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25. Juli 2008 | Digitales

Google News wächst nur langsam

Verlage sehen Angebot zwiespältig: Traffic-Zulieferer oder Konkurrent?

Das News-Angebot von Google kann bislang nicht an den allgemeinen Erfolg des Unternehmens anknüpfen. Während Verlage sich darüber beklagen, dass Google News ohne zu bezahlen von Zeitungsinhalten profitiert, ist der Konzern mit seinem Nachrichtenservice längst nicht so dominant wie in anderen Bereichen. Sechs Jahre nach dem Start kämpft Google News in den USA hart mit seinen Wettbewerbern, so ein Bericht der „New York Times“. Medienexperten sehen wenig Weiterentwicklung des Nachrichtenportals, vor allem im Vergleich zu anderen Angeboten des Konzerns.

Auch das Wachstum des News-Angebots schreitet nur langsam voran. Laut Nielsen-Erhebungen kam Google News mit 11,4 Millionen Nutzern im Mai in den USA nur auf Rang acht der Nachrichten-Plattformen und blieb weit hinter Konkurrenten wie Yahoo News - mit 35,8 Mio. Besuchern auf Platz eins - zurück. Auch die Wachstumsrate der vergangenen zwei Jahre ist mit zehn Prozent deutlich flacher als jene von anderen großen News-Webseiten. So konnten beispielsweise sowohl cnn.com als auch die „New York Times“ im Internet weitaus deutlicher zulegen.

Zeitungsverlage sehen das Google-News-Portal hierzulande gespalten. Zwar fördert Google News die Markenbekanntheit und sorgt für Traffic auf der Zeitungswebsite. Experten schätzen den Anteil des Traffics, den Nachrichtenseiten über Google generieren, auf bis zu 30 Prozent. Dieser Traffic fließt den Verlagen kostenlos zu, ohne dass Marketingausgaben getätigt werden müssen.Bild Google Andererseits profitiert das Newsportal kostenlos von fremden Inhalten. Der Newsdienst durchforstet automatisiert Online-News von Zeitungsportalen und generiert daraus Übersichten mitsamt Bildern und Kurzzusammenfassungen, ohne die Verlage zu fragen oder zu entschädigen.

Nach einer Klage belgischer Zeitungen entschied im September 2006 ein belgisches Gericht, dass Google die Inhalte aus seinem Angebot entfernen muss. In der Vergangenheit hatten sich auch die Nachrichtenagenturen Associated Press (AP) und Agence France-Press (AFP) jahrelang mit Google um das Urheberrecht an Agenturmeldungen und Bildern gestritten und sich schließlich auf ein Lizenzmodell für die Nutzung der Inhalte geeinigt. Seit 2007 präsentiert Google Meldungen der Nachrichtenagenturen AP, AFP, UK Press Association und Canadian Press auf einer Unterseite seines News-Angebotes. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hatte Googles Kooperationsangebot stets abgelehnt. Doch auch hier scheint Bewegung in die Sache zu kommen. dpa-Geschäftsführer Malte von Trotha schließt eine Zusammenarbeit mit Google nicht mehr aus: "Früher oder später werden wir sicher mit Google zusammenarbeiten", sagte von Trotha im Interview mit dem Online-Mediendienst turi2.tv.

Verlage, die Google News als Traffic-Bringer gezielt nutzen wollen, haben auch ihre Probleme mit dem Dienst. Nach Ansicht von Domenika Ahlrichs, Chefredakteurin der „Netzeitung“, ist das System intransparent, man kenne nicht die Kriterien, nach denen etwas in der Trefferliste ganz nach oben gespült werde. Google antworte auch nicht auf kritische Nachfragen, nicht einmal per Mail, beschwerte sich Matthias Urbach von taz.de beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland.

Die Verlage, denen Google News weiterhin ein Dorn im Auge ist, haben seit Anfang des Jahres 2008 eine neue Möglichkeit, das Indexieren der eigenen Inhalte durch Google zu reglementieren. Auf Initiative des Weltzeitungsverbandes WAN wurde mit ACAP (Automated Content Access Protocol) ein offener Standard entwickelt, der Zeitungswebsites die Kontrolle darüber geben soll, wie Suchmaschinen mit ihren Online-Inhalten umgehen soll. So erlaubt es ACAP beispielsweise, den Veröffentlichkeitszeitraum festzulegen. Auch können Vorgaben gemacht werden für das Weiterverkaufen oder –verwerten von Inhalten. Dies setzt allerdings voraus, dass sich Suchmaschinen an diesen Standard halten, doch bislang hat keiner der großen Suchmaschinenbetreiber Unterstützung signalisiert.

Google News wandert auf die Landkarte

In den USA hat Google seinen News-Dienst jetzt mit Google Earth vernetzt. In Google Earth lassen sich seit Mai 2008 auch ortsabhängig Inhalte von Google News anzeigen, so dass man die aktuellen Nachrichten eines Ortes oder einer Gegend erfahren kann. Kleine Zeitungssymbole werden dabei auf der Erdoberfläche von Google Earth angezeigt, hinter denen sich jeweils aktuelle Nachrichten verbergen. Ein Klick auf ein Icon öffnet ein kleines Fenster mit einem Textausschnitt sowie der Nachrichtenquelle. Dazu werden derzeit rund 4.500 Nachrichtenquellen angezapft. Vorerst steht diese Neuerung nur in der englischsprachigen Ausführung von Google Earth zur Verfügung. In Deutschland sollen aber bereits Nachrichten verschiedener Online-Dienste gezielt für die Einbindung vorbereitet werden, berichtete der Branchendienst "Xonio".

Auch Zeitungsverlage experimentieren bereits mit einer Navigation über Landkarten. Mit dem Start des Portals DerWesten.de Ende Oktober 2007 wurde erstmals das sogenannte Geotagging auf einer Zeitungswebsite eingeführt. Nachrichten, Veranstaltungen und die Onlineaktivität anderer Nutzer werden hierbei über Landkarten angezeigt. So kann jeder Leser nach eigenen Auswahlkriterien erkennen, was gerade in seiner Umgebung passiert. Die Karten stammen von der Essener Firma klicktel.

Die Südwest Presse (Ulm) hat die kartenbasierte Newsabfrage ebenfalls zu einem festen Bestandteil ihres Angebots gemacht. Seit April 2008 werden unter der Adresse www.swp.de basierend auf einer Kartendarstellung der Region Ulm und Neu-Ulm, lokale Nachrichten und Veranstaltungshinweise geokodiert dargestellt. Die Karten stammen von der YellowMap AG, für die kommunalen Inhalte wird mit der Stadt Ulm kooperiert. Dass die kartenbasierte Darstellung auch für die Vermarktung von Firmeneinträgen oder Produktangeboten genutzt wird, ist naheliegend: „Aufgrund der deutlichen Ausrichtung auf die Region bietet www.swp.de eine Vielzahl neuer Vermarktungsmöglichkeiten, die vor allem für regionale und lokale Werbetreibende sehr attraktiv sind. So gehen wir fest davon aus, das Portal bereits im ersten Jahr refinanziert zu haben“, sagt Thomas Brackvogel, Geschäftsführer des Verlags Neue Pressegesellschaft mbH & Co.KG.

Angriff auf das lokale Anzeigengeschäft

Das Geschäftsmodell von Google News bleibt hingegen nebulös. Auf der Website finden sich bislang keine Werbeanzeigen. Es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass der Internetkonzern daran arbeitet, direkt über Google News Geld verdienen zu wollen. Vorsorglich hatten amerikanische und europäische Zeitungen in der Vergangenheit Bedenken für den Fall angemeldet, dass Google seine News mit Werbeanzeigen versieht, also mit der Präsentation fremder Inhalte Geld erwirtschaftet Kritiker des News-Angebots sehen diesen Fall bereits eingetreten, denn die Nutzer könnten per Mausklick vom werbefreien Google-News-Dienst problemlos auf die Suchseite wechseln, wo Werbung präsentiert werde. Google News sei gleichsam ein Marketinginstrument für die allgemeine Suchseite.

Dass Google auf seiner allgemeinen Suchseite stärker in die lokale Vermarktung drängt, scheint ausgemachte Sache zu sein. Im Fokus stehen kleine und mittlere Unternehmen, die vor allem in lokalen Märkten tätig sind und bisher in Branchenbüchern wie den Gelben Seiten oder lokalen Anzeigenblättern geworben haben. Insgesamt geben deutsche Firmen jährlich rund 1,2 Milliarden Euro für Werbung in Verzeichnismedien aus. Noch fließen die Budgets überwiegend in Printobjekte. Geht es nach Google, sollen sich diese Gelder künftig stärker in Richtung online - und hier ins eigene Angebot - verlagern. Immer häufiger suchen die Verbraucher im Internet anstatt in gedruckten Verzeichnissen nach dem nächsten Klempner, Arzt oder Steuerberater. Google lässt die eigenen Anzeigenplätze künftig vom Münchener Unternehmen Telegate mit vertreiben. 400 Vertriebsmitarbeiter werden Anzeigen für die Telegate-Branchenverzeichnisse 11880.com, Klicktel und Google verkaufen. Google hatte bereits Ende 2006 mit „Google lokale Anzeigen“ und „Google Maps Branchencenter“ zwei Anläufe unternommen, spezielle Online-Werbemöglichkeiten für lokale Werbetreibende zu schaffen. Offenbar ist dieser Markt schwer zu erschließen, da die Anzeigenkunden nicht von alleine kommen, sondern mühsam angerufen werden müssen. Positiv an der Kooperation kann aber auch gesehen werden, dass Google die Online-Werbung für kleinere und mittlere Unternehmen insgesamt populärer machen wird, wovon auch die Zeitungswebsites profitieren können.

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