, Bodo Hombach, hat Überlegungen der Post kritisiert, mit ihren Postboten Gratiszeitungen auszuliefern. «Wenn einer glaubt, er könne mal im Vorübergehen unsere Märkte zerstören, werden wir ein Abwehrprodukt starten», erklärte Hombach am 24. Oktober in Essen. «Zur Verteidigung der Heimatmärkte würden aber die meisten - wie auch wir - nicht aufs Geld gucken.»

Vergangene Woche hatte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel gesagt, er könne künftige Wettbewerber auf dem Briefmarkt auch «ganz schön bluten lassen». Die Postboten könnten Gratiszeitungen in 35 MillionenHaushalte tragen. «Die gehen da sowieso vorbei.»

Auch in einem Interview des Medienmagazins «Werben und Verkaufen» griff Hombach die Post scharf an. Wenn sie tatsächlich Gratiszeitungen vertriebe, würde ein zu rund 30 Prozent im Staatsbesitz befindliches und mehrwertsteuerbefreites Unternehmen deutschen Zeitungsverlagen Konkurrenz machen. «Wenn der Einfluss von Staat und Gewerkschaft genutzt wird, um Konkurrenten zu benachteiligen und in die Knie zu zwingen, wird das eine Systemfrage», sagte Hombach. Ähnliches kenne er aktuell nur aus demBalkan.

Dass die Post nur über den Vertrieb und nicht über die Produktion einer Zeitung nachdenke, ließ Hombach nicht gelten. «Ohne die privilegierte Postverteilung entstünde kein nationales Gratisblatt.» Mit den 400 Millionen Euro, die für eine solche Zeitung nötig seien, würden «Köpfe und Papierkörbe verstopft».

 

 

 

 

Bodo Hombach im Interview mit dem Medienmagazin „Werben & Verkaufen“, das am 25. Oktober, erscheint.

W&V: Wie ernst nehmen Sie die Gratiszeitungs-Überlegungen der Deutschen Post AG?

Hombach: Ernst. Da sitzt dieser übermächtige King Kong auf seinem Posttower und trommelt sich auf die Brust. Weil die Milliarden-Erträge des Postmonopols auslaufen, ist er traurig. Das macht ihn schwer kalkulierbar. Mit dem in Plastik eingeschweißten Heftchen „Einkauf Aktuell“ hat die Post den Verlagen ja schon erhebliche Beilagenumsätze abgegraben. Dieses Produkt macht vielfach die Mülltrennung zunichte. Sollen die Leute es vor dem Entsorgen etwa auseinander nehmen? Mehrwertsteuerbefreit, unfallversicherungsbefreit usw. hat die Post gegenüber subventionsfreien Verlagen am Markt einen Riesenvorteil. Sie sollte das bedenken.

 

W&V: Inwiefern?

Hombach: Um die 30 % ist ein wesentlicher Staatseinfluss bei diesem Unternehmen. Dazu kommen die dicken Bindungen der Vergangenheit. Wenn der Einfluss bei Staat und Gewerkschaft genutzt wird, um Konkurrenten zu benachteiligen und in die Knie zu zwingen, wird das eine Systemfrage. Ähnliches kenne ich aktuell nur aus dem Balkan. Als in Russland einige Medien missliebig wurden, hat Gazprom sie gekauft. Hier unvorstellbar. Aber wollen wir jetzt eine Zeitung unter Staatseinfluss in Deutschland kreieren?

 

W&V: Aber die Post hat gesagt, sie wolle nicht selbst Verlegerin werden, sondern würde die Zeitung nur vertreiben.

Hombach: „Zeitungen vertreiben“ klingt gut. Schon bei der Tarifvertragsgestaltung zu Lasten Dritter hat jeder gemerkt, wie einflussreich, einfallsreich und tricky der Vorstandsvorsitzende Dr. Zumwinkel ist. „Nur vertreiben“, wäre auch tricky. Ohne die privilegierte Postverteilung entstünde kein nationales Gratisblatt. Wenn die Post erklären würde, allen Verlegern zu gleichen Konditionen die tägliche Verteilung zu garantieren, sähe die Sache anders aus.

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