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27. August 2003 | Digitales

Google mit deutschsprachigem News-Angebot

Bundesgerichtshof: „Deep Links“ grundsätzlich zulässig / Suchmaschinenvermarkter setzen 1,8 Milliarden Dollar um

Seit Anfang Juli 2003 gibt es das Nachrichtenangebot der weltweit größten Suchmaschine Google auch auf deutsch. Google News (news.google.de) kommt ganz ohne Redakteure aus. Auf Basis seiner Suchmaschinentechnologie durchsucht Google die Webseiten von rund 700 deutschsprachigen Nachrichtenangeboten und filtert anhand eines Algorithmusses die wichtigsten Nachrichten heraus. Der Nutzer hat die Möglichkeit, per Link zu den Berichten verschiedener Medien zu einem Thema zu gelangen.

Die Nachrichten auf Google News sind in sieben Rubriken unterteilt: International, Deutschland, Wirtschaft, Wissen/Technik, Sport, Unterhaltung und Gesundheit. Neben den Überschriften und zwei bis drei einleitenden Sätzen der Quellen werden oft auch verkleinerte Fassungen von dazugehörigen Fotos gezeigt. „Wir machen Medien keine Konkurrenz. Wir agieren als Mittler zwischen den Informationssuchenden und dem Informationsanbieter“, sagt dazu Michael Schmitt, technischer Leiter von Google News.

 

Über die Funktionsweise des Algorithmusses hüllt sich Google in Schweigen. Relevant scheinen aber die Häufigkeit der Berichterstattung sowie der Zeitpunkt, wann Google eine Meldung findet. Dies kann mitunter aber auch dazu führen, dass Google eine Quelle „vor 55 Minuten gefunden“ hat, obwohl sie fast schon ein Tag im Netz steht. Auch die Ausführlichkeit eines Artikels scheint hinter die scheinbare Aktualität zurück zu treten. Kritiker werfen Google News auch vor, dass die Bedeutung von Haupt-Nachrichten gestärkt und so ein „Herdenjournalismus“ befördert werde.

 

Kritisch betrachtet werden muss auch, dass Google News durch die Verlinkung direkt auf die Artikel unter Umgebung der Homepage Traffic von den Nachrichtenseiten abzieht und somit die Werbevermarktung behindert. „Google bewegt sich schon hart an der Grenze, wo man sagen muss: Die verdienen Geld mit Arbeit anderer Leute“, so Jürgen Kuri vom Computer-Nachrichtendienst Heise online. „Sie führen uns aber auch Leser zu“, bringt er den Zwiespalt auf den Punkt.

 

Dass die Verlinkung direkt auf einen Artikel unter Umgebung der Homepage rechtmäßig ist, hatte erst jüngst der Bundesgerichtshof entschieden. Hierdurch würden weder Urheberrecht noch Erwerbsrechte verletzt. Suchmaschinen und direkte Links müssten grundsätzlich akzeptiert werden, wenn sie öffentlich zugängliche Informationsquellen ausschöpften. Einschränkungen, die sich aus dem „Allgemeininteresse an der Funktionsfähigkeit des Internets“ ergeben, müssten hingenommen werden. Ohne Suchmaschinen lasse sich das Internet gar nicht sinnvoll nutzen, so der BGH. Gleichwohl kann sich jeder Online-Anbieter vor der Durchsuchung durch Google und andere Suchmaschinen schützen. Durch einen entsprechenden Eintrag in der Datei robots.txt im Stammverzeichnis des Servers kann dem Suchroboter von Google gesagt werden, welche Teile des Online-Angebots durchsucht werden dürfen und welche nicht. Ausführliche Informationen hierzu finden sich unter www.robotstxt.org.

 

Problematische Cache-Funktion

 

Auch eine andere Funktion von Google steht derzeit in der Kritik. In seinen Trefferlisten bietet Google unter dem Begriff „im Cache“ Schnappschüsse von Websites von dem Moment an, an dem Google die Seite durchsucht hat. Hintergrund für diese Funktion – die laut Google nicht besonders oft genutzt wird – ist, dass der Kunde die Trefferseite auch dann sehen können soll, falls die Originalseite im Internet gerade nicht erreichbar ist. Problematisch ist aber, dass mitunter auch inzwischen kostenpflichtige Artikel kostenlos zugänglich gemacht werden (beispielsweise wenn ein Artikel nicht mehr auf der kostenlosen Website, sondern nur noch im kostenpflichtigen Archiv verfügbar ist). Kritisch kann auch sein, wenn falsche oder heikle Informationen, die auf der Originalseite bereits richtig gestellt oder gelöscht wurden, über den Cache weiter abrufbar sind. Verbraucherschützer und Copyright-Anwälte in den USA erwarten, dass entsprechende Fälle in absehbarer Zeit vor Gericht kommen.

 

Boom bei Suchmaschinen-Vermarktung

 

Google refinanziert sich – neben der Lizenzierung seiner Technologie an andere Portale wie AOL – hauptsächlich durch den Verkauf von so genannten „gesponsorten Links“. Dabei werden Suchbegriffe an Werbekunden verkauft. Sobald ein Nutzer diesen Suchbegriff eingibt, erscheinen neben der Ergebnisliste entsprechende Werbeeinblendungen. Wie groß dieser Markt ist, zeigt eine Studie des US-Bankhauses Piper Jaffray Equity. Demnach wurde im Jahre 2003 insgesamt 1,8 Milliarden Dollar mit der Suchmaschinenvermarktung umgesetzt. Im Jahr 2007 sollen es 7 Milliarden Dollar sein. Damit wäre die Vermarktung von Suchmaschinen das am schnellsten wachsende Geschäftmodell im Internet. Das nicht börsennotierte Unternehmen Google ist mit einem geschätzten Umsatz von 294 Millionen Dollar im Jahr 2002 der zweitgrößte Suchmaschinenvermarkter. Auf Platz eins liegt das Unternehmen Overture mit einem Umsatz von 667 Millionen Dollar. Dieses wiederum wurde inzwischen von Yahoo übernommen, das gleichzeitig seinen Lizenzvertrag mit Google gekündigt hat. Der Kaufpreis liegt bei 1,63 Milliarden Dollar.

 

Quellen: kressreport vom 18. Juli 2003, Die Welt vom 26. Mai 2003, Süddeutsche Zeitung vom 19. Juli 2003, orf.at vom 11. Juli 2003, Tagesspiegel vom 19. Juli 2003, Netzeitung vom 10. Juli 2003, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. Juli 2003

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