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04. Dezember 2013 | Kinder-Jugend-Zeitung

Früh übt sich – Wie Zeitungen junge Leser gewinnen

Von Anja Pasquay

Mehr Kinder und Jugendliche für Zeitungen zu begeistern, das gehört derzeit zu den größten Herausforderungen für die Verlage. Dabei hat sich eine Erkenntnis durchgesetzt: Erst in weiterführenden Schulen mit medienpädagogischen Projekten zu starten, ist zu spät. Deshalb verstärken die Zeitungen ihr Engagement im Vorschul- und Kindergartenbereich massiv, um frühestmöglich Spuren im Kopf der Kleinen zu hinterlassen.

BK4213Wenn derzeit über redaktionelle Aktivitäten der Zeitungen für die jungen Zielgruppen gesprochen wird, kommen die Neuigkeiten vor allem aus dem Bereich für Kinder. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen muss man hingegen nach neuen Angeboten insbesondere in den gedruckten Ausgaben deutlich länger suchen. Ausnahmen wie die wöchentliche Seite „jetzt“ in der „Süddeutschen Zeitung“ (München) bestätigen die Regel.

Tatsächlich wenden sich fast alle „Leuchtturmprojekte“ deutscher Zeitungshäuser, die in den zurückliegenden zehn Jahren national oder sogar international Lob und Anerkennung gefunden haben, an die Gruppe der Sechs- bis Zehnjährigen – oder sogar an Vorschulkinder. Zu nennen wäre da etwa die Kinder-Uni des „Tübinger Tagblatts“, die mittlerweile weltweit Nachahmer gefunden hat. Das Medienhaus Bauer in Marl ging erstmals mit einem Leseförderungsprojekt in die Kindergärten und inspirierte damit Verlage landauf, landab zu pädagogischen Angeboten für Vorschüler, die zwar vielleicht noch nicht lesen, aber mit einer gedruckten Zeitung trotzdem wunderbar spielen und lernen können.

Der „Hellweger Anzeiger“ in Unna war der Erste, der täglich eine ganze Seite für Kindernachrichten freiräumte und die zwischenzeitliche Stabilisierung der Auflage unter anderem auf dieses besondere Angebot für junge Familien mit Schulkindern zurückführte. Fast parallel startete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) ihren Kindernachrichtendienst mit einem täglichen Angebot an Artikeln, Schaubildern und Online-Beiträgen für Sechs- bis Zwölfjährige, das in dieser Form international einzigartig ist.

Auch der Medienführerschein Presse, den Dritt- und Viertklässler an bayerischen Schulen dank der Zusammenarbeit des Verbands Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) mit dem bayerischen Kultusministerium erwerben können, hat eine ungewöhnliche Komponente: Gab es bis dato schon im Rahmen verschiedener Grundschulprojekte den „Lesepass“, der Kindern die erworbene Lesekompetenz abschließend bescheinigte, so endet der Medienführerschein Presse mit einem Test. Durchfallen ist wie beim Erwachsenen-Vorbild möglich. Dann muss das Kind noch einmal ran, ganz wie bei den Großen.

Bemerkenswerterweise verbinden sich mit dem Begriff des „Führerscheins“ zusätzlich positiv konnotierte Elemente wie beispielsweise Mobilität und selbstständig navigieren zu können. Beides sind Kompetenzen, die in der zunehmend digitalen Medienwelt auch für Kinder
immer wichtiger werden.

Verlage investieren in Jugendwebsites

Zu beobachten ist, dass die deutschen Zeitungen ihr redaktionelles Angebot für Kinder quantitativ deutlich ausgeweitet haben. Eine Umfrage von BDZV und jule aus dem Februar 2013 zeigt, dass 77 Prozent der teilnehmenden Verlage mittlerweile eine Kinderseite veröffentlichen. Ein Drittel publiziert Kindernachrichten. Eine eigene Kinderzeitung legen wöchentlich oder monatlich 19 Prozent der Verlage bei und 23 Prozent sind auch online speziell für die jüngste Zielgruppe da.

Gegenüber der letzten Umfrage aus dem Jahr 2006 bedeutet dies einen Zuwachs um 20 Prozent bei Kinderseiten und Kindernachrichten, der Online-Bereich wuchs um 17 Prozent. Während bei Kindern die gedruckte Zeitung als Trägermedium deutlich im Vordergrund steht, haben sich bei den Zeitungsinhalten für Jugendliche und junge Leute die Akzente verschoben: Hier sollen immer häufiger Online-Inhalte statt Jugendseiten zum Surfen durch Nachrichten, Unterhaltung und Informationen anregen. Hatten 2006 noch rund 70 Prozent der Verlage eine eigene Jugendseite, waren es Ende 2012 nur noch 54 Prozent. Eine eigene Jugendwebsite bieten 24 Prozent an (2006: 18 Prozent).

55 Prozent der Kinder- und Jugendangebote erscheinen mittlerweile täglich. Enorm zugelegt haben aber auch die pädagogischen Projekte der Zeitungen. Aktuell bieten drei Viertel der Verlage (75 Prozent) Leseförderungsaktionen wie „Zeitung in der Schule“ an; 2006 waren es 66 Prozent. 63 Prozent offerieren „Zeitung in der Grundschule“ (2006: 34 Prozent). Und 17 Prozent gehen mit der Zeitung in den Kindergarten (2006: sechs Prozent).

Vergleichsweise neu sind Förderprojekte für Auszubildende. Allein 2012 hatten 41 Prozent der Verlage diese Maßnahme für Unternehmen und Betriebe und deren Auszubildende in ihrem jeweiligen Verbreitungsgebiet auf der Agenda.

Lesen als Schlüssel zum Schulerfolg

Der Blick über den Tellerrand, zu den Kinderzeitschriften, zeigt, dass das Interesse an altersgerechtem, periodisch erscheinendem Lesestoff unverändert hoch ist. Wie die im August 2013 veröffentlichte KidsVerbraucher-Analyse (KidsVA) aus dem Berliner Egmont Ehapa Verlag zeigt, greifen drei von vier Kindern im Alter zwischen sechs und 13 Jahren regelmäßig zu Kindermagazinen. Der Wert blieb in den vergangenen Jahren stabil. Ferner ist laut KidsVA eine Erkenntnis aus der Erwachsenenwelt eins zu eins auf die junge Zielgruppe übertragbar: „Kinder, die Zeitschriften lesen, sind generell medial interessierter“, heißt es da.

Laut Studie nutzen Kinder mit mehrmaliger Zeitschriftenlektüre pro Woche zum Beispiel auch überproportional Bücher (126 bei einem Indexwert von 100), Hörspiele/Hörbücher (120) und Videofilme/DVD (118). Internet (104) und Computer (103) liegen kaum über dem Index. Hier nimmt zwar die Nutzung bei den Sechs- bis Neunjährigen leicht zu, doch erst die Zehn- bis 13-Jährigen gehen regelmäßig ins Internet: 89 Prozent geben an, täglich oder fast täglich online zu sein, was sicher auch mit dem Übertritt auf weiterführende Schulen und den Anforderungen des Unterrichts zu tun haben dürfte.

So sehr mit dem steigenden Alter die Begehrlichkeit der Kinder auf Handy und PC, Smartphone und Tabletcomputer steigt – Bücher sind vom Einzug des Digitalen in die Kinderzimmer bisher noch weitgehend ausgenommen: Nur zehn Prozent der befragten Sechs- bis 13-Jährigen lesen elektronische Bücher auf E-Reader oder Tablet-PC.

Sicherlich macht sich hier auch der Einfluss der Eltern noch stark bemerkbar. So berichte die Medienpädagogin Karin Viertel beim 3. Kindermedienkongress der Akademie des deutschen Buchhandels im November 2012 in München aus ihrer Beratungspraxis, dass bei Eltern bisher grundsätzlich eher Skepsis gegenüber digitalen Medien für Kinder herrsche, während Gedrucktes durchgehend positiv beurteilt werde. Ihr Resümee: „Eltern wissen, Leseerfolg ist gleich Schulerfolg.“

BK4313Frühkindliche Projekte ausweiten

So oder so ähnlich könnte das auch der Wiesbadener Neurowissenschaftler Professor Dieter F. Braus formulieren. Aus seiner Sicht liegen die größten und bisher weitgehend ungenutzten Chancen für die Verlage in frühkindlichen und vorschulischen medienpädagogischen Projekten. „Sie können gar nicht früh genug damit anfangen, Spuren zur Zeitung im Kopf der Kinder zu hinterlassen“, empfahl der Wissenschaftler bei der bereits erwähnten 8. BDZV-Konferenz „Kinder – Jugend – Zeitung“. Es sei ein sinnvoller Einsatz von Ressourcen, wenn Zeitungen noch intensiver als bisher in Programme wie Zeitung im Kindergarten und in der Grundschule investierten. Denn in diesem Alter seien die Kinder besonders aufgeschlossen für neue, herausfordernde Aufgaben. „Und die Zeitung ist eine spannende Herausforderung.“

Vor einem zu frühen Einsatz von elektronischen Medien warnte Braus dagegen nachdrücklich. Nach seiner Erkenntnis lernen Menschen am schnellsten nicht durch „Trial and Error“, sondern durch Beobachten, Imitieren und soziale Interaktion. So erlernten sehr kleine Kinder Sprache beispielsweise nicht durch elektronische Medien; diese nähmen sie nur als Beschallung und Rauschen wahr. Jede Stunde, die ein Kind, das jünger als 16 Monate ist, mit elektronischen Medien verbringe, führe zu einer „signifikanten Sprachverschlechterung“.

Ältere Kinder und insbesondere Jugendliche könnten jedoch durch elektronische Medien auch positiv stimuliert werden. Zu bedenken gelte es jedoch immer, dass Kinder unter 13 Jahren größte Schwierigkeiten hätten, virtuelle Realität, wie sie in Computerspielen abgebildet werde, und die reale Welt zu unterscheiden. „Man muss sich Gedanken machen, zu welcher Lebenszeit man Kindern und Jugendlichen was anbietet“, forderte der Wissenschaftler.

Irgendwann wird, auch das ist klar, den Eltern die Hoheit über die Inhalte, mit denen sich ihre Kinder beschäftigen (dürfen), aber mehr oder weniger offensiv aus der Hand genommen. Der Münchner Journalist Anatol Locker, der sich beruflich viel mit elektronischen Spielen beschäftigt, hat dafür eine Faustregel parat: Bei Kindern unter acht Jahren entscheiden die Eltern. Dann gehen die Kinder zunehmend online, und ab zwölf Jahren spielen sie Spiele, die sie nicht spielen sollten – also mit einer Altersbegrenzung für 16-/18-Jährige. 14-Jährige schließlich spielen, was sie wollen.

Der Aufsatz ist ein Auszug aus dem neuen BDZV-Jahrbuch „Zeitungen 2013/14“, das bei der ZV zum Preis von 26 Euro bestellt werden kann. Weitere Informationen finden Sie unter: www.zv-online.de

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Ort: Berlin

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