Empfehlen Sie uns weiter
  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Facebook übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Wenn Sie diesen Button anklicken, werden persönliche Daten an Twitter übertragen. Sind Sie damit einverstanden?

  • Zu Ihrer Information

    Hier können Sie mittels unseres Service-Formular eine Seite empfehlen. Es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

12. September 2003 | Allgemeines

Hermann Neusser: Zeitungen müssen in Qualitätsjournalismus investieren

Theodor-Wolff-Preis für sechs herausragende Zeitungsjournalisten/ Herbert Kremp für Lebenswerk geehrt / Festakt in Essen

Der Vorsitzende des Kuratoriums für den Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis und Verleger des „General-Anzeigers“ (Bonn), Hermann Neusser, hat Verleger, Verlagsmanager und Chefredakteure aufgefordert, die Qualität der redaktionellen Leistungen weiter zu steigern.

„Journalistische Qualität hat einen Markt, und sie rechnet sich auch ökonomisch“, sagte Neusser anlässlich der Verleihung der Theodor-Wolff-Preise am 4. September in Essen. Journalistische Qualität sei im Übrigen nicht das Privileg der überregionalen Zeitungen, sondern zeichne die regionalen und lokalen Blätter ebenso aus. Gerade kleinere und mittlere Zeitungen seien für die politische und geistige Orientierung des Lesepublikums die entscheidenden Größen. Neusser begrüßte, dass mehr denn je die Trennung zwischen redaktionellen Beiträgen und Anzeigen thematisiert werde. Diese Grenzen dürften nie fließend werden, denn es gehe um die Glaubwürdigkeit der Presse.

Der Geschäftsführer der Stiftung Presse-Haus NRZ und Herausgeber der „NRZ Neue Rhein/ Ruhr Zeitung“ in Essen, Heinrich Meyer, schlug in seiner Einführung vor den rund 180 Gästen auf der Zeche Zollverein einen Bogen von den Zeitungen, die ihre Leser mit wichtigen Informationen versorgen, zu den Unternehmen, die den Bürgern die Energie zum Leben geben. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel sei die 1847 eröffnete, 1986 stillgelegte und heute zum Weltkulturerbe zählende Zeche Zollverein. Der Essener Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger pries die Zeche Zollverein und seine Stadt Essen als Teil des Ruhrgebiets, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Deutschland mit aufgebaut habe und heute „nach einem unglaublichen Strukturwandel“ die Zukunft entwickle.

 

Der für sein Lebenswerk mit dem Journalistenpreis der deutschen Zeitungen - Theodor-Wolff-Preis geehrte frühere Chefredakteur und Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“, Herbert Kremp, erklärte in einer kurzen und bewegenden Replik auf die Preisverleihung, dass eine solche Auszeichnung immer „etwas Elegisches“ habe, um dann doch ein paar deutliche Worte über seine Sicht auf die aktuelle Politik zu sagen: Die Reformen der Regierung beträfen, so meinte er, vor allem die Bewertung der Lebensalter. Eine „hochverschuldete Gesellschaft“, ewig manisch depressiv, sehe sich dem Phänomen des „massenhaft schwellenden Alters“ gegenüber. Kremps Warnung: „In diesem heißen Sommer starben nicht nur Bäume, es verdorrten Menschen, überall, vornehmlich alte.“ Und: „Es ist das Privileg der Alten, drakonisch zu erinnern.“

 

Neben Kremp wurden fünf Journalisten mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet: Die mit je 6.000 Euro dotierten Würdigungen in der Sparte „Allgemeines“ erhielten Holger Kreitling für seinen Artikel „Der Energie-Dichter“ („Die Welt“, Berlin), in dem er die Macht von Vorurteilen am Beispiel des Cottbuser Fußballvereins beschreibt, dem ein Dichter japanische Haikus und Sonette widmet; Stefan Ulrich für seinen Beitrag „Ein Schiff mit Kurs Gerechtigkeit“ („Süddeutsche Zeitung“, München), der sich distanziert und teilnehmend zugleich in das komplizierte Geflecht des Internationalen Jugoslawien-Tribunals im Haag wagt; sowie Birgit Walter für ihr Porträt „Hofs Licht“ („Berliner Zeitung“), in dem das Leben des Künstlers Gert Hof nachgezeichnet wird. Michael Ohnewald und Tobias Schuhwerk bekamen den ebenfalls mit 6.000 Euro dotierten Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Lokales“. Ohnewald („Stuttgarter Zeitung“) wurde preisgekrönt für seine Beschreibung einer 70-jährigen Bäuerin, die sich mit aller Kraft gegen den Verkauf ihres Hofes stemmt: „Die alte Bäuerin von Bernhausen trotzt den Zeitläufen“. Schuhwerk schildert in seiner Reportage „Der Mensch blieb Mensch“ („Allgäuer Zeitung“) die Katastrophe des 11. September ein Jahr danach.

 

Anlässlich der Preisverleihung, für die die Stiftung Presse-Haus NRZ die Gastgeberrolle übernommen hatte, las der Schauspieler Manfred Krug aus seiner soeben erschienenen Autobiografie „Mein schönes Leben“.

Der renommierteste deutsche Journalistenpreis ist nach dem ehemaligen Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“, Theodor Wolff, benannt und wird jährlich vom BDZV verliehen. An der Ausschreibung hatten sich 310 Journalisten beteiligt.

 

Der unabhängigen Jury zum Theodor-Wolff-Preis 2003 gehören an: Gernot Facius (Autor „Die Welt“, Berlin), Helmut Herles (Chefkorrespondent „General-Anzeiger“, Bonn), Wilm Herlyn (Chefredakteur Deutsche Presse-Agentur, Hamburg), Stephan Richter (Chefredakteur Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg), Ulrich Reitz (Chefredakteur „Rheinische Post“, Düsseldorf), Herbert Riehl-Heyse († 2003, leitender Redakteur „Süddeutsche Zeitung“, München), Klaus Rost (Chefredakteur „Märkische Allgemeine“, Potsdam), Jost Springensguth (Chefredakteur „Kölnische Rundschau“) sowie Uwe Vorkötter (Chefredakteur „Berliner Zeitung“).

zurück