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05. Mai 2010 | Allgemeines

"Hauptsache sie lesen weiter, egal was"

Verlagsexperten diskutieren beim Treffpunkt Mediennachwuchs über die perfekte Kinderzeitung

„Als wir vor einigen Jahren anfingen, unsere Kinderzeitung ‚Galaxo‘ zu machen, wollten wir den Kindern die Welt erklären. Nur wir wussten nicht genau wie“, erinnerte sich Jörg Biallas, Chefredakteur der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Halle), beim Treffpunkt Mediennachwuchs am 4. Mai 2010 in Leipzig.

print kinder 1 Krieg, Gewalt in der Familie oder Tod, kann man darüber in einer Kinderzeitung schreiben? Verstehen Achtjährige Fremdwörter und wenn ja, welche? Welche Werbepartner lässt man Anzeigen in einer Zeitung für unter 14-Jährige schalten, sind Fastfood-Ketten in Ordnung? Diese Fragen standen nicht nur bei den Machern von „Galaxo“ auf dem Zetteln, sondern auch bei Martin Verg von der „Geolino“ (Gruner + Jahr, Hamburg). Das 1996 gegründete Magazin war ursprünglich ein Gemeinschaftsprojekt mit UNICEF und sollte eine Zeitung über Kinder werden. „Dann haben wir aber bemerkt, dass es auf dem deutschen Markt so gut wie keine Zeitschriftenangebote für Kinder gab“, so Verg. Das war die Geburtsstunde für das heutige Konzept von „Geolino“. Mittlerweile wurde „Geolino“-Familie noch um „Geomini“, ein Magazin für Kinder ab fünf Jahre und das als monothematische Ausgabe aufgebaute „Geolino Extra“ ergänzt.

Ähnlich wie bei Biallas und seinen Kollegen der „Mitteldeutschen Zeitung“ (MZ) sei der Start von „Geolino“ von learning by doning, „oder um ehrlich zu sein, von try and error“ geprägt gewesen, gestand Verg. Denn viele preisgekrönte Printjournalisten hätten sich schwer damit getan, einfach, prägnant und beschreibend die Nachrichten für Kinder aufzubereiten. Wie wichtig jedoch diese frühe und gezielte Heranführung von Kindern an Zeitungen und das Lesen ist, wusste BDZV-Pressereferentin Anja Pasquay zu berichten: „Die deutschen Zeitungen machen seit Jahrzehnten Zeitungsprojekte in den Schulen, auch um Schüler zu verantwortungsbewussten Lesern von morgen zu erziehen.“ Denn Lesekompetenz sei ein wichtiger Beitrag zu einer Gesamtmedienkompetenz. Eine Einschätzung, die auch Biallas teilte: „Kinder lesen viel zu wenig Nachrichten, und das ist schlecht.“ Deshalb sei „Galaxo“ sicher auch ein gutes Instrument der Leser-Blatt-Bindung, wie Biallas bestätigte, doch vor allem solle die Kinderzeitungen dazu dienen, dass die Kinder die Lust am Lesen für sich entdecke. „Was sie dann später lesen, ist mir egal. Hauptsache ist, sie lesen überhaupt noch etwas“, so Biallas ehrlich. print kinder 3

Um diesen Wunsch zu erfüllen, sei es jedoch wichtig, die Kindern und Jugendlichen dort abzuholen, wo sie viel Zeit am Tag verbringen. Und das ist neben der Schule vor allem das Internet. „Jeder Kinderzeitungsmacher hätte wohl gern ein schickes Portal wie das des Kinderkanals von ARD und ZDF. Doch dieser Wunsch scheitert an den finanziellen Möglichkeiten“, reflektierte Verg. Zwar würden viele größere Häuser bereits derartige Angebote vorhalten, „aber den größten Wunsch der Kinder, einen eigenen Chat auf den Zeitungwebsites einzurichten, können wir nicht erfüllen“, gestand Jürgen Drescher von Disney Publishing. „Eltern wollen ihre Kinder mit den Magazinen und Kinderzeitungen allein lassen können, und das auch in einem Chat. Deshalb müsste dieser moderiert sein, und das kostet sehr viel Geld“, fasste Biallas das Problem abschließend zusammen.

 

Internet: www.treffpunkt-mediennachwuchs.de

Ort: Leipzig

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