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30. November 2007 | Allgemeines

Grosso kritisiert Postpläne: „Zwangsbelieferung mit Meinungspresse“

Universität Leipzig mit Gutachten zu Gratiszeitungen in Europa

Deutliche Kritik an den Gratiszeitungsplänen der Deutschen Post AG hat jetzt auch der 1. Vorsitzende des Bundesverbands Presse-Grosso, Werner Schiessl, geäußert.

Es wäre äußerst problematisch, wenn die Post, bei der der Staat bekanntlich der größte Anteils­eigner ist, den Zugang zu 36 Millionen Briefkästen in Deutschland für die Verteilung einer Gratiszei­tung nutze. Dies wäre eine „Zwangsbelieferung mit Meinungspresse“, sagte Schiessl bei einer Veranstaltung der Stiftung Presse-Grosso am 26. November 2007 in Berlin.

Kritische Töne zur Verbreitung der Umsonst-Titel fand auch die kultur- und medienpolitische Sprecherin der SPD Bundestagsfraktion, Monika Griefahn, die den funktionierenden und vielfälti­gen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt in Deutsch­land würdigte. Dieser dürfe nicht dadurch gefähr­det werden, dass mit dem Erscheinen von Gratis­titeln Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements gekündigt würden.

Weltweit erscheinen Gratiszeitungen in 50 Län­dern mit einer Gesamtauflage von 40 Millionen Exemplaren. In Europa werden sie in 26 Ländern verteilt, hier machen sie gut 20 Prozent der Auf­lage aus. Wie sich die Gratiskultur auf die Pres­semärkte in Großbritannien, Dänemark, Schweiz, Österreich und Frankreich ausgewirkt hat, be­schrieb der Leipziger Kommunikationswissen­schaftler Michael Haller. Nachfolgend einige Kernergebnisse seines im Auftrag der Stiftung Presse-Grosso erstellten Forschungsgutachtens („Die Gratis-Tageszeitung auf dem europäischen Pressemarkt – Marktentwicklung und Perspekti­ven“): Gratiszeitungen funktionieren nur in Bal­lungsräumen mit hohem Verkehrsaufkommen. In der Kernzielgruppe der 20- bis 35-jährigen Be­rufstätigen erreichen die Blätter auch viele Zei­tungsabstinenzler. Dass die etablierten Zeitungen mit dem Erscheinen von Gratistiteln zwangsläufig Leser verlieren, wird in dem Gutachten nicht be­stätigt. Offensichtlich ist dabei die Qualität der jeweiligen Zeitungsprodukte im Markt entschei­dend. Dass es auch bei den Gratiszeitungen große Qualitätsunterschiede gibt, machte Haller deutlich. Das Produkt „Metro“ (der größte Anbie­ter am Markt und in zehn europäischen Ländern vertreten) bezeichnete der Wissenschaftler als „Billigprodukt“ mit geringem journalistischen An­gebot und stattdessen viel PR. Dagegen sei die Gratiszeitung „20 Minuten“ (Frankreich, Schweiz, Spanien) weitaus anspruchsvoller und professio­neller gemacht. Dies gehe freilich mit einem hö­heren Kostenaufwand einher.

Notwendig für eine Refinanzierung von Gratis­zeitungen ist nach Hallers Erkenntnissen der na­tionale Auftritt als Werbeträger. Drei bis vier Jahre dauert es bis zum Break-even. Für meh­rere Gratiszeitungen nebeneinander in einem Markt ist kaum Platz. Wenig überraschend ist die Erkenntnis, dass das Erscheinen der Umsonsttitel zu enormen Einbrüchen im Anzeigengeschäft der bezahlten Zeitungen führen kann. So gingen die Werbeerlöse der etablierten Titel in Frankreich von 2004 bis 2007 um 30 Prozent zurück, wäh­rend die Gratisblätter deutlich zulegten. Haller sieht Gratiszeitungen als Übergangsmedien. In zehn bis 15 Jahren, so seine Prognose, würden sich die Leistungsstärksten und Besten zu be­zahlten Zeitungen mit entsprechenden Online- und Mobilangeboten entwickeln. Der Rest würde zurückfallen auf das Niveau von Anzeigenblät­tern.

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