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03. Juni 2010 | Allgemeines

„Hauptsache sie lesen weiter, egal was“

Verlagsexperten diskutieren beim Treffpunkt Mediennachwuchs über die perfekte Kinderzeitung

„Als wir vor einigen Jahren anfingen, unsere Kinderzeitung ‚Galaxo‘ zu machen, wollten wir den Kindern die Welt erklären. Nur wussten wir nicht genau, wie“, erinnerte sich Jörg Biallas, Chefredakteur der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Halle), beim Treffpunkt Mediennachwuchs am 4. Mai 2010 in Leipzig.

Krieg, Gewalt in der Familie oder Tod, kann man darüber in einer Kinderzeitung schreiben? Verstehen Achtjährige Fremdwörter und wenn ja, welche? Welche Werbepartner lässt man Anzei­gen in einer Zeitung für unter 14-Jährige schal­ten, sind Fastfood-Ketten in Ordnung? Diese Fragen standen nicht nur bei den Machern von „Galaxo“ auf dem Zettel, sondern auch bei Martin Verg von „Geolino“ (Gruner + Jahr, Hamburg). Das 1996 gegründete Magazin war ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Kinderhilfs­werk der Vereinten Nationen (UNICEF) und sollte eine Zeitung über Kinder werden. „Dann haben wir aber gemerkt, dass es auf dem deutschen Markt so gut wie keine Zeitschriftenangebote für Kinder gab“, so Verg. Das war die Geburtsstunde für das heutige Konzept von „Geolino“. Mittler­weile wurde „Geo“-Familie um „Geomini“, ein Magazin für Kinder ab fünf Jahren, und das als monothematische Ausgabe aufgebaute „Geolino Extra“ ergänzt.

Ähnlich wie bei Biallas und seinen Kollegen bei der „Mitteldeutschen Zeitung“ (MZ) sei der Start von „Geolino“ von learning by doning, „oder um ehrlich zu sein, von trial and error“ geprägt gewe­sen, gestand Verg. Denn viele preisgekrönte Printjournalisten hätten sich schwer damit getan, einfach, prägnant und beschreibend die Nach­richten für Kinder aufzubereiten. Wie wichtig je­doch diese frühe und gezielte Heranführung von Kindern an Zeitungen und das Lesen ist, wusste BDZV-Pressereferentin Anja Pasquay zu berich­ten: „Die deutschen Zeitungen machen seit Jahr­zehnten Zeitungsprojekte in den Schulen, auch um Schüler zu verantwortungsbewussten Lesern von morgen zu erziehen.“ Denn Lesekompetenz sei ein wichtiger Beitrag zu einer Gesamtmedien­kompetenz. Eine Einschätzung, die auch Biallas teilte: „Kinder lesen viel zu wenig Nachrichten, und das ist schlecht.“ Deshalb sei „Galaxo“ auch ein gutes Instrument der Leser-Blatt-Bindung, wie Biallas bestätigte, doch vor allem solle die Kin­derzeitungen dazu dienen, dass die Kinder die Lust am Lesen für sich entdecken. „Was sie dann später lesen, ist mir egal. Hauptsache ist, sie lesen überhaupt noch etwas“, so der Chefredak­teur.

Um diesen Wunsch zu erfüllen, sei es jedoch wichtig, die Kinder und Jugendlichen dort abzu­holen, wo sie viel Zeit am Tag verbringen. Und das ist neben der Schule vor allem das Internet. „Jeder Kinderzeitungsmacher hätte wohl gern ein schickes Portal wie das des Kinderkanals von ARD und ZDF. Doch dieser Wunsch scheitert an den finanziellen Möglichkeiten“, reflektierte Verg. Zwar würden viele größere Häuser bereits derar­tige Angebote vorhalten, „aber den größten Wunsch der Kinder, einen eigenen Chat auf den Zeitungwebsites einzurichten, können wir nicht erfüllen“, gestand selbst Jürgen Drescher von Disney Publishing. „Eltern wollen ihre Kinder mit den Magazinen und Kinderzeitungen allein las­sen können, und das auch in einem Chat. Des­halb müsste dieser moderiert sein, und das kos­tet sehr viel Geld“, brachte Biallas das Problem auf den Punkt.

Internet: www.treffpunkt-mediennachwuchs.de

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