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30. April 2015 | Namen und Nachrichten

Heinen: Kritik im Netz auch "Qualitätskontrolle"

Interview zum Tag der Pressefreiheit

Themen: Rundfunk, Pressefreiheit

BDZV-Präsident Helmut Heinen fordert von der Politik bessere Rahmenbedingungen zur Sicherung der Pressevielfalt. "Eine freiheitliche Medienlandschaft benötigt (...) wirtschaftlich unabhängige Verlage", sagte Heinen im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai.

Ob die "Lügenpresse"-Vorwürfe oder etwa die Kritik an der Germanwings Berichterstattung - die Medien geraten unter Erklärungs- und Rechtfertigungsdruck, ihre Deutungshoheit wird durch das Internet untergraben. Ist das ein Gewinn oder ein Verlust für die Pressefreiheit?

  • Helmut Heinen: Es ist nicht nur in Ordnung, sondern sogar wünschenswert, dass journalistische Arbeit auch über die sozialen Medien diskutiert, analysiert und, wo nötig, auch kritisiert wird. Konkrete Kritik anhand von Argumenten und Fakten ist Qualitätskontrolle und für unsere Arbeit nur hilfreich. Emotionen und Übertreibungen spiegeln die Befindlichkeit ihrer Absender, bringen aber meist nur sehr begrenzten Nutzen.

Immer mehr Verlage kooperieren mit öffentlich-rechtlichen Sendern. Bereitet Ihnen das Bauchschmerzen - auch angesichts des Widerstands der Verleger gegen die Internet-Aktivitäten der ARD?

  • Helmut Heinen: Über Kooperationen mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk muss jedes Verlagsunternehmen selbst entscheiden. Das ist sein gutes Recht in der Privatwirtschaft. Die gebührenfinanzierten Anstalten begehen aus meiner Sicht etwa in der dem Anschein nach institutionalisierten Recherche-Kooperation mit der "Süddeutschen Zeitung" aber massive Grenzverletzungen. Bei ARD und ZDF im Internet wehren wir uns gegen zeitungsähnliche Angebote, die mit Zwangsgebühren finanziert werden und den Wettbewerb verzerren.

Der ökonomische Druck setzt den Printmedien heftig zu. Folge sind Redaktionsgemeinschaften und Verlagsfusionen. Muss Sparen immer auf Kosten der Qualität gehen?

  • Helmut Heinen: Es wäre ein großer Irrtum, weniger Geld umstandslos mit weniger Qualität gleichzusetzen. Es gibt genügend Beispiele, dass durch intelligente Veränderungen Produkte besser werden können. Die typische Tageszeitung in Deutschland ist lokal oder regional. Wenn wir unsere Arbeit gut machen, bleiben wir auch in Zukunft der "Local Hero", der das Stadtgespräch moderiert und kritisch begleitet.

Was bedeutet das konkret?

  • Helmut Heinen: Im Dialog mit unseren Lesern und Nutzern wie mit unseren Werbekunden müssen wir auf der Höhe der Zeit sein. Das bedeutet fortlaufend erhebliche Investitionen in Personal und IT. Da gilt es, Synergien zu nutzen, in Kooperationen wie innerhalb der eigenen Verlagsgruppe. Mit Sparmaßnahmen, die die redaktionelle Qualität beeinträchtigen, tut sich kein Verlag einen Gefallen. Bei mehr als 1500 gedruckten Lokalausgaben, ist mir um die Pressevielfalt aber nicht bange.

Können Stiftungsmodelle auf lange Sicht nicht besser die Medienvielfalt sichern?

  • Helmut Heinen: Grundsätzlich begrüße ich jede Initiative, die geeignet ist, unabhängigen Journalismus nachhaltig zu finanzieren und damit Vielfalt zu sichern. Eine freiheitliche Medienlandschaft benötigt aber wirtschaftlich unabhängige Verlage. Dafür muss die Politik einen zuträglicheren Rahmen schaffen, statt immer wieder neue Modelle für Stiftungen oder andere Alimentierungen. Es ist grotesk, wenn wir durch eine holzschnittartige Einführung des Mindestlohns mit zusätzlich 220 Millionen Euro jährlich belastet werden und andererseits auf Landesebene über eine Stiftung für Lokaljournalismus mit 1,4 Millionen Euro aus Gebührengeldern diskutiert wird.

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