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02. März 2006 | Allgemeines

FIFA kommt Verlagen entgegen - Angebote reichen aber nicht aus

Fußball-Funktionäre stehen Zeitungen Rede und Antwort

Intensive Gespräche mit dem BDZV und eine immer lauter werdende Kritk in der Öffentlichkeit haben Wirkung gezeigt. Die FIFA hat noch in der Nacht zum Informationstag "Zeitungen und die FIFA-WM 2006" des BDZV am 23. Februar in Berlin ihre rigiden Medienrichtlinien überarbeitet und klarer gefasst. Bei der Verwendung der Marken - wie Logo, Maskottchen und Trophäe - im Redaktionellen ist künftig (fast) alles erlaubt. Auch die Akkreditierungsregelungen wurden geändert: Nun dürfen beispielsweise Fotos von den Zeitungen nicht erst zwei Stunden nach Abpfiff auch online gestellt werden, sondern direkt nach dem Ende des Spiels.

Gleichwohl machte sich Enttäuschung breit, als Markus Siegler, Direktor Kommunikation bei der FIFA, und seine Kollegen in der von BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff moderierten Veranstaltung von den Zugeständnissen des Fußballveranstalters an die gedruckte Presse berichteten. Die fast 150 eigens angereisten Chefredakteure, Sportredakteure, Marketing- und Vertriebschefs aus den BDZV-Mitgliedsverlagen hatten deutlich mehr Entgegenkommen erwartet, sind es doch die Zeitungen, die nicht nur bei international akklamierten Großereignissen, sondern auch bei lokalen und regionalen Wettkämpfen Tag für Tag, Jahr für Jahr die Begeisterung in der Bevölkerung für den Fußball wecken und pflegen.

IMG 0008 minDer BDZV appellierte daher auch an den Welt­fußballverband FIFA, die Gespräche über die Ausgestaltung der Akkredi­tierungsrichtlinien zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fortzusetzen und weitere Erleichterungen für die Zeitungen und deren Journalisten möglich zu machen. Zwar sei es erfreulich, dass die FIFA von ihrem ursprünglichen Plan abgerückt sei, Fotos für die Online-Angebote der Zeitungen erst zwei Stunden nach Spielende zur Veröffentli­chung freizugeben; doch auch eine Veröffentli­chung direkt nach dem Schlusspfiff reiche für eine professionelle Online-Berichterstattung nicht aus. Auch die von der FIFA geforderte Beschrän­kung auf eine bestimmte Anzahl von Fotos – fünf pro Spiel sowie je zwei pro Halbzeit bei Verlänge­rung – könne nicht das letzte Wort sein.

Die spielbegleitende Online-Berichterstattung für die Zeitungen sei umso wichtiger, machte der BDZV deutlich, da 28 Spiele erst mit der extrem späten Anpfiffzeit 21.00 Uhr stattfänden und nur wenige Verlage auch bei späten Andruckzeiten überhaupt die Chance hätten, noch rechtzeitig für die Ausgabe des nächsten Tages darüber zu be­richten. Der BDZV hob hervor, dass die Online-Angebote eine direkte Verlängerung beziehungs­weise Ergänzung der gedruckten Zeitung seien. „Unsere Journalisten müssen online ebenso frei und umfassend in Text und Bild berichten können wie in der gedruckten Zeitung“, verlangten die Zeitungsverleger. Der Verband hofft, dass die Gespräche mit der FIFA möglichst rasch fortge­setzt werden können.

Bei der Informationsveranstaltung des BDZV warb Siegler in der „Höhle des Löwen“ um Ver­ständnis dafür, dass nicht alle Akkreditierungs­wünsche aus Deutschland hätten berücksichtigt werden können. 1.100 Fotografen, 4.500 schrei­bende Journalisten sowie 9.000 Fernseh- und Hörfunkmitarbeiter würden im Sommer über die Spiele berichten. Rund 1.000 von ihnen arbeiten für deutsche Medien; mehr als 1.500 habe man jedoch absagen müssen. Siegler machte ferner deutlich, dass direkt nach dem Spiel die Priorität beim Fernsehen liegen müsse und wies diskret darauf hin, dass andere Veranstalter von Große­vents daran dächten, auch von der Presse Geld für die Berichterstattung zu verlangen. „Wir wollen das nicht.“

Im Redaktionellen ist (fast) alles erlaubt

IMG 0044Gelockert wurden die Medienrichtlinien, schon weil es nicht im Interesse der FIFA liege, dass jede Zeitung ihr eigenes Logo kreiert. So können Maskottchen, Logo und Trophäe zu redaktionellen Zwecken, insbeson­dere zur Kennzeichnung von Artikeln oder Be­richten und auch in Kopfzeilen zur spezifischen Kennzeichnung verwendet werden. Nicht verwen­det werden dürfen die Marken zu Werbezwecken, auf Produkten oder bei Wettbewerben, Preisaus­schreiben und Verlosungen. Dies machte Paul Ruschetti, Head of Marketing Services & Re­search bei der FIFA, klar. Die neu formulierten Richtlinien mit Stand vom 23. Februar 2006 sind abzurufen unter www.fifadigitalarchive.com. Alles, was der akkreditierte Journalist wissen muss, findet er im Media Channel auf der Homepage www.fifaworldcup.com und im so genannten Mediaguide, der allen Berichterstattern automa­tisch zugesandt wird. IMG 0065Gerd Graus, Pressespre­cher des nationalen Organisationskomitees der FIFA, wies in diesem Zusammenhang auch auf den Downloadbereich hin. Hier könnten im Foto­archiv bis zu fünf Aufnahmen kostenfrei herunter­geladen werden, ferner seien TV-Filme hinterlegt, die auch von Zeitungen für ihren Online-Auftritt genutzt werden könnten.

IMG 0286Kartengewinnspiele sind, dies stellte Gregor Lentze, Geschäftsführer der FIFA Marketing und TV Deutschland GmbH, klar, allein Recht der offiziellen Sponsoren. Sollten Zeitungen Karten verlosen wollen, könne dies nur nach dem „Hero“-Prinzip geschehen. Das heißt, dass der Sponsor-Partner immer „als Held“ im Vordergrund stehen müsse. Auf Erstaunen und Amüsement im Publi­kum stießen die von der FIFA geschützten Wort-Marken wie FIFA WM 2006, WM 2006, Fußball-WM 2006, Deutschland 2006, Talente 2006, etc. Es sei schon etwas tollkühn, einen Begriff wie „Deutschland 2006“ zu schützen, war die vorherr­schende Meinung. Und auch die Einschränkung, dass andere Zeitungen als die offiziellen Printprodukte im von der FIFA zum geschützten Be­reich erklärten Rund um die Stadien weder ver­kauft noch verschenkt werden dürften, könnte noch einer Belastungsprobe unterzogen werden. Die Bertelsmann Medienfabrik hat die Rechte für alle offiziellen Publikationen der FIFA zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erworben. Stefan Postler, Geschäftsführer der Bertelsmann Medienfabrik, empfahl den Verlagen, alles zu vermeiden, was beim Leser den Eindruck eines offiziellen FIFA-Druckwerks vermitteln könne. Dazu gehörten beispielsweise auch Zeitungsbeilagen mit der Titelzeile „Ihre WM-Zei­tung“.

Geschützte Marke: Deutschland 2006

IMG 0316Für Zeitungen, die als Veranstalter von Public-viewing-Events (also der Wiedergabe der Spiele auf Großbildleinwänden) auftreten wollen, stellte Dominik A. Schmid, Infront Sports & Media AG, klar, dass jede Veranstaltung dieser Art anzumel­den ist. Um eine kommerzielle Veranstaltung, bei der dann auch Gebühren fällig werden, handele es sich jedoch nur, wenn Eintritt erhoben werde oder wenn Sponsoren einbezogen werden. Auch eine geschlossene Veranstaltung von Verlagen beispielsweise für Anzeigenkunden fällt laut Schmid unter die Kategorie „kommerziell“. Mehrfach in Anschlag gebracht wurde von den FIFA-Vertretern der Begriff „gesunder Menschen­verstand“, mit dem sich die meisten Probleme gewiss anstandslos lösen ließen.

WAN-Protest gegen FIFA

IMG 0476Während der BDZV und die Vertreter der FIFA in Berlin noch über die modifizierten Medien-Richtlinien für die Presse diskutierten, hat sich auch der Weltverband der Zeitungen (WAN) in Paris zu Wort gemeldet und den „Eingriff in die redaktionelle Freiheit und Unabhängigkeit“ der Presse durch die FIFA beklagt. Dies stelle eine „Verletzung des Rechts auf den ungehinderten Zugang zu Informationen“ dar. Der WAN machte gemeinsam mit der europäischen Pressefoto­agentur EPA und den Nachrichtenagenturen As­sociated Press, Reuters, Getty Images und Deut­scher Presse-Agentur unter Federführung von Agence France Presse auf Einschränkungen aufmerksam, die Vorbedingung für die Zulassung der Agenturen zur WM seien. „Wer sie nicht ak­zeptiert, erhält keine Akkreditierung, und wer sich nicht daran hält, dem drohen Ausschluss und rechtliche Schritte.“ Vor allem habe die FIFA den Nachrichtenagenturen die Verantwortung für den Fall auferlegt, dass deren Kunden gegen die Ein­schränkungen verstoßen oder zu viele Fotos ver­öffentlichten.

Beispiele aus der Praxis

IMG 0558In den Verlagen haben die Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft längst begonnen. Anlässlich des BDZV-Informationstags stellten drei Häuser ihre Planungen vor. Bodo Krüger, stellvertretender Chefredakteur der „Neuen Presse“ in Hannover, machte noch einmal deut­lich, dass angesichts der vielen späten Anstoß­zeiten jede Beilage das Problem der Inaktualität lösen müsse. Vor diesem Hintergrund werde es in Hannover eine klare Trennung geben. Die tägli­che aktuelle Berichterstattung erscheine soweit erreichbar im Hauptprodukt; alles Übrige finde im Magazin statt, das sich an zwei erfolgreichen Vorläufern, nämlich dem Journal zur „Expo 2000“ und dem Mini WM-Journal zum Confed-Cup ori­entieren werde. Das Magazin, so Krüger, solle „bunt“, informativ, sportlich und unterhaltsam werden, Service (Termine, Orte) bieten und auch über die Metaebene „Medien“ berichten. Also darüber, wie sich das Großereignis Fußballwelt­meisterschaft beispielsweise im Fernsehen wi­derspiegele. Geplant sind 29 Ausgaben mit 16 Seiten (oder mehr) für das Verbreitungsgebiet Hannover, Peine, Hildesheim, Giffhorn, Göttin­gen, Wolfsburg, Hameln – und Leipzig. Die „Leip­ziger Volkszeitung“ gehört zur Hälfte zur Verlags­gesellschaft Madsack hinzu. Dies bringe übri­gens, so Krüger, auch höhere Chancen auf Inter­views, da „NP“, „Hannoversche Allgemeine“ und „LVZ“ gemeinsam drei Kollegen akkreditiert hät­ten. Insgesamt werden 16 Leute an dem Magazin arbeiten.

Harald Pistorius, Leiter der Sportredaktion der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, gestand „Angst und Zweifel“ ein, Angst, im Sommer geradezu überrollt zu werden von gutem Material in Text und Bild, denn „wir sind die Gatekeeper, die das alles auswerten müssen und in der Fülle die Perle nicht verpassen dürfen“. Und Zweifel darüber, „wer das eigentlich alles lesen soll“. Pistorius warb für Klasse statt Masse und prognostizierte, dass die regionalen Zeitungen durchschnittlich mit sechs bis acht Seiten täglich zur Weltmeister­schaft erscheinen werden. Sein Haus wird es unter anderem leisten können, weil sie sich einer redaktionellen Kooperation von bisher 13 Zeitun­gen (mit einer Gesamtauflage von 1,8 Millionen Exemplaren) angeschlossen hat, die zur Fußball-WM nicht nur Texte untereinander austauschen wird. Geworben wurden auch zwei „attraktive Kolumnisten“ (Rainer Calmund und Manuel Andrack) sowie ein Cartoonist aus Barcelona für den täglichen Fußball-Comic. Und dank der Ko­operation sollten auch die Verteilung der Sportre­dakteure auf die Trainingslager und die Match­cardbestellung nicht allzu schwierig werden.

Als „Herausforderung“ bezeichnete Michael As­helm, Sportredakteur der „Frankfurter Allgemei­nen Zeitung“ (FAZ) und der „Frankfurter Allge­meinen Sonntagszeitung“ (FAS) die Aufgabe, eine Schneise durch den WM-Dschungel zu schlagen. Einer Kölner Studie zufolge seien 33 Prozent der Leser sportaffin. Das bedeute, dass zwei Drittel sich nicht für Sport interessierten. Die „FAZ/FAS“ greife deshalb zu einer „distanzierten Berichterstattung“. Ein Reporterteam werde täg­lich „vier Fenster“ – neben den beiden Zeitungen auch noch den Online-Auftritt und die „Rhein-Main-Zeitung“ - bedienen und im gedruckten Pro­dukt täglich durchschnittlich zwölf Seiten, davon zehn für die Weltmeisterschaft, produzieren. As­helm kündigte an, dass Themen und Reportagen stärker betont werden sollten, auch sei jeden Tag eine „vermischte Seite“ im Sportteil geplant. „FAZ“ und „FAS“ verfügen über zwölf Reporter mit WM-Akkreditierung, ferner werden zwei Son­derkorrespondenten ohne Akkreditierung in den Austragungsorten unterwegs sein und das „WM-Gefühl“ einfangen.

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