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06. Juni 2008 | Allgemeines

Gebührenfinanzierte Wettbewerber im Netz stören

BDZV-Präsident Heinen beim na-media coffee in Köln

„Wir werden in Zukunft unsere Erlöse zunehmend im Netz erwirtschaften müssen. Und da stört es mich schon, dass wir dort auf einen Wettbewerber treffen, der anders als die Verlage gebührenfinanziert ist." Mit diesen Worten machte BDZV-Präsident Helmut Heinen am 27. Mai 2008 beim media-coffee der dpa-Tochter news aktuell in Köln den Standpunkt der Verlage gegenüber den weitreichenden Internetplänen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks deutlich.

Hans Demmel (GeschHans Demmel (GeschVor mehr als 150 Pressesprecher, PR-Fach­leute und Journalisten erläuterte Heinen anläss­lich der Diskussionsrunde unter dem Motto „Im Sog des Internets - Was bleibt übrig von Print, TV und Radio?", dass ihm und dem Verlegerver­band besonders die textliche Berichterstattung der Sendeanstalten im Netz ein Dorn im Auge ist. „Jeder muss nicht alles machen im Internet. So muss auch der WDR keine langen Textbeiträge ins Netz stellen", meinte Heinen.

Zustimmung erhielt der BDZV-Präsident von Frank Thomsen, Chefredakteur von stern.de, der sich ebenfalls kritisch gegenüber den Rundfunk­anstalten äu­ßerte. „Warum stellt die ARD denn zum Beispiel an einem Abend zehn lange Texte über die Zweite Bundesliga ins Netz? Es geht einfach darum, im Internet auch Text zu machen. Es ist eine Verschleierung, was da auf Seiten der Öf­fentlich-Rechtlichen momentan stattfindet." Ähn­lich argumentierte n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel, der den öffentlich-rechtlichen Anbietern vorwarf, ihren gesetzlichen Auftrag falsch zu interpretieren. „Die Öffentlich-Rechtlichen vertre­ten die Position 'Wir können alles, wir dürfen al­les'."

Jochen Rausch, Programmchef bei Eins Live und stellvertretender Hörfunkdirektor beim WDR, zeigte einerseits Verständnis für die Haltung der privatwirtschaftlich organisierten Medienunter­nehmen, appellierte aber andererseits an die vielen Gemeinsamkeiten, die die klassischen Medien hätten. „Die wirklichen Konkurrenten im Netz sind neue Player und Angebote - nicht die Verlage. Die sehe ich ebenfalls als klassische Medien mit uns auf einer Linie. Schauen Sie sich doch mal web.de an: Die haben auch Nachrichten und werden ihr Geschäftsmodell auch weiter ent­wickeln. Die Diskussion über die Kooperation zwischen WDR und WAZ halte ich deshalb für antiquiert." Ulrich Reitz, Chefredakteur der West­deutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), stimmte Rausch weitgehend zu. Sein Blatt beabsichtigt, in Zukunft Beiträge des WDR auf dem eigenen Internetangebot derWesten.de zu zeigen. „Die Diskussion ‚Darf die WAZ das?' fand ich skurril. Ich halte die Debatte für überschätzt. Die Ent­wicklung bei Bewegtbildern wird bald insgesamt deutlich schneller voran kommen, als wir das zurzeit beobachten können. Wenn man aber als Verlag für Bewegtbilder parallel zur Lokalredak­tion ähnliche Strukturen aufbauen will, dann ist das nicht zu bezahlen. Die Lokalredaktion ist das teuerste, was wir haben. Und das in zweierlei Sinn."

Überhaupt wurde deutlich, dass kein Medien­macher mehr das Internet als Konkurrenz oder gar Bedrohung empfindet. „Der Erkenntnisstand bei G+J in der gesamten Diskussion ist sehr weit. Wir sind uns sicher: Das Internet bedroht nicht den Journalismus, sondern es beflügelt ihn", un­terstrich Frank Thomsen von stern.de. Ähnlich zuversichtlich sah es Blattmacher Ulrich Reitz von der „WAZ“: „Das Internet ist ein Zapping-Medium. Wenn wir beim Zeitungskonsum die Kultur des Sich-Einlassens, der Opulenz, des Sich-Zeit-Nehmens verlieren, dann haben wir als Printver­lage ein Problem. Aber ich bin optimistisch: Wir werden das nicht verlieren." Auch Hans Demmel von n-tv sieht der Zukunft gelassen entgegen: „Jedes einzelne Medium hat seine eigene spezifi­sche Bedeutung. Das Nachrichtenfernsehen zum Beispiel bietet eine bestimmte Vorauswahl: An­dere Menschen machen sich die Mühe, Nach­richten zu sammeln oder zusammenzustellen. Ich glaube an die ‚Couch Potatoes', die sich einfach nur berieseln lassen wollen."

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