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04. April 2005 | Allgemeines

Fußball-WM 2006: Zeitungsverleger fordern bessere Rahmenbedingungen

FIFA-Präsident Josef S. Blatter beim Präsidentreffen der deutschsprachigen Verlegerverbände

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wird für die Zeitungen eines der wichtigsten Ereignisse des kommenden Jahres sein. Insbesondere an den Austragungsorten, aber auch landesweit bereiten die Verlage bereits jetzt entsprechende Aktivitäten vor. Kritik gibt es allerdings an den vielfach äußerst restriktiven Bedingungen der FIFA. Darüber diskutierten die deutschen Zeitungsverleger mit FIFA-Präsident Josef S. Blatter anlässlich des Präsidientreffens der deutschsprachigen Verlegerverbände am 31. März und 1. April 2005 in Lech am Arlberg.

Die Mitglieder der BDZV-Delegation monierten insbesondere die geplanten späten Anstoßzeiten von 21.00 Uhr. Zeitungen, die tagesaktuell über die Ergebnisse berichten wollten, müssten organisatorisch und logistisch enormen Aufwand betreiben, um dies noch bis zum Andruck zu bewältigen. Berichte über Verlängerungen oder gar Elfmeterschießen wären unter normalen Bedingungen nicht möglich. BDZV-Präsident Helmut Heinen machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die deutschen Zeitungen mit ihrer intensiven Berichterstattung von der Bundesliga bis hin zu den lokalen und regionalen Fußballvereinen jedes Wochenende überhaupt erst für die breite Akzeptanz und Begeisterung in der Bevölkerung sorgten, von denen Großereignisse wie die Weltmeisterschaft dann profitierten. BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff wies darüber hinaus auf Bestimmungen der FIFA hin, wonach Embleme (wie auch das Maskottchen) auch redaktionell nur sehr restriktiv eingesetzt werden dürfen. Verbote gelten etwa für den Einsatz auf der Titelseite der Zeitungen oder bei Gewinnspielen.

 

Der einstmals selbst als Journalist tätige FIFA-Präsident zeigte sich von den restriktiven Bedingungen für den Einsatz der WM-Embleme sehr überrascht und sagte zu, sich persönlich für eine Lockerung zu verwenden. Blatter machte deutlich, dass das Gelingen sportlicher Großereignisse wie der Fußball-Weltmeisterschaft auch von der Stimmung im Gastgeberland abhänge. Hierbei spielten die Zeitungen eine außerordentlich wichtige Rolle. Diese Stimmung vermittle sich über die Medien auch an die Zuschauer im Ausland: Im Vergleich zur Olympiade werde mit einer Fußball-Weltmeisterschaft ein Vierfaches der Zuschauer erreicht. Blatter warb für Verständnis, dass nicht alle Akkreditierungswünsche von Journalisten erfüllt werden könnten.

 

Ein zweiter Schwerpunkt des traditionellen Erfahrungs- und Meinungsaustauschs der Präsiden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol war die wirtschaftliche Situation auf den Zeitungsmärkten. Hier ging es insbesondere um die Entwicklung bei den Gratiszeitungen und den Tabloid-Ausgaben der Zeitungen. Die Vertreter des Europäischen Zeitungsverlegerbands ENPA berichteten darüber hinaus über die Situation der Werbeverbote auf EU-Ebene.

 

Über „neue Herausforderungen an die Zeitungsmacher in einem veränderten Umfeld“ sprach Meinungsforscher Rüdiger Schulz vom Institut für Demoskopie Allensbach. Sein Vortrag „Was will das Publikum?“ beschäftigte sich insbesondere mit Wünschen der Jugendlichen und jungen Leser und daraus folgenden Empfehlungen für die Zeitungen. Danach gibt es qualitative Veränderungen der Mediennutzung. Denn durch die Fülle der Optionen im Medienangebot werden die Nutzer mobiler, die Titel (oder Programm-)treue nimmt ab. Die Nutzung wird selektiver und ist von erkennbarer Ungeduld geprägt. Rezeptionsvorgänge werden unter- oder abgebrochen, eine komprimierte Darstellung wird bevorzugt. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Orientierung, Überblicksinformation und klarer Themenführung. Die Simultannutzung verschiedener Medien nimmt zu. Und durch die Ausbreitung des Internets wird die Aufgabenteilung zwischen den Medien neu definiert, entsprechend der jeweiligen „Medienbegabung“. Als wichtige Argumente für das Zeitunglesen, die auch von Jugendlichen geteilt werden, nannte Schulz unter anderem, dass das Lesen zeitlich und örtlich ungebunden ist. Dagegen geben überdurchschnittlich viele 16- bis 29-Jährige als Argumente gegen das Zeitungslesen an, dass oft Überflüssiges enthalten sei, was sie nicht interessiere, beziehungsweise dass alles, was für sie wichtig sei, auch auf anderem Weg zu erfahren sei. Dies sehen die älteren Altersgruppen deutlich anders.

 

Schulz’ Fazit: Printmedien seien auch bei Jugendlichen und jungen Leuten keineswegs „out“, sie müssten allerdings die Themeninteressen der Jüngeren und ihre veränderten Rezeptionserwartungen besser befriedigen. So reiche ein primär optischer Relaunch einer Zeitung nicht aus, um auch junge Leute stärker zu erreichen, vielmehr müssten auch die Inhalte optimiert werden. Dann könne es gelingen, den Lebenszyklus der Gattung Printmedien deutlich zu verlängern, etwa durch innovative Printangebote, die Mehrwert anbieten. Schulz nannte in diesem Zusammenhang „Juniorzeitungen“ (für unter 40-Jährige), die kompakten Überblick und Orientierung verbinden mit individualisierten Vertiefungsangeboten. Gleichzeitig sollten die medienpädagogischen Bemühungen in den Schulen eher noch verstärkt werden, damit hier Kinder und Jugendliche „den Mehrwert der Zeitungslektüre unmittelbar erleben könnten“.

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