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07. April 2014 | Allgemeines

Grundlegender Transformationsprozess

Konferenz Chefredakteure: Von Datenjournalismus bis Native Advertising

„Unsere Branche befindet sich in einem grundlegenden Transformationsprozess", sagte der Herausgeber des „Handelsblatts", Gabor Steingart, bei der Konferenz Chefredakteure, die der BDZV und die ZV-Akademie am 25. und 26. März 2014 in Berlin veranstalteten.

Die Zukunft sei leuchtender, als die Branche das im Moment erwarte, „wir haben die besten Jahre noch vor uns", versicherte Steingart in sei­ner Keynote vor rund 50 Chefredakteurinnen und -redakteuren aus Deutschland und Österreich. Allerdings habe sich die Branche bisher zu sehr mit dem Trägermedium Papier identifiziert. Die Digitalisierung erlaube es, Inhalte vielfach zu verwerten, nicht nur online und als App, sondern zum Beispiel auch durch die Suche in Datenban­ken, den Verkauf einzelner Artikel, als thematisch fokussierte Magazin-Produkte oder auch bei Ver­anstaltungen. Das „Handelsblatt" nutze neben der gedruckten Ausgabe bis zu sieben weitere Verbreitungsformen, auf die Leser und Nutzer künftig durch die Erwerbung eines „Digitalpasses" zugreifen können. Die vielfache Verwertung sei im Übrigen nicht nur das Privileg einer Wirt­schaftszeitung, das funktioniere überall, auch bei regionalen und lokalen Titeln.

Einfacher Zugang mit einem Password für alles

Zuvor hatte Hans-Joachim Fuhrmann, Ge­schäftsführer ZV-Akademie und Mitglied der BDZV-Geschäftsleitung, darauf hingewiesen, dass - Stichwort Facebook, What's App, Twitter und Co. - der Kampf um Zeit und Aufmerksamkeit der Menschen immer härter wird. Zugleich hätten die Redaktionen dank der sozialen Netzwerke die Chance, mit ganz neuen Zielgruppen in Kontakt zu treten und ihre Inhalte auch über diese Kanäle auszuspielen. „Der Kern ist und bleibt Journalis­mus - auf allen Plattformen", betonte Fuhrmann. Noch nie hätten die Zeitungsmarken so viele Leser wie heute gehabt, gedruckt, online und mobil.

Wie die von Gabor Steingart geschilderte Vervielfachung von Inhalten auf regionaler Ebene aussehen kann, stellte Tilmann Distelbarth, Verleger der „Heilbronner Stimme", geradezu exemplarisch am Wandel seines Hauses zu einem integrierten Verlag vor. Alle Mitarbeiter der Redaktion arbeiten auch für die Online-Produkte. Seit September 2013 müssen die Leser dafür bezahlen, nur ein kleinerer Teil des Auftritts ist noch unentgeltlich zugänglich. Bereits im ersten Monat habe die „Heilbronner Stimme" 1.000 Digital-Abonnenten gewonnen, berichtete der Verleger, seither kämen monatlich konstant 80 bis 100 weitere Abonnenten hinzu. Die größte technische Herausforderung habe darin bestanden, den Login so zu gestalten, dass die Nutzer mit einem Password auf alle gewünschten Angebote zugreifen könnten. Überhaupt habe man unterschätzt, wie schwer sich der normale Leser mit dem Anmeldevorgang online tue, berichtete Distelbarth. „Bei der Usability können wir noch einiges verbessern."

„Regional first" in Kärnten

Auf dem Weg zum integrierten Verlagshaus befindet sich derzeit auch die vielfach preisge­krönte „Kleine Zeitung" aus Österreich, deren Chefredakteurin Kärnten, Eva Weissenberger, das Blatt als „Vollversorger" charakterisierte, mit dem jeder Leser sich täglich rundum informieren könne und das sich auch einmal acht Seiten Be­richterstattung zum Krim-Krieg leiste. Zugleich sei die „Kleine Zeitung" aber auch „Nahversorger", der die Leute „am Boulevard abholt", um sie dann in eine ganz andere Richtung zu führen. Leitlinie sei weniger „online first", sondern vielmehr „regi­onal first", wobei die Herausforderung darin be­stehe, die jungen Leser, die auch in Graz und Klagenfurt zunehmend weniger Lust auf ge­druckte Zeitungslektüre hätten, mit digitalen An­geboten zu erreichen. Die „Kleine Zeitung", die unter anderem für ihre intelligenten und aufmerk­samkeitsstarken Titelseiten bekannt ist, hat sich für das laufende Jahr einen rundum neuen Look verordnet: Geplant sind Relaunch bzw. Redesign von App, Online-Auftritt und Printausgabe, ein neuer Newsroom in Graz soll Anfang 2015 fol­gen.

Als weitere Experten der Konferenz Chefre­dakteure, die zum vierten Mal in Berlin veran­staltet wurde, kamen zu Wort: der Zeitungsdesig­ner Norbert Küpper (Meerbusch); die Medien­journalistin Barbara Geier (London); Katharina Borchert, Geschäftsführerin Spiegel online, und Jochen Wegner, Chefredakteur Zeit online (beide Hamburg); Peter Borchers, Gründer hub:raum, Constanze Buchheim, Gründerin i-potentials; und Holger Seim, Co-Gründer blinkist (alle Berlin); Marc Del Din, Geschäftsführer NWZ Digital (Ol­denburg); Tormod Udne, Digitalredakteur "Sunnmorsposten" (Alesund); Professor Joachim Blum, Medienberater (Düsseldorf); Lukas Kircher, KircherBurkhardt (Berlin) und Michael Nolting, Geschäftsführer NOW-Medien (Bielefeld), Jörg Dornemann, Geschäftsführer epubli (Berlin); Lars Hennemann, stellv. Chefredakteur "Allgemeine Zeitung" (Mainz), und Stefan Schröder, Chefre­dakteur "Wiesbadener Kurier", sowie Sven Gös­mann, Chefredakteur dpa (Berlin).

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